Die dritte Kugel

Die dritte Kugel ist ein phantastischer Roman von Leo Perutz aus dem Jahr 1915.

Inhalt

Graf Grumbach, der „Wildgraf am Rhein“, muss im Zuge der Konfessionskriege des 16. Jahrhunderts seine Heimat Deutschland verlassen. Mit einigen protestantischen Bauern flieht er bis nach Mexiko und gerät dort in den Krieg zwischen den spanischen Konquistadoren um Hernán Cortés und den aztekischen Ureinwohnern. Grumbach schlägt sich auf die Seite der Azteken. Doch die Deutschen sind dem spanischen Heer vor allem hinsichtlich ihrer militärischen Ausrüstung unterlegen. Ein Pakt mit dem Teufel verhilft Grumbach schließlich zu einer Arkebuse mit drei Kugeln. Letztere sind jedoch verflucht und töten im Kampf um Tenochtitlán zuerst den Aztekenkönig Moctezuma II., dann Grumbachs Geliebte. Was mit der titelgebenden dritten Kugel passiert, bleibt bis zum Ende des geschickt konstruierten Romans offen.

Interpretation

Der Hamburger Literaturwissenschaftler Hans-Harald Müller sieht die Struktur des Romans „im Zusammenhang mit jener Problematisierung von Ich-Identität, die bekanntlich eines der bestimmenden Themen der Wiener Moderne war. Ihre Erfahrung war die Auflösung des Bewußtseins der Kontinuität der Person in die Zusammenhangslosigkeit der Lebensgeschichte.“[1] In dem Umstand, dass Perutz den Verbleib der dritten Kugel als letztlich wohl nicht auflösbares Rätsel inszeniert, erkennt Müller ein Charakteristikum dieses Autors: „Perutz Beitrag zur Modernisierung des Romans besteht nicht in stilistischen Neuerungen. Er bringt den Roman durch eine Dynamisierung der Struktur, durch Aporien der Interpretation von innen her in eine unaufhörliche Bewegung.“[2]

Einzelnachweise

  1. Leo Perutz: „Die dritte Kugel“, München 2007, S. 328
  2. Ebd.