Doktor Gräsler, Badearzt

Doktor Gräsler, Badearzt ist eine 1914 entstandene Erzählung von Arthur Schnitzler, die im Spätwinter 1917 im Berliner Tageblatt erschien. S. Fischer brachte das Buch noch im selben Jahr - ebenfalls in Berlin - heraus[1].

Doktor Emil Gräsler, vormals als Schiffsarzt auf den Weltmeeren unterwegs, will als einsamer Junggeselle sesshaft werden und wählt aus Mangel an Selbstvertrauen schließlich einen Mittelweg.

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

Doktor Gräsler, inzwischen 48-jährig, fährt nicht mehr zur See, sondern verbringt die Winter als Badearzt auf Lanzarote. Nach dem Suizid seiner ledigen Schwester Friederike hält er sich den Sommer über daheim in Deutschland als Badearzt in einem Kurstädtchen auf. Dort lernt er die 27-jährige Sabine Schleheim, Tochter eines gescheiterten Opernsängers, kennen und lieben. Sabine sollte früher einmal auf Wunsch des Vaters Sängerin werden, war aber dann als Krankenpflegerin tätig gewesen. Ihr Verlobter, ein Arzt, war jung gestorben.

Doktor Gräsler erkennt zwar, Sabine ist die Frau fürs Leben, doch er bringt nicht den Mut auf, um sie anzuhalten. Das erledigt Sabine schriftlich - sie wirft sich ihm an den Hals, wie sie formuliert. Sabine denkt praktisch. Dr. Gräsler solle doch das heruntergekommene Sanatorium in der kleinen Kurstadt kaufen und renovieren. Sabines Vater wolle den Doktor gegebenenfalls finanziell unterstützen. Dr. Gräsler, der Sonderling, Egoist und Philister flüchtet vor Sabines Antrag in seine Vaterstadt. Dort will er mit seinem alten Freund, dem Rechtsanwalt Böhlinger, den Kauf des Sanatoriums besprechen. Böhlinger teilt Gräsler mit, Friederikes Erbe reiche aus, um dem Mediziner ein bescheidenes, sorgenfreies Leben ohne berufliche Anspannung zu ermöglichen.

Dr. Gräsler nähert sich Katharina Rebner. Er lebt mit der blutjungen Verkäuferin, Tochter eines Postbeamten, eine Weile zusammen.

Dr. Gräslers ärztlicher Beistand ist in einem Notfall gefragt. In seinem Vaterhause erkrankt die kleine Tochter der jungen Witwe Sommer an Scharlach.

Ein Versuch Dr. Gräslers, bei der geliebten Sabine um gut Wetter zu bitten, scheitert. Der Weiberverächter ist bitter enttäuscht von Katharina, Sabine und Friederike. Katharina hat ihn verlassen und Friederike, so erweist sich, hatte hinter Dr. Gräslers Rücken in Jugendjahren ein amouröses Abenteuer nach dem andern und betrog obendrein ihren Bräutigam Böhlinger.

Katharina stirbt an Scharlach. Der Doktor hatte sie offenbar angesteckt. Dr. Gräsler heiratet Frau Sommer. Der Winter naht. Das Paar begibt sich mit Kind nach Lanzarote.

Rezeption

  • Scheffel bezeichnet Dr. Gräsler als innerlich schwach und gefühllos[2].
  • Sprengel beschreibt die Geschichte des "Verdrängungskünstlers"[3] Dr. Gräsler kurz.
  • Schnitzler als Satiriker: Die Strenge der Milieuschilderung im Dr. Gräsler vergleicht Le Rider mit Maupassants Roman Mont-Oriol.[4]
  • Becker gibt drei Quellen für das weiter führende Studium der Erzählung an (C. E. J. Brinson (1983), Peter von Haselberg (1981) und Ernest Henry von Nardroff (1968)).[5]

Verfilmung

Die Erzählung wurde verfilmt

Weblinks

Literatur

Quelle
  • Arthur Schnitzler: Doktor Gräsler, Badearzt. S. 155 - 268 in Heinz Ludwig Arnold (Hrsg.): Arthur Schnitzler: Casanovas Heimfahrt. Erzählungen 1909 - 1917. Mit einem Nachwort von Michael Scheffel. S. Fischer, Frankfurt am Main 1961 (Ausgabe 1999). 495 Seiten, ISBN 3-10-073553-6
Erstausgabe in Buchform
  • Arthur Schnitzler: Doktor Gräsler, Badearzt. Erzählung. S. Fischer Verlag Berlin 1917. 221 Seiten. Broschur, farbige Umschlagzeichnung.
Ausgaben
  • Arthur Schnitzler: Doktor Gräsler, Badearzt. Erzählung. Fischer Taschenbücher 9407. Durchgesehene Neuausgabe der Erzählenden Schriften 1989. ISBN 978-3-596-29407-7
Sekundärliteratur
  • Peter Sprengel: Geschichte der deutschsprachigen Literatur 1900 - 1918. München 2004. 924 Seiten, ISBN 3-406-52178-9
  • Gero von Wilpert: Lexikon der Weltliteratur. Deutsche Autoren A - Z. S. 555, rechte Spalte, 14. Z.v.u. Stuttgart 2004. 698 Seiten, ISBN 3-520-83704-8
  • Sabine Becker: Dr. Gräsler, Badearzt. "Seelisches Gleichmaß" zwischen Heiliger und "süßem Mädel". S. 159 - 171 in Hee-Ju Kim und Günter Saße (Hrsg.): Interpretationen. Arthur Schnitzler. Dramen und Erzählungen. Reclams Universal-Bibliothek Nr. 17352. Stuttgart 2007. 270 Seiten, ISBN 978-3-15-017532-3
  • Jacques Le Rider: Arthur Schnitzler oder Die Wiener Belle Époque. Aus dem Französischen von Christian Winterhalter. Passagen Verlag Wien 2007. 242 Seiten, ISBN 978-3-85165-767-8

Einzelnachweise

  1. Quelle, S. 489, sechster Eintrag
  2. Scheffel im Nachwort der Quelle, S. 485, 8. Z.v.o.
  3. Sprengel, S. 241, 13. Z.v.u.
  4. Le Rider, S.88, 10. Z.v.u.
  5. Becker, Literaturhinweise, S. 171