Ernst Albrecht

Dieser Artikel beschreibt den ehemaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten Ernst Albrecht. Für weitere gleichnamige Personen, siehe Ernst Albrecht (Begriffsklärung).
Ernst Albrecht, 1988

Ernst Albrecht (* 29. Juni 1930 in Leuchtenburg; vollständiger Name: Ernst Carl Julius Albrecht) ist ein deutscher Politiker der CDU. Er war von 1976 bis 1990 Ministerpräsident von Niedersachsen.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Ernst Albrecht, fotografiert von Stuart Mentiply

Ernst Albrecht wurde als Sohn einer Arztfamilie in Leuchtenburg[1] im damaligen Kreis Blumenthal an der Landesgrenze zu Bremen geboren. Er ist ein Ururenkel des Bremer Großkaufmanns Baron Ludwig Knoop. Er besuchte die Schule in Bremen, Verden und Brake. Von 1946 bis 1948 führte er eine Gruppe der Deutschen Jungenschaft.[2] Später studierte Ernst Albrecht Philosophie und Theologie in Tübingen, Cornell (USA) und Basel (bei Karl Jaspers). 1953 schloss er sein anschließendes Studium der Rechts- und Wirtschaftswissenschaft in Tübingen und Bonn als Diplomvolkswirt ab. Im Jahr 1959 promovierte er über das Thema „Haftungsverhältnisse der Montangemeinschaft“.[3][4] 1954 wurde er Abgesandter der Montanunion, 1958 Kabinettschef bei der EWG-Kommission, 1969 Generaldirektor der EG, 1971 bis 1976 Geschäftsführer von Bahlsen (Lebensmittelindustrie).

Albrecht war seit 1970 Mitglied des Landtages in Niedersachsen und wurde am 6. Februar 1976 als Oppositionskandidat mit Stimmen aus der sozialliberalen Regierungskoalition überraschend zum Nachfolger des aus Altersgründen zurückgetretenen Ministerpräsidenten Alfred Kubel (SPD) gewählt. Damit war Albrecht Niedersachsens erster CDU-Ministerpräsident (siehe auch: Landtagswahlen in Niedersachsen).

In Albrechts Amtszeit als Ministerpräsident wurde die Entscheidung für den Landkreis Lüchow-Dannenberg als Nuklearzentrum des Landes getroffen. Dies sollte ursprünglich neben einem Zwischenlager für Atommüll bei Gorleben auch das zentrale deutsche Atommüllendlager, ein neues Atomkraftwerk an der Elbe bei Langendorf und eine Wiederaufarbeitungsanlage für Uranbrennstäbe in Dragahn[5] umfassen. Die Entscheidung für Gorleben war, wie vor allem Kritiker des Standortes mutmaßen, eine politische Entscheidung im innerdeutschen Kalten Krieg. So wird unter anderem die These vertreten, dass der Standort Gorleben von Albrecht als Reaktion zum Endlager für radioaktive Abfälle Morsleben/DDR gewählt wurde.[6] In seine Amtszeit fällt auch die Aufnahme vietnamesischer Flüchtlinge (Boat People) als erster westlicher Staat im Jahr 1979 sowie der unter der Bezeichnung Celler Loch bekannt gewordene fingierte Sprengstoffanschlag auf das Hochsicherheitsgefängnis Celle zur Einschleusung von V-Personen in die terroristische Szene um die RAF.

1980 verlor Albrecht das unionsinterne Rennen um die Kanzlerkandidatur gegen Franz Josef Strauß von der CSU.

Im niedersächsischen Landtag in Hannover scheiterte im Dezember 1988 ein von den Sozialdemokraten wegen der sog. Spielbankaffäre eingebrachtes konstruktives Misstrauensvotum gegen Ministerpräsident Ernst Albrecht (CDU) mit 76 gegen 79 Stimmen. Mindestens ein Mitglied der Oppositionsparteien SPD und Grüne muss für Albrecht gestimmt haben.

Am 2. September 1989 trennte sich die CDU-Fraktion in Niedersachsen nach mehreren Skandalen vom Abgeordneten Kurt Vajen, was den Verlust der parlamentarischen Mehrheit im Landtag zur Folge hatte. Der kurz zuvor nachgerückte SPD-Politiker Oswald Hoch erklärte wenig später seinen Austritt aus der SPD-Fraktion und sicherte als fraktionsloser Abgeordneter Ernst Albrecht die Mehrheit von 78 Stimmen (CDU/FDP) zu 77 Stimmen (SPD-Grüne) bis zum Ende der Legislaturperiode im Juni 1990.[7]

Infolge der Landtagswahl am 13. Mai 1990 verlor Ernst Albrecht sein Amt als Ministerpräsident an seinen SPD-Herausforderer Gerhard Schröder, den späteren Bundeskanzler.

Albrecht war Aufsichtsratsvorsitzender der Thaletec GmbH und kaufte 1993 mit dem Bremer Kaufmann Hans Henry Lamotte das Unternehmen. Er war ferner 2007 Aufsichtsratsmitglied des Bauunternehmens GP Papenburg AG (siehe: Günter Papenburg).

Albrecht ist verwitwet und lebt weiterhin auf dem Familiengut in Burgdorf-Beinhorn. 1953 hatte er seine Frau Heidi Adele, geb. Stromeyer, geheiratet. Sie war promovierte Germanistin und starb 2002 mit 74 Jahren an Krebs. Das Ehepaar hatte sieben Kinder, darunter Ursula von der Leyen, Familienministerin im Kabinett Merkel I und im Kabinett Merkel II sowie Arbeitsministerin im Kabinett Merkel II. Seine Söhne heißen Harald, Hans-Holger, Barthold und Donatus. Hans-Holger Albrecht ist Präsident und CEO des europäischen Medienkonzerns Modern Times Group in Stockholm. Tochter Benita-Eva starb 1971 mit 11 Jahren und Sohn Lorenz 2005 mit 49 Jahren an Krebs. Ernst Albrechts Bruder ist der Dirigent George Alexander Albrecht.

Im Mai 2008 gab Tochter Ursula von der Leyen öffentlich bekannt, dass ihr Vater an Alzheimer erkrankt sei. Seit 2007 lebt die neunköpfige Familie von der Leyen auf dem Anwesen von Ernst Albrecht und wirkt an seiner Pflege mit.[8] Die Krankheit wurde 2003 diagnostiziert.[9]

Auszeichnungen

Veröffentlichungen

  • Der Staat – Idee und Wirklichkeit. Grundzüge einer Staatsphilosophie. Seewald, Stuttgart 1976, ISBN 3-512-00442-3.
  • Erinnerungen, Erkenntnisse, Entscheidungen. Politik für Europa, Deutschland und Niedersachsen. Barton, Göttingen 1999, ISBN 3-934648-00-2.

Literatur

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Ernst Albrecht – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Unterlagen Die Maus - Gesellschaft für Familienforschung Bremen e. V.
  2. Interview von Alexej Stachowitsch mit Ernst Albrecht, in: der eisbrecher 83 (1978), S. 336–345
  3. Biografie Ernst Albrecht auf niedersachsen.de
  4. Achim Schwarze: Dünnbrettbohrer in Bonn - Aus den Dissertationen unserer Elite. S. 108; Eichborn-Verlag Frankfurt/Main, 1984
  5. WAA-Planung Dragahn auf gorleben-archiv.de
  6. Interview: Endlager Gorleben aus Expertensicht nur zweite Wahl
  7.  Auf dem Absatz kehrt. In: Der Spiegel. Nr. 37, 1989, S. 106 (online).
  8. Von der Leyen und die Krankheit ihres Vaters. Ein Artikel über die Sendung auf www.welt.de, 27. Mai 2008.
  9. Rheinische Post vom 20. Juli 2011, Seite A2
  10. Aufstellung aller durch den Bundespräsidenten verliehenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ab 1952