Elektronische Gesundheitsakte (Österreich)

Die elektronische Gesundheitsakte (ELGA) ist ein System zur

  • Standardisierung der elektronischen Kommunikation zwischen Gesundheitsdiensteanbieter auf der Basis von HL7 sowie zur
  • Vernetzung von Gesundheitsdaten und -informationen auf der Basis der Clinical Document Architecture.

In den Jahren 2006 bis 2010 arbeitete die ARGE ELGA im Auftrag des Gesundheitsministeriums mit dem Hauptverband der Sozialversicherungsträger, der Bundesgesundheitsagentur und den Bundesländern an der Entwicklung von ELGA. Von ELGA verspricht man sich eine „Steigerung der Qualität, der Effektivität und der Effizienz der gesundheitlichen Versorgung“ durch „einheitliche Vorgaben für einheitliche Dokumentation und Codierung der Information“. Finanziert wurde die ARGE ELGA durch die Bereitstellung von 2,4 Millionen Euro von der Bundesgesundheitsagentur.[1]

Bis zum Jahr 2007 wurden Grundlagenstudien durchgeführt, ab 2008 begann die Detailplanung. Seit dem Jahr 2011 werden mit den Entwürfen zum Gesundheitstelematikgesetz die rechtlichen Grundlagen für die Einführung von ELGA gelegt. Projektstart soll Mitte 2013 sein, der Vollbetrieb ist für das Jahr 2017 geplant.[2] Bis Mitte 2013 wird das Zugangsportal, eine Widerspruchs- und eine Ombudsstelle „nach Maßgabe der technischen Möglichkeiten“ entstehen. Bis zum Jahr 2017 soll die Einführung von ELGA 130 Mio. Euro kosten, danach werden die jährlichen Kosten mit 18 Mio. Euro, die jährlich zu erzielenden Einsparungen im Gesundheitssystem durch ELGA werden mit 129 Mio. Euro angegeben.[3]

Inhaltsverzeichnis

ELGA GmbH

Die ELGA GmbH wurde 2009 als Nachfolgeorganisation der ARGE ELGA gegründet. In dieser Gesellschaft soll die konkrete Harmonisierungsarbeit zwischen den Institutionen im Gesundheitsbereich bei Befunden, im Entlassungsmanagement von Entlassungsbriefen und im Bereich der Medikation bei Rezepten (e-Rezept) geleistet werden.

Unternehmenszweck der ELGA GmbH ist „die nicht auf Gewinn gerichtete Erbringung von im Allgemeininteresse liegenden Serviceleistungen auf dem Gebiet der Daseinsvorsorge im Bereich von e-Health zur Einführung und Implementierung der elektronischen Gesundheitsakte“.

Rund 200 Personen aus dem Fachpersonal von Sozialversicherungsträgern (u.a. Gebietskrankenkassen, Krankenhausträgern (z.B. vom KAV Wien und der gespag), Ärztekammer, Software-Hersteller und Befundprovider Telekom Austria, vom österreichischen Normungsinstitut sowie der Fachhochschule Technikum Wien erarbeiten Dokumentenmuster auch im Hinblick auf Nahtstellenmanagement und der Interoperabilität der IT-Systeme. Dafür wurden CDA-Implementierungsleitfäden beispielhaft für einen Befundbericht Labor, Befundbericht Radiologie sowie für Entlassungsbriefe eines Arztes und aus der Pflege erstellt. Diese wurden zur Kommentierung veröffentlicht.[4]

Zugriff

Zugriffsmöglichkeit auf ELGA-Dokumente bzw. der Verweise auf diese Dokumente via e-card sollen Ärzte nach österreichischem Ärztegesetz, Krankenanstalten, Apotheken bzw. deren Mitarbeiter haben. Betriebsärzte und Amtsärzte sowie Ärzte, Krankenanstalten und Apotheken im Ausland, Behörden und Versicherungen sollen auf die Verweise auf ELGA-Dokumente nicht zugreifen können. Prinzipiell ist eine zeitlich begrenzte Speicherung der Verweise von drei Jahren festgelegt. Die gesetzlich festgelegte Aufbewahrungspflicht von Krankengeschichten ist davon unberührt. Die Ausnahmen zur allgemeinen Löschungsfrist von drei Jahren sind: Verweise auf Laborbefunde und Medikationsdaten sind nach sechs Monaten zu löschen. Patientenverfügungen und Vorsorgevollmachten müssen drei Jahre nach dem Tod der sie betreffenden Person gelöscht werden.[5]

Die Patienten verfügen über ein abgestuftes opt-out, das heißt das Recht, Verweise auf ihre Dokumente bei den unterschiedlichen Institutionen zu unterbinden. Ein ausdrückliches opt-in soll für HIV-Erkrankung, Schwangerschaftsabbruch, psychische Erkrankungen, genetische Analysen und für Kommunikation, die das österreichische Bundesgebiet überschreitet, notwendig sein.

Kritik

Die Ärztekammer warnt vor einem „gläsernen Patienten“, sieht keine vernünftige Relation von Kosten und Nutzen und steht schließlich auf dem Standpunkt, dass „nur ein Arzt entscheiden dürfe, welche Daten im Sinn des Patienten weitergegeben werden dürfen“.[6]

Die ÖGAM verweist auf den Begriff der evidenzbasierten Medizin, der erst mit Leben gefüllt werden müsste. Zum Ausmaß der Qualität der Primärversorgung könne ELGA kaum beitragen.[7]

Die Datenschutzkommission regt eine prinzipielle opt-in Notwendigkeit für den Austausch von allen Gesundheitsdaten an[8] und weist darauf hin, dass im Grunde jeder Anspruch auf Gesundheitsdaten stellen könne. Damit wird auf eine mögliche Verwendung der Verweise zur Berechnung von Versicherungsrisiken und Vermarktung von Medikamenten hingewiesen.[9]

Einzelnachweise

  1. Vereinbarung ARGE ELGA, 2006, PDF, S. 4f. Abgerufen am 18. November 2011.
  2. ELGA soll ab Mitte 2013 starten: Kleine Zeitung, abgerufen am 7. Juni 2012.
  3. Informationen zur Elektronischen Gesundheitsakte (ELGA) für Ärztinnen und Ärzte, PDF von BMG, abgerufen am 15. April 2012.
  4. Harmonisierungsarbeit für medizinische Dokumente auf elga.gv.at, abgerufen am 23. November 2011.
  5. Rechtsrahmen im Begutachtungsentwurf auf bmg.gv.at, abgerufen am 9. April 2012.
  6. Die Konfliktpunkte bei ELGA auf orf.at, abgerufen am 7. Juni 2012 sowie ELGA und die Angst vor dem ärztlichen Machtverlust in: Der Standard vom 17. November 2011, abgerufen am 7. Juni 2012.
  7. ÖGAM News 15+16, PDF, abgerufen am 7. Juni 2012.
  8. Stellungnahme der Datenschutzkommission vom 17. März 2011, abgerufen am 20. November 2011.
  9. Die Konfliktpunkte bei ELGA auf orf.at, abgerufen am 7. Juni 2012.

Siehe auch

Weblinks