Dieter Pfaff

Dieter Pfaff (2012)

Dieter Pfaff (* 2. Oktober 1947 in Dortmund) ist ein deutscher Schauspieler und Regisseur.

Inhaltsverzeichnis

Biografie

Pfaff wurde als Sohn eines Polizisten geboren. Als Kind liebte er die Schlager der 1950er-Jahre und lernte sie auswendig, woraufhin ihn seine Großmutter zum Friseur und zum Krämer mitnahm und ihn dort vor Publikum singen ließ.[1] Er besuchte das damalige Aufbau- und heutige Ernst-Barlach-Gymnasium in Unna[2] und machte dort 1968 sein Abitur;[3] einer seiner Klassenkameraden war der Schriftsteller Heinrich Peuckmann.[4] In der Schule entdeckte er seine Neigung zum Schauspiel.[5] Seine heutige Frau Eva kennt er bereits seit der Schulzeit und heiratete sie 1969.[6] Er verließ schon früh sein Elternhaus und näherte sich seinem Vater erst wieder nach der Geburt seiner Kinder. Pfaff bedauert den frühen Tod seines strengen Vaters im Alter von 58 Jahren, zu dem er ein intensives und schwieriges Verhältnis hatte.[1]

Zunächst begann Pfaff ein Lehramtsstudium in Germanistik und Geschichte.[7] Mit 22 Jahren brach er sein Studium ab und nahm sein erstes Engagement als Regieassistent am Theater Dortmund an.[8] Bis zu seinem 35. Lebensjahr war Pfaff Theaterdramaturg, später auch Autor und Regisseur in den Theatern von Paderborn, Dortmund, am Landestheater Tübingen, Nürnberg, München, am Theater am Turm (TAT) in Frankfurt am Main und auch Kulturreferent in Landshut. Er zählt sich zu den damals politisch aktiven 68ern, die sich jedoch gänzlich überforderten auf der Suche nach neuen Lebensmodellen. Pfaff hält die Geschichte seiner 68er-Generation für noch völlig unaufgearbeitet – entgegen den vielen Abrechnungen und wenigen Idealisierungen seiner Zeitgenossen.[5]

1983 erhielt er eine Professur für Schauspiel an der Universität für Musik und darstellende Kunst Graz, die er sieben Jahre lang ausübte. Parallel dazu wurde er im Filmgeschäft aktiv. Beim Fernsehspiel Rita, Rita im Norddeutschen Rundfunk wurde er 1984 zum ersten Mal als Fernsehregisseur tätig. Mit etwa 35 Jahren erkannte er, dass er doch lieber Schauspieler als Regisseur war. An eine Schauspiel-Karriere war jedoch noch nicht zu denken. Erst durch viele Nebenrollen in Fernsehfilmen, insbesondere ab 1984 als Polizist Otto Schatzschneider in der Krimiserie Der Fahnder, kämpfte er sich seinen Weg vom „supporting act“ zu einem komplexen Charakterdarsteller in der Hauptrolle.[7] Viel zu lange wartete er auf seine Entdeckung. Da diese ausblieb, nahm er die Sache selbst in die Hand und konzipierte für sich Spielfilmcharaktere.[5]

Zuerst entwickelte er zusammen mit Rolf Basedow und Dominik Graf eine ruhige und psychologisch versierte Hauptrolle. So wurde er mit 50 Jahren in der Krimireihe Sperling als gleichnamiger Kommissar bekannt, ein Charakter mit großem Feingefühl und Engagement. Damit gelang ihm endlich sein künstlerischer Durchbruch. Seitdem ist er zu einem gefragten Schauspieler geworden und oft auf Kinoleinwänden und im Fernsehen zu sehen. Am liebsten verkörpert er „Personen, die sich ohne Rücksicht auf sich selbst für ihre Mitmenschen einsetzen und dabei auch mal eins auf die Schnauze kriegen, sich schütteln und wieder aufstehen.“[7] In seinen Rollen betreibe er daher „einen emotionalen Hochleistungssport.“[7]

In der Spielfilm-Reihe Bloch spielt er einen unkonventionellen Psychotherapeuten, der zwar selbst an seinen Schwächen leidet, aber dennoch mit höchster Sensibilität, großer Hingabe und List seinen Klienten in dramatischen Notlagen hilft. Die Handlungsstruktur ist wie bei einem Krimi angelegt und entspricht bewusst nicht einem normalen Therapieverlauf. Mit dieser Rolle erfüllte sich Pfaff einen früheren Berufswunsch.[9]

Die Fernseh-Serie Der Dicke handelt von einem engagierten Rechtsanwalt in Hamburg, der seine Wirtschaftskanzlei verlässt und sich nun für die Probleme der kleinen Leute mit Gefühl und Verstand einsetzt. Sein Übergewicht führt Pfaff nicht auf seinen Appetit, sondern auf seine Sensibilität zurück. Das Gewicht halte ihn von Höhenflügen ab. „Das Dicksein ist etwas, was mich erdet und mich am Boden festmacht.“[10]

Dieter Pfaff ist seit 1969 mit der Produzentin Eva Maria Emminger verheiratet, sie haben eine Tochter und einen Sohn (Zwillinge, * 1979; Regie-Assistentin, Schauspieler). Seit 1995 lebt Pfaff mit seiner Familie in Hamburg [11] und ab 2010 [12] in einer „generationenübergreifenden WG“ mit den Familien seiner Kinder in seinem eigenen Haus in Hamburg-Altona.[13] Seine Tochter lebt gemeinsam mit dem Regisseur Max Zähle.[13] Als seine Lieblingsschauspielerin nannte er Nadja Uhl,[14] eine frühere Filmpartnerin (Verhängnisvolles Glück, 2000), die ebenfalls in einem „Mehr-Generationen-Haus“ lebt.

In seiner Freizeit und oft auf dem Filmset singt er und begleitet sich dabei auf einer Gitarre.[1] Er engagiert sich seit mehreren Jahren als Unicef-Sonderbotschafter gegen den weltweiten Einsatz von Kindersoldaten und übernahm mit seiner Frau die Patenschaft für mehrere Kinder.[7]

Am 20. September 2012 gab seine Agentur bekannt, dass Dieter Pfaff an Lungenkrebs erkrankt ist. Er ließ mitteilen, dass er sich einer Chemotherapie unterziehe und die Behandlung gut anschlage. Die Dreharbeiten für eine neue Staffel der ARD-Serie Der Dicke seien verschoben worden.[15]

Filme

Serien

Auszeichnungen

Für seine schauspielerischen Leistungen erhielt er unter anderem folgende Auszeichnungen:

Dokumentarfilme

Weblinks

Interviews

Einzelnachweise

  1. a b c Heike Gätjen: „Gätjen trifft ... Dieter Pfaff. "Der Dicke" mit der dünnen Haut“, Hamburger Abendblatt, 20. November 2009
  2. Marcus Esser: „Krimiautoren in der Kirchenkanzel“, DerWesten, 2. Juni 2009
  3. WR: „Peuckmann lässt das Morden nicht“, DerWesten, 5. November 2007
  4. WR: „Mit Bahr und Bülow in der PEN-Vereinigung“, DerWesten, 26. Mai 2008
  5. a b c In: Der Selbsterfinder – Dieter Pfaff. Ein Porträt des Schauspielers. WDR, 2005
  6. Dieter Pfaff bei Beckmann, 10. Dezember 2007
  7. a b c d e Claudia Pless: „Dieter Pfaff wird 60 – Portrait eines Schauspielers“, bauernblattsh.de, 12. März 2010
  8. Heike Gätjen: „Das ist Dieter Pfaff“, Hamburger Abendblatt, 20. November 2009
  9. Eric Leimann: „Dieter Pfaff - Die Therapie beginnt nach dem Film“, monstersandcritics.de, 22. August 2009, Interview
  10. AP: „Dieter Pfaff: Gewicht hält von Höhenflügen ab“, Bunte, 14. Oktober 2009
       vgl. „Dieter Pfaff: Dick durch Gefühlsbetontheit“, Rheinische Post, 14. Oktober 2009
  11. „Schauspieler Dieter Pfaff wird 60“, MDR, 2. Oktober 2007, archiviert bei Internet Archive
  12. Uli Martin: Dieter Pfaff: „Der ist wirklich so“, Focus, 13. März 2010
  13. a b Günter Fink: Dieter Pfaff: „Die Elbphilharmonie – ein Schildbürgerstreich“. In: Die Welt, 2. April 2012, Interview
  14. „Fragebogen: Dieter Pfaff“, Focus Magazin, Nr. 25, 15. Juni 2009
  15. „Dieter Pfaff an Krebs erkrankt - Dreharbeiten verschoben.“ In: dapd / Hamburger Abendblatt, 20. September 2012
  16. Kulturpreis Friedrich S. vom KulturNetz Mannheim Rhein-Neckar e.V., archiviert von Internet Archive