Die großen Fische fressen die kleinen

Pieter Bruegel the Elder - Big Fish Eat Little Fish, 1556 - Google Art Project.jpg
Die großen Fische fressen die kleinen
Pieter Bruegel der Ältere, 1556
Feder und Pinsel in Grau und Schwarz, 21,6 cm × 30,7 cm
Grafische Sammlung Albertina

Die großen Fische fressen die kleinen ist eine Feder- und Pinselzeichnung Pieter Bruegels des Älteren in der Grafischen Sammlung Albertina (1556).

Inhaltsverzeichnis

Inhalt und Ausführung

Der Betrachter blickt von einem erhöhten Standpunkt aus auf eine Küstenlandschaft mit vorgelagerter Insel. Am Ufer liegt ein riesenhafter Fisch, der eben von zwei Menschen zerlegt wird. Aus dem offenen Maul und der aufgeschnittenen Seite quellen Fische und anderes Meeresgetier mit wiederum kleineren Tieren im Maul. Selbst Muscheln versuchen Fische zu erbeuten. Im Wasser verschlingt ein Fisch einen Fisch, während er selbst gefressen wird und am Ufer verwendet ein Angler einen kleinen Fisch als Köder für einen großen. Auf einem Baum rechts oben vor einer Hütte wird der Fang zum Trocknen aufgehängt und davor ist ein Mischwesen aus Fisch und Mensch zu sehen. In einem am Ufer angelegten Boot, ganz im Vordergrund, zeigt ein Vater seinem Sohn diese Szene. Ein weiterer Mann im Boot nimmt gerade seinen Fang aus und fördert dabei ebenfalls einen Fisch zutage.

Die stark stockfleckige Feder- und Pinselzeichnung ist am rechten unteren Rand mit „1556 brueghel“ signiert. Aufbewahrungsort ist die Grafische Sammlung Albertina, Inventarnummer 7875. Die Maße betragen 21,6 x 30,7 cm.[1]

Deutung

Seitenverkehrter Stich im Metropolitan Museum of Art

Das Motiv des „Fressen-und-Gefressen-Werdens“ ist konsequent umgesetzt, durch die gleichzeitige Darstellung erscheint es allerdings gespenstisch und widersinnig. Das riesenhafte Messer, mit dem der Fisch aufgeschlitzt wird, trägt einen Reichsapfel als Welt-Symbol[2] eingraviert. Obwohl der auf einer Leiter stehende Mensch mit Dreizack zu den letzten Räubern zu gehören scheint, kommt doch ein fliegender Fisch mit weit aufgerissenem Maul auf ihn zu. Das Mischwesen aus Fisch und Mensch am rechten Bildrand weist darauf hin, dass hier menschliches Handeln exemplarisch und moralisierend vorgeführt wird, wie es auch in Tierfabeln der Fall ist. Der Vater zeigt dem Sohn eine Welt, in der der Stärkere auf Kosten des Schwächeren lebt.[3]

Nach dieser Zeichnung angefertigte Kupferstiche[4] sind am unteren Rand mit zwei erklärenden Beischriften versehen: dem lateinischen Bildtitel GRANDIBVS EXIGVI SVNT PISCES PISCIBVS ESCA und der wörtlichen Rede des Vaters: Siet sone dit hebbe ick zeer langhe gheweten / dat die groote vissen de cleyne eten (deutsch etwa: Sieh mein Sohn, ich weiß das seit langem – daß der Große den Kleinen verschlingt.[5] Auf diesen Stichen ist statt Bruegel allerdings Hieronymus Bosch als Urheber angegeben („Hieronymus Bos. Inventor“) Trotz der vielen direkt von Bosch stammenden Motive spricht die konsequente Umsetzung der Bildidee für den rationaleren Bruegel.[2] Auch das Metropolitan Museum of Art – das einen der Stiche besitzt – führt ihn als Urheber der Vorlage auf.[6] Ob Bruegel nach einem verlorenen Original Boschs arbeitete, oder einfach ein verkaufsträchtigerer Name gewählt wurde, lässt sich nicht mehr klären.[2]

Einzelnachweise

  1. Albertina Bilddatenbank aufgerufen am 24. Oktober 2012
  2. a b c Konrad Oberhuber: Zwischen Renaissance und Barock: das Zeitalter von Bruegel und Bellange. Wien 1967, S. 52 f.
  3. Christian Vöhringer: Pieter Bruegel. 1525/30-1569 h.f.ullmann 2007, ISBN 978-3-8331-3852-2, S. 6.
  4. Stecher: Pieter van der Heyden, Herausgeber: Hieronymus Cock (metmuseum.org Big Fish Eat Little Fish, aufgerufen am 12. Februar 2012)
  5. Übersetzung nach Rose-Marie und Rainer Hagen Pieter Bruegel d. Ä. um 1525-1569 – Bauern, Narren und Dämonen Taschen Verlag 1999, ISBN 3-8228-6590-7, S. 22.
  6. metmuseum.org Big Fish Eat Little Fish aufgerufen am 12. Februar 2012

Weblinks

 Commons: Die großen Fische fressen die kleinen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien