Die kleine Lady

Filmdaten
Originaltitel Die kleine Lady
Produktionsland Österreich
Originalsprache Deutsch
Erscheinungsjahr 2012
Länge 100 Minuten
Stab
Regie Gernot Roll
Drehbuch Chris Boyle
Lavina Dawson
Tanya Fenmore
Produktion Boris Ausserer
Birte Dronsek
Oliver Schündler
Sabine Weber
Musik Lothar Scherpe
Kamera Gernot Roll
Schnitt Moune Barius
Besetzung
Drehort in Österreich: Schloss Grafenegg

Die kleine Lady ist ein österreichischer Fernsehfilm aus dem Jahr 2012. Der Familienfilm ist eine Literaturverfilmung des 1886 erschienen Kinderbuches Der kleine Lord von Frances Hodgson Burnett. Die Erstausstrahlung war am 16. Dezember 2012 im ZDF.

Inhaltsverzeichnis

Handlung

Das kleine Straßenmädchen Emily Ernest lebt mit seiner jung verwitweten Mutter im späten 19. Jahrhundert in New York. Sie verbringt ihre Zeit am liebsten im Laden der ehemaligen Opernsängerin Dolores Hobbs, die sich immer wieder Ärger dafür einhandelt, für die Rechte der Frauen einzustehen. Eines Tages erfährt Emily, dass sie die einzig verbliebene Erbin der Gräfin von Liebenfels zu Arlingen ist. Die alte Dame hatte zwei Söhne. Während der ältere verstarb, wurde Emilys Vater, der jüngere Sohn, verstoßen, da er nicht standesgemäß geheiratet hatte. Dieser verstarb dann ebenfalls in den USA, in die er mit Frau und Tochter ausgewandert war. Da die Gräfin allerdings nun ihre Nachfolge regeln will und Emily nunmehr die einzige bekannte Erbin ist, schickt sie den Familienanwalt Moritz von Havenegg nach New York, um Emily nach Österreich zu holen.

Dort soll sie nach ihrer Ankunft zu einer würdigen Aristokratin erzogen werden, um in die bessere Gesellschaft eingeführt werden zu können. Dazu wird sie anfangs auch von ihrer Mutter getrennt, die als Bürgerliche nicht in den Haushalt der Gräfin aufgenommen wird. Diese akzeptiert das, da nur durch die Erziehung als Gräfin das wirtschaftliche Auskommen von Emily gesichert ist. Im Schloss der Gräfin trifft das lebensfrohe Mädchen auf eine fremde Welt voller Emotionslosigkeit und erstarrter Konventionen. Doch die strengen Regeln schrecken die kleine New Yorkerin nicht ab. Sie bleibt wie sie ist und schafft es mit ihrem offenherzigen Charme und Gerechtigkeitssinn, die alte Gräfin in ihren Bann zu ziehen, so dass auch diese mit einigen althergebrachten Konventionen bricht. Bald jedoch erscheint eine Betrügerin, die behauptet, dass ihr vorgeblicher Sohn der rechtmäßige Erbe und sie die Witwe des älteren Sohnes der Gräfin sei. Emilys alte Freundin Dolores erfährt davon aus der Presse, kennt jedoch die Betrügerin aus ihrem früheren Leben am Theater. Sie reist nach Europa und enttarnt das Komplott.

Unterschiede zur Literarischen Vorlage

Die Verfilmung weicht in zahlreichen Details von der Literaturvorlage ab:

  • so ersetzt bei den Protagonisten nicht nur die „kleine Lady“ in der Hauptrolle den im Original vorkommenden kleinen Lord, sondern auch die erwachsene Freundin Mrs. Hobbs den gleichnamigen Ladenbesitzer sowie eine österreichische Gräfin den englischen Earl aus dem Roman
  • der wirkliche Vater des Sohnes der Betrügerin hilft nicht - wie im Original - bei der Aufklärung des Komplotts, sondern ist ein Mitverschwörer
  • der vorgebliche Sohn der Betrügerin und Rivale um die Erbschaft ist nicht wirklich der Sohn der Betrügerin; er bleibt nach der Aufdeckung des Komplotts im Haushalt der Gräfin, da er bei dessen Aufklärung mithilft
  • die Harmonie zwischen der kleinen Lady und der Großmutter bricht sich nach einem großen Streit Bahn und nicht nach und nach
  • „Die kleine Lady“ enthält zahreiche Anspielungen an die frühe Frauenbewegung
  • die Betrügerin übernimmt schon zu Lebzeiten der Großmutter die Herrschaft im Schloss wegen deren Erkrankung
  • die Gräfin will die gesetzliche Erbfolge zugunsten des Sohnes der Betrügerin durch eine Eingabe an den Kaiser ändern, woraufhin die Betrügerin und ihr Komplize versuchen, sie zu vergiften
  • der europäische Teil der Handlung wurde von England nach Österreich-Ungarn verlegt, der US-amerikanische spielt im deutschsprachigen Emigrantenmillieu

Ein Drehort des Films war das Schloss Grafenegg in Niederösterreich.

Kritiken

„Regisseur und Kameramann Gernot Roll [....] inszenierte die Geschichte nun erstmals mit einer jungen weiblichen Hauptdarstellerin. Der "Kleine Lord" mutiert also zur jungen Gräfin, die Handlung wurde kurzerhand von England nach Österreich verlegt. Als mürrische wie hartherzige Gräfin, die schließlich doch noch ihr Herz entdeckt, zeigt Christiane Hörbiger [...] vor der beeindruckenden Kulisse des niederösterreichischen Schloss Grafenegg einmal mehr ihre schauspielerische Bandbreite, die junge Philippa Schöne gibt in ihrer ersten Filmrolle überhaupt die kleine Emily. Für Freunde des Romans von Frances Hodgson Burnett ist das Ganze sicher recht gewöhnungsbedürftig, zumal Rolls Version als reichlich kitschiges Märchen daher kommt, doch hat sich der Zuschauer mit dem Geschlechterwechsel erst einmal abgefunden, kann er sich "Die kleine Lady" getrost anschauen.“

Prisma[1]

„Der restliche Film, die anderen Charaktere, sind so simpel angelegt, dass man Die kleine Lady über weite Strecken gerne für eine Satire halten würde, wenn man es nicht besser wüsste. [...] Natürlich muss ein Familienfilm wie Die kleine Lady nicht den Anspruch haben, eine möglichst komplexe Geschichte zu erzählen, aber muss eine Inszenierung dem Zuschauer jede menschliche Gefühlsregung seiner Figuren mit dem Megafon direkt ins Innenohr brüllen? Und natürlich ist bald Weihnachten, und da isst man auch immer dasselbe, aber kann man Spielfilmbudgets nicht vielleicht sinnvoller ausgeben als für ein kreuzbraves Remake eines ohnehin schon schrecklich spießigen Films?“

Süddeutsche Zeitung[2]

„Manche Filme erträgt man nur im Lebkuchenkoma [...] Weswegen wir an dieser Stelle auch aufhören und dringend – das hätten wir sonst nie zu träumen gewagt – zum parallel laufenden "Tatort" mit Maria Furtwängler raten.“

Die Welt[3]

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Die kleine Lady, prisma.de
  2. "Die kleine Lady" im ZDF, Es ist ein Mädchen, sueddeutsche.de
  3. Geschlechtsumwandlung eines Klassikers, welt.de