Dreikaiserbund

Der Dreikaiserbund war ein am 18. Juni 1881 abgeschlossenes geheimes Neutralitätsabkommen zwischen dem Deutschen Reich, Österreich-Ungarn und Russland.

Der Dreikaiserbund setzte das zwischenzeitlich auseinander gebrochene Dreikaiserabkommen von 1873 fort und war Teil von Bismarcks Neuaufbau seines Bündnissystems nach dem Berliner Kongress von 1878. Dieser Neuaufbau war nötig geworden, als Russland das Dreikaiserabkommen aufkündigte. Es war enttäuscht, dass das Deutsche Reich auf dem Berliner Kongress nicht Partei für die russischen Forderungen ergriffen hatte und der Frieden von San Stefano (machtpolitisch vor allem zugunsten Österreich-Ungarns) weitgehend revidiert worden war.

Vorrangiges Ziel Bismarcks war es, der sich mit der Entfremdung Russlands abzeichnenden Gefährdung der Sicherheit des Deutschen Reiches durch ein erneutes Vertragsverhältnis zu begegnen. In der Folge übte Bismarck enormen politischen und wirtschaftlichen Druck auf Russland aus, um es wieder in ein Vertragsverhältnis zurückzuführen und ihm eine drohende Isolation im europäischen Mächtesystem vor Augen zu führen. Tatsächlich war das russische Verhältnis zu Großbritannien und Frankreich wegen der erzwungenen Revision von San Stefano erheblich belastet und als einzige Alternative schien sich ein erneutes Zusammengehen mit dem Deutschen Reich und Österreich-Ungarn anzubieten.

Am 18. Juni 1881 schlossen die drei Länder den Dreikaiserbund. Die Vertragspartner verpflichteten sich auf drei Jahre zu wohlwollender Neutralität in einem potentiellen Krieg mit einer vierten Partei und vereinbarten eine Konsultationspflicht für ihre Aktivitäten auf dem Balkan. Das Deutsche Reich konnte sich so der russischen Neutralität in einem etwaigen französisch-deutschen Krieg sicher sein, während Russland mit der reichsdeutschen und österreichisch-ungarischen Neutralität im Falle eines Krieges gegen Großbritannien wegen der Meerengenfrage oder gegen das Osmanische Reich auf dem Balkan abgesichert war (Orientalische Frage).

Der belastende Balkangegensatz zwischen Russland und Österreich-Ungarn konnte jedoch auch durch den Dreikaiserbund nicht überbrückt werden. Zwar wurde er trotz Spannungen zwischen Wien und Sankt Petersburg am 27. März 1884 noch einmal verlängert. Doch durch den erneut offenen Ausbruch der Rivalität beider Staaten auf dem Balkan in der Bulgarischen Krise 1885/86 zerbrach der Dreikaiserbund und Bismarck musste seine Bündnispolitik mit dem so genannten System der Aushilfen retten. Direkte Folge des Scheiterns des Dreikaiserbundes war der Abschluss des Rückversicherungsvertrags und der Mittelmeerentente.

„Bismarck selbst kam sich“ – laut Rudolf Augstein – beim Dreikaiserbund „wie ein Mann vor, der zwei Kettenhunde an der Leine hielt, die er ständig hindern mußte, einander an die Kehle zu fahren.“[1]

Einzelnachweise

  1. Rudolf Augstein: Auf die schiefe Ebene zur Republik. In: Der Spiegel 2/1985, 7. Januar 1985.