Ennsburg

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Ennsburg
Teile der ehemaligen landesfürstlichen Burg (Wiener Straße 9)

Teile der ehemaligen landesfürstlichen Burg (Wiener Straße 9)

Alternativname(n): Anesapurch
Entstehungszeit: um 1000 erste Burg, Neubau nach 1483
Burgentyp: Höhenburg
Erhaltungszustand: abgekommen, Reste in Ennser Wohn- und Kaufhäusern verbaut
Ständische Stellung: landesfürstliche Burg
Ort: Enns
Geographische Lage 48° 12′ 46,2″ N, 14° 28′ 46,3″ O48.21283664119914.479538440573Koordinaten: 48° 12′ 46,2″ N, 14° 28′ 46,3″ O
Ennsburg (Oberösterreich)
Ennsburg

Die Ennsburg befand sich in der Stadt Enns im Bezirk Linz-Land von Oberösterreich im Bereich der Straßen Ennsberg 1 und Wiener Straße 9-13.

Geschichte

Unterhalb des Ennsberges befand sich die um 205 gegründete römische Stadt Lauriacum (das Stadtrecht wurde bereits 212 von Caracalla verliehen). Weiterer Vorgänger einer Verteidigungsanlage war auf dem Ennsberg eine keltische Höhensiedlung. Nach dem Untergang der Römerstadt wurde zum Schutz gegen die Magyaren und Awaren auf dem Georgenberg eine Volksburg errichtet. Hier trafen sich bereits um 791 die königlichen Abgeordneten.

Diese Befestigungsanlage wurde 901 „Anesapurch“ genannt. Aus dieser ersten Ennsburg hat sich die spätere Burg auf dem Georgenberg entwickelt. 976 wurde diese dem Hochstift Passau übergeben. Bischof Adalbert trat diese Festung 977 dem Herzog Heinrich von Baiern ab, dem Bruder von Kaisers Otto I., sie war demnach eine Burg der karolingischen Pfalz. Danach kam sie an die steierischen Ottokare. Dieses Gebäude diente im Laufe des Mittelaltersder Herrschern und Landesfürsten bei ihrer Durchreise durch Enns als Absteigquartier und Wohnsitz und den Burgvögten der Herrschaft Enns als Amtssitz. Sie erhob sich aus den die Stadt gegen Nordosten umgebenden Ringmauern.

In der Burg wurde ein folgenreicher Erbfolgevertrag (die sog. „Georgenberger Handfeste“) zwischen Otakar IV. (Ottokar IV.) von Steyr (seit 1180 Herzog), der keine männlichen Erben hatte, und dem Babenbergerherzog Leopold V. (Österreich) ausgestellt. Nach diesem Vertrag sollte die Steiermark nach dem Tod Ottokars an die Babenberger kommen und so kam von dem letzten der Ottokare die Burg 1186 bzw. 1192 (bzw. die Steiermark) an Herzog Leopold V. Der letzte männliche Babenberger war Friedrich der Streitbare, der ohne männliche Nachfolger war. Nach dessen Tod kamen Burg und Herrschaft 1254 an die Habsburger. Im Frieden von Ofen (1254) wurde neben der Grafschaft Pitten auch der Traungau und mit ihm die Stadt Enns von der Steiermark getrennt und ins Herzogtum Österreich einbezogen; dies ist der Beginn der Bildung der eigenständigen Länder Ober- und Niederösterreich.

Von den Habsburgern wurde die Burg 1309 an Heinrich von Wallsee verpfändet, 1345 aber wieder ausgelöst. 1346 war Eberhard von Kapellen, der Hauptmann von Enns, Pfandherr. Nach dem Aussterben dieses Geschlechts waren hier Hanns Ponhalm und dann sein Sohn Clemens landesfürstliche Pfleger. Wiederum wurde die Burg 1477 an den Salzburger Erzbischof Johann von Gran verpfändet.

Stadtpanorama von Enns nach einem Stich von Georg Matthäus Vischer von 1674

Diese landesfürstliche Burg war Ende des 15. Jahrhunderts bereits so verfallen, dass sie nicht mehr erneuert wurde, sondern dass als Herrschaftssitz eine neue Burg errichtet werden sollte. Für diese zweite landesfürstliche Burg wurden 1483 im Auftrag von Kaiser Friedrich III. mehrere Bürgerhäuser am Ennsberg niedergerissen. Diese neue landesfürstliche Burg (im Bereich der Filz- und Schuhfabrik Banholzer, Ennsberg 1 und Wiener Straße 9—13) verleiht heute noch mit ihren festen Stützmauern und runden Ecktürmchen dem Stadtbild ein wehrhaftes Gepräge. Für deren Erweiterung erwarb Kaiser Maximilian II. noch eine dem alten Bürgergeschlecht Ennenkel gehörige Behausung.

Auf die bauliche Erhaltung der kaiserlichen Burg war aber offensichtlich nicht die nötige Sorgfalt verwendet worden. Im Jahre 1589 richtete Erzherzog Matthias an seinen Bruder Kaiser Rudolf II. die Bitte, die Geldmittel für die Behebung der Bauschäden zu beschaffen. Der Baumeister Christoph Canaval, bezifferte die Kosten der Ausbesserungsarbeiten mit der hohen Summe von 1866 Gulden, da sich die Bedachung in sehr schlechtem Zustand befand und die Böden im kaiserlichen Zimmer, im Saal, in der Tafelstube und finsteren Stube ganz verfault waren. Die schwierige Beschaffung der nötigen Gelder war wohl die Ursache, dass der Bau in Verfall geraten war.

Dies hatte zur Folge, dass wieder auf die „alte Burg“ zurückgegriffen und ein Neubau der alten Burg ins Auge gefasst wurde. Für diesen Zweck erlaubte Kaiser Maximilian II. seinem Kaiserlichen Rat Georg Gienger den Ausbau der alten Burg zu dem jetzigen Schloss Ennsegg.

Ennsburg heute

Nach einem Brand (1730) und Plünderungen durch die Franzosen (1742) blieben nur noch einzelne wenige Teile der landesfürstlichen Ennsburg erhalten. Diese Reste sind in mehreren Wohn- und Kaufhäusern von Enns verbaut.

Literatur

  •  Georg Clam Martinic: Burgen und Schlösser in Österreich.. Landesverlag im Veritas Verlag, Linz 1991, ISBN 3-85001-679-1.
  •  Norbert Grabherr: Burgen und Schlösser in Oberösterreich. Ein Leitfaden für Burgenwanderer und Heimatfreunde. 3. Auflage. Oberösterreichischer Landesverlag, Linz 1976, ISBN 3-85214-157-5.
  •  Georg Grüll: Burgen und Schlösser in Oberösterreich, Band 2: Innviertel und Alpenvorland. Birken-Verlag, Wien 1964.
  • Eduard Straßmayr: Schloß Ennsegg. Oberösterreichischer Musealverein - Gesellschaft für Landeskunde; download unter Schloß Ennsegg