Die Rose vom Liebesgarten

Die Rose vom Liebesgarten ist eine romantische Oper von Hans Pfitzner. Sie umfasst zwei Akte samt Vor- und Nachspiel; das Libretto wurde von James Grun verfasst.

Besetzung

I. Personen der Handlung

  • Die Sternenjungfrau mit dem Sonnenkinde: stumme Rolle
  • Minneleide: jugendlich dramatischer Sopran
  • Rotelse: dramatischer Alt
  • Schwarzhilde: Koloratur-Sopran
  • Siegnot: Helden-Tenor
  • Moormann: Spiel-Tenor
  • Der Sangesmeister: Hoher Bariton
  • Der Waffenmeister: Bass-Bariton
  • Der Nachtwunderer: Seriöser Bass
  • Der Hüter vom Wintertor: stumme Rolle
  • Edelinge, Edelfrauen und Edelkinder vom Liebesgarten, Moormänner und Waldweibchen, Riesen und Zwerge: Chor

II. Orchester

  • 3 Fl. (auch Picc.), 2 Ob., EH, 2 Kl., Bass-Kl., 2 Fg, Pfeife und Stierhorn auf der Bühne
  • 3 Trompeten, 4 Hörner, a.Hr in Es, T.Hr in B, 3 Pos., Bass-Tuba
  • 2 Harfen, Euphonium od. Celesta
  • Pauken, Triangel, Becken, Tamtam, kleine Trommel, Xylophon
  • Streicher, Va d’amore in der Bühnenmusik

Gliederung

  • Vorspiel: Im Liebesgarten
  • Akt 1: Im Urwald vor dem Liebesgarten
  • Akt 2: Im hohlen Berg
  • Nachspiel: Vor und im Liebensgarten

Handlung

Im Liebesgarten, einer Art germanischem Paradies, bestimmt die Sternenjungfrau, die gleichzeitig die Liebesgöttin ist und somit die Herrscherin über den Garten darstellt, Siegnot zum Hüter des Frühlingstors, dem Eingang in den Liebesgarten. Dem neugewonnenen Wächter übergibt sie eine zauberkräftige Rose, und Siegnot hat fortan nicht nur die Aufgabe, das Tor zu beaufsichtigen, sondern auch, neue Mitglieder für den Garten anzuwerben. Der Elfenkönigin Minneleide fällt Siegnot zum Opfer. Er verliebt sich in sie und schenkt ihr die Rose. Sie jedoch wird vom Licht des Liebesgartens derart geblendet, dass sie vom Garten weg in den Urwald flieht. Siegnot folgt ihr, doch der finstere Nachtwunderer samt seinen Zwergen bemächtigt sich Minneleides und schlägt Siegnot nieder. Dieser folgt den Entführern unbewaffnet in eine Berghöhle, um Minneleide an seiner statt auszulösen. Der Nachtwunderer schlägt eine Probe vor: Minneleide wird freigelassen, muss aber allein ins Licht steigen und die Rose im Liebesgarten abgeben. Gelingt ihr dies, sind beide frei, verzagt sie aber, wird sie vom Nachtwunderer erneut gefangengenommen, und Siegnot muss sterben. Überzeugt von seiner Liebsten, nimmt Siegnot die Probe an, Minneleide jedoch versagt erneut. Siegnot reißt daraufhin die Säulen ein und wird mitsamt Nachtwunderer und Zwergen verschüttet. Minneleide, verschont geblieben, schöpft aus Siegnots Vertrauen neue Kraft und bewältigt es, dem Elfenkönigreich zu entsagen, den Liebesgarten aufzusuchen und mit der Rose das Frühlingstor zu öffnen. Im Liebesgarten angelangt, verurteilen sie jedoch die Stimmen eines Gerichts. Die Sternenjungfrau aber spricht eine Begnadigung aus und erweckt Siegnot zu gemeinsamem Leben im Liebesgarten.

Aufführungsgeschichte und Rezeption

Die Rose vom Liebesgarten wurde am 9. November 1901 in Elberfeld uraufgeführt, doch Pfitzner bezeichnete erst die Wiener Inszenierung im Jahre 1904 als „kongeniale Aufführung eines Werkes von mir“. Kritiker warfen der Oper vor, sich einer überladenen und teilweise unverständlichen Symbolik zu bedienen.

Pfitzner-Exegeten begnügten sich damit, das Stück als damals populäre Gattung der Märchenoper aufzufassen. Auf diese Weise etwa behalf sich Müller-Blattau: „Detlev von Lilienkron bewundert die unbeschreiblich schöne ‚Märchenstimmung‘ darin. So wollte das Werk ja auch aufgenommen sein: als Märchen, in dem freilich, wie in allen echten Märchen, Weltgeschehen sichtbare Gestalt wird. Die Kritik aber orakelte weiterhin über ‚unklare Symbolik‘, über die ‚dramatisch unentwickelte Handlung‘. Und das Publikum sprach die Schlagworte nach; sie hängen dem Werk bis heute an.“[1]

Die im Werk enthaltenen Märchenspuren wurden fortan als Argument gegen jegliche Kritik vorgehalten, so etwa behalf sich Pfitzner-Biograf Walter Abendroth gegen den Vorwurf, dem Libretto sei „Wagner-Abhängigkeit“ nachzuweisen, mit den Worten: „[Diese ist] in nichts weiter erkennbar (…) als in einer Reihe von Märchenmotiven, die der deutschen Sagenwelt längst vor Wagner schon eigen waren (…)“[2]

Auch Pfitzner selbst betonte die Märchennähe der Oper immer wieder: „Wäre sie [die Sphäre der Handlung] als Sage oder Märchen altbekannt, würde niemand gegen eine Umdichtung zur Oper etwas einzuwenden haben; es wäre die erlaubte, gewohnte ‚Benutzung der Sage‘ und selbst Ausdeutungen im Einzelnen, von den Lesern und Hörern zu findenden symbolische oder allegorische Finessen würden als Empfehlungen dienen und den Reiz des ‚Verstehens‘ – worin ja viele einzig einen Genuß erblicken – erhöhen; dem Dichter würden sie als ‚Vertiefungen‘ der Sage angerechnet.“[3]

Max Reger nannte die Oper ein „ganz großes, herrliches Werk. Gustav Mahler rief laut Alma Mahler-Werfel nach dem 1. Akt aus: „Seit der Walküre, erster Akt, ist etwas ähnlich Großartiges nicht geschrieben worden!“ Bruno Walter hörte in der Oper Dinge, „die zum Schönsten gehören, was je geschrieben worden ist“.

Die Oper wird selten gespielt, zuletzt 1998 an der Oper Zürich.[4] 2008 wurde die Oper am Theater Chemnitz von Jürgen R. Weber inszeniert.[5]

Aufnahmen

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Joseph Müller-Blattau: Hans Pfitzner. Lebensweg und Schaffensernte, Waldemar Kramer Verlag Frankfurt/Main, 1969, S. 40/41
  2. Abendroth, Walter Hans Pfitzner, Nachdruck in der Reihe Texte zur Musik der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, Band 2, Kiefer & Albers Verlag, Aachen 1981 (Originalausgabe Albert Langen Verlag München, 1935), S. 313
  3. Pfitzner, Hans: Gesammelte Schriften, Band II, Dr. Benno Filser Verlag, Augsburg 1926, S. 89–97 Die 'Symbolik' in der Rose vom Liebesgarten (23. August 1915)
  4. Chemnitz, Oper – DIE ROSE VOM LIEBESGARTEN. Artikel über die Aufführung in der Oper Chemnitz.
  5. Website zur Inszenierung am Theater Chemnitz, Aufzeichnung vom 29. November 2008 im D-Radio.