Enea Grazioso Lanfranconi

Enea Grazioso Lanfranconi (auch Lafranconi; * 30. Mai 1850 in Peglio, Lombardei; † 9. März 1895 in Preßburg) war ein italienischer Techniker und Kunstsammler.

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Leben und Wirken

Lanfranconi entstammt einer Patrizierfamilie aus Varese. Sein Vater Giovanni Battista Lafranconi arbeitete als Ingenieur am Bau verschiedener Bahnen in Österreich-Ungarn, so der Semmeringbahn, der Ungarischen Westbahn oder der Kaiser Ferdinands-Nordbahn. Er studierte an der Universität Mailand und war ab 1867 in Preßburg wohnhaft, wo er sich der Hydrologie widmete.

Er beschäftigte sich hauptsächlich mit Flussregulierungen. So stammen die Pläne der Donauregulierung beginnend von der Marchmündung in Devín bis Gönyű im Komitat Győr-Moson-Sopron von ihm. Die Steinbrüche bei Theben, die ihm gehörten, lieferten das Material für die Regulierungen.[1]

Er war auch schon ein Verfechter aus wirtschaftlichen Gründen, eine Wasserverbindung der Donau mit den Flüssen Rhein, Oder und Elbe zu bauen.

Aber auch theoretische Werke verfasste er. Sein erstes Werk erschien 1880 mit dem Titel Die Wasserstraßen Europas und die Wichtigkeit der Regulierung der Donau. Im Jahr 1882 erschien sein zweites Werk Die Regulierung der Flüsse Ungarns. Auf dem Geographen-Kongress in Venedig erhielt er für sein erstes Werk die Goldmedaille.[1]

In den späteren Jahren widmete er sich mehr der Archäologie und Kunst. Als Kunstsammler hinterließ er eine große Anzahl von Büchern vor allem über die russisch-türkischen Kriege sowie Bildbände. Auch etwa 3000 Ansichten ungarischer Städte aus dem 15. bis 18. Jahrhundert befanden sich in seiner Sammlung. 2100 Bände befinden sich heute in der Széchényi-Nationalbibliothek in Budapest.[2] Er war auch mit zahlreichen ungarischen Historikern und Archäologen in engem Kontakt. Aufsehen erregt er auch mit Forschungen über Árpád, dessen Grab er bei Deutsch-Altenburg vermutete.[1]

Aber auch bei zahlreichen humanitären Einrichtungen war er Mitglied und galt als spendenfreudiger Philanthrop.

Seine Gattin musste er aufgrund monatelanger Krankheit pflegen. Am 9. März 1895 nahm er sich aus nicht bekannten Gründen das Leben. Sein Grab befindet sich in Varese.[3]

Sein Bruder Luigi († 1920) war Bauunternehmer und Finanzmann, der ebenfalls in Preßburg am wirtschaftlichen und sozialen Leben regen Anteil hatte.

Auszeichnungen

Neben dem Titel Baurat war er Träger des Ritter- und Komturkreuzes des Franz-Joseph-Ordens.[1]

Würdigung

Die 1991 fertiggestellte Donaubrücke bei Bratislava trägt den Namen Lafranconi-Brücke.

Literatur

Einzelnachweise

  1. a b c d Enea Lanfranconi †. In: Pester Lloyd, 9. März 1895, S. 9 (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/pel Kurzer Nachruf
  2. Széchényi-Nationalbibliothek abgerufen am 12. Juni 2010
  3. Enea Lanfranconi †. In: Pester Lloyd, 10. März 1895, S. 4 (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/pel