Emil Kraft (Nationalratsabgeordneter)

Emil Kraft 1893 als Sekretär des Trabrennvereins zu Baden bei Wien
Werbeeinschaltung für das Schuhgeschäft Emil Kraft, Badener Zeitung, 24. Oktober 1903

Emil Kraft (* 26. Jänner 1865 in Wien; † 5. September 1931 in Graz-Geidorf, Steiermark) war ein österreichischer Politiker.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Emil Kraft studierte an den in Valtice und Klosterneuburg ansässigen landwirtschaftlichen Schulen Betriebswirtschaftslehre. Danach war er kurzzeitig[1] Verwalter eines Gutes im heute slowenischen Slovenske Konjice und war auch als selbstständiger Kaufmann im heutigen Grazer Stadtbezirk Mariatrost tätig. Zuletzt legte er die Prüfung zum Lehrer für landwirtschaftliche Schulen ab.

Kraft besaß größere Geschäfte in Meran, Graz (Ausstattungshaus Emil Kraft & Co) sowie in Baden bei Wien[Anm. 1]. Seine politische Karriere begann mit seiner Wahl als Abgeordneter in den Gemeinderat von Baden bei Wien, 1894.

In Baden war er 1892 Gründer des Trabrennvereines,[Anm. 2] lange Zeit Obmann des Direktoriums, Mitbegründer des Internationalen Sportplatzes, der Kurkommission sowie mehrerer Vereine.

Nach dem Tod seines Vaters 1902 zog es Kraft 1905 nach Südtirol, wo er 1908 zum zweiten Vizebürgermeister von Meran gewählt wurde.[2] 1911 wurde er für den Kurortebezirk Bozen-Meran Abgeordneter im Reichsrat. Am 24. September 1915 gründete Kraft mit August Denk (1852–1926) im Rahmen des Deutschösterreichischen Städtetages in Wien[3] den Österreichischen Städtebund und war bis 1919 dessen Vizepräsident. 1918 wurde er in den Aufsichtsrat der Österreichisch-Ungarischen Bank berufen, sowie in den Verwaltungsrat der Südbahngesellschaft. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs zählte Kraft zu jener Delegation, die den Vertrag von Saint-Germain mitverhandelten.

Am 21. Oktober 1918 wurde Kraft als Abgeordneter der Deutschen Nationalpartei (DnP) in den konstituierenden Nationalrat gewählt; Am 4. April 1919 wurde er als Abgeordneter der Großdeutschen Volkspartei (GDVP) wiedergewählt (Wahlbezirk Graz und Umgebung).

Am 31. Mai 1922 berief ihn Bundeskanzler Ignaz Seipel in seiner Bundesregierung Seipel I zum Bundesminister für Handel und Gewerbe, Industrie und Bauten, dem damaligen Pendant zum heutigen Wirtschaftsminister. Emil Kraft war knapp ein Jahr Minister und schied am 17. April 1923 aus dem Amt aus. Während seiner Amtszeit wurde unter anderem die Österreichisch-Ungarische Bank in der heutigen Oesterreichische Nationalbank aufgelöst; auch wurde unter seiner Führung das nach dem Krieg schwer beschädigte Elektrizitätssystem Österreichs saniert. Im Oktober 1923 wurde Kraft neuerlich in den Nationalrat gewählt, legte aber bald das Mandat nieder und zog sich nach Mariagrün (im heutigen Stadtbezirk Graz-Mariatrost) ins Privatleben zurück.

Kraft schrieb aber auch Artikel für zahlreiche deutschsprachige Zeitungen, darunter die München-Augsburger Abendzeitung,[4] die Meraner Zeitung[5] und die Grazer Tagespost[6]. Schon früh wies er auf jene finanzwirtschaftlichen Entwicklungen hin, die zur ersten Weltwirtschaftskrise der Geschichte, 1928 bis 1930, führen sollten.

Nach langem schwerem Leiden verstarb Emil Kraft in den Morgenstunden des 5. September 1931 im Sanatorium der Kreuzschwestern, Graz-Geidorf.[7] Er wurde am 8. September 1931 auf dem Stadtfriedhof von Baden bei Wien in der Familiengruft beigesetzt.[8]

Heute trägt ihm zu Ehren die Emil-Kraft-Gasse in Baden seinen Namen.

Literatur

  • Bodenstein: Emil Kraft. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL). Band 4, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1969, S. 191 f. (Direktlinks auf S. 191, S. 192).
  • Hans Hobik, Gerhard Reichebner, Viktor Wallner: 100 Jahre Trabrennverein zu Baden bei Wien. Neue Badener Blätter, Unterhaltsames und Wissenswertes aus dem Kurort Baden bei Wien, Band 3,3, ZDB-ID 2161928-1. Gesellschaft der Freunde Badens und der Städtischen Sammlungen – Archiv Rollettmuseum, Baden 1992.
  • Julius Böheimer: Straßen & Gassen in Baden bei Wien. Lexikon der Straßen, Gassen, Plätze, Wege, Stege, Brücken. Grasl, Baden 1997, ISBN 3-85098-236-X.

Einzelnachweise

  1. Emil Kraft †. In: Alpenzeitung. Politisches Tagblatt der Provinz Bolzano. 8. September 1931, Nr. 213/1931 (VI. Jahrgang), S. 5, oben rechts.
  2. Böheimer: Straßen & Gassen. S. 34 f.
  3. Der deutschösterreichische Städtetag in Wien. In: Neue Freie Presse, Morgenblatt, Nr. 18353/1915, 25. September 1915, S. 9, Mitte links. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/nfp.
  4. ZDB-ID 821140-1.
  5. ZDB-ID 2430311-2.
  6. ZDB-ID 883135-X.
  7. Minister a. D. Emil Kraft gestorben. In: Neue Freie Presse, Abendblatt, Nr. 24057/1931, 5. September 1931, S. 3, Mitte unten. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/nfp.
  8. Tagesbericht. (…) Minister a. D. Emil Kraft gestorben. In: Badener Zeitung, Nr. 72/1931 (LII. Jahrgang), 9. September 1931, S. 3, unten links. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/bzt.

Anmerkungen

  1. Schuhgeschäft Emil Kraft im „Krafthaus“, Hauptplatz 20; 1909 abgetragen wegen Erweiterung der Frauengasse, Betrieb in die Pfarrgasse 2 verlegt. – Böheimer: Straßen & Gassen. S. 34.
  2. Kraft stellte am 7. Februar 1892 in der Sitzung des Vereines zur Hebung von Baden und Weikersdorf den Antrag auf Gründung eines eigenständigen Trabrennvereins und auf die Wahl eines vorbereitenden Komitees. – Hobik: 100 Jahre Trabrennverein zu Baden bei Wien. S. 10.

Weblinks