Engerth-Lokomotive

SB 610

Die Engerth-Lokomotiven waren Stütztenderlokomotiven, die im Anschluss an den Wettbewerb um die für den Betrieb auf der Semmeringbahn günstigste Bauform an Dampflokomotiven unter Leitung von Wilhelm von Engerth entworfen wurden.

Da keine der vier Sieger-Lokomotiven des Semmeringwettbewerbs für den praktischen Betrieb auf der Semmeringbahn geeignet war, wurde der Entwurf der „BAVARIA“ modifiziert. Der neue Entwurf sah drei gekuppelte Achsen vor, die unter dem Langkessel des Fahrzeugs gelagert waren. Der zweirädrige Tender war links und rechts neben der Feuerbüchse mit dem Hauptrahmen gelenkig verbunden, wodurch ein Teil des Kesselgewichts auf den Tender übertragen wurde („Stütztenderlokomotive“). Der Kohlenvorrat befand sich im Tender, der Wasservorrat auf neben dem Langkessel angebrachten Behältern. Um auch das Adhäsionsgewicht des Tenders nutzbar zu machen, war an vier der erstgelieferten Maschinen eine Zahnradkupplung zwischen den Achsen des Hauptrahmens und des Tenders angebracht. Für diesen Zweck wurden später auch Ketten- oder Riemenkupplungen getestet. Keine dieser Kupplungen bewährte sich jedoch im praktischen Betrieb, sodass sie alle wieder entfernt wurden.

Als Nachteil dieser Bauart wird angeführt , dass das Gewicht des Wassers in den neben dem Langkessel angebrachten Wasserbehältern während der Fahrt abnahm und damit nicht dauerhaft für das Reibungsgewicht zur Verfügung stünde. Dem muss entgegengehalten werden, dass dies zum einen eine typbedingte Erscheinung aller Tenderlokomotiven ist und zum anderen durch die typische Engerth-Bauart das Gewicht der Wasserbehälter weit überwiegend auf der nicht angetriebenen ersten Stütztender-Achse lastet.

Die ersten 26 Engerth-Lokomotiven wurden von Cockerill in Seraing und von der Maschinenfabrik Esslingen 1853 an die k.k. Südliche Staatsbahn geliefert (SStB - Grünschacher bis Sonnwendstein). Mit größeren Treibrädern 1854 nachgebaut, wurden sie auch für Personenzüge auf der Semmeringstrecke und für Güterzüge im Flachland eingesetzt.

Engerth-Lokomotiven wurden auch für Schweizer Bahnen gebaut (VSB Ec 2/5, VSB Eb 2/5), deren Wasserbehälter jedoch fest auf dem Grundrahmen neben dem Kessel angebracht war. Ebenso beschafften die Französische Nordbahn und die Französische Ostbahn Engerth-Lokomotiven, die aber vier unter dem Langkessel gelagerte Achsen besaßen. Die französischen Maschinen wurden bald in normale vierfach gekuppelte Lokomotiven mit Standard-Tendern umgebaut. Die Österreichische Südbahn, in deren Besitz die Südliche Staatsbahn nach deren Privatisierung gekommen war, baute nach diesem Vorbild die meisten ihrer großrädrigen Engerth-Lokomotiven ebenfalls in vierfach gekuppelte Maschinen mit Standard-Tendern um. Einige dieser ehemaligen Engerth-Lokomotiven waren in Österreich bis in die 1930er-Jahre im Einsatz.

In Deutschland waren die Bayerische C II und die Sächsische III K Engerth-Lokomotiven.

Weblinks

Literatur

  • Herbert Dietrich: Die Südbahn und ihre Vorläufer, Bohmann Verlag, Wien, 1994, ISBN 3-7002-0871-5
  • Karl Gölsdorf: Lokomotivbau in Alt-Österreich 1837–1918, Verlag Slezak, 1978, ISBN 3-900134-40-5
  • Hans Peter Pawlik, Josef Otto Slezak, Südbahn-Lokomotiven, Verlag Slezak, Wien, 1987, ISBN 3-85416-102-6