Ernst Fehr

Ernst Fehr (* 21. Juni 1956 in Hard, Vorarlberg) ist ein österreichischer Wirtschaftswissenschaftler.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Fehr studierte von 1975 bis 1980 Volkswirtschaftslehre an der Universität Wien und schloss mit dem Magister ab.[1] Zwischen 1980 und 1982 war er als Forschungsassistent am Lehrstuhl von Alexander Van der Bellen tätig; in dieser Zeit besuchte er auch Kurse am Institut für Höhere Studien. Hieran schloss sich 1982 eine Assistenzprofessur an der Technischen Universität Wien (Lehrstuhl von Helmut Frisch) an, die er bis 1991 innehatte. Zwischen 1988 und 1989 bekleidete Fehr zudem eine Forschungsstelle an der London School of Economics.

Fehr wurde 1986 promoviert, im Juni 1991 schließlich habilitiert. Von 1991 bis 1994 war er als außerordentlicher Professor an der Technischen Universität Wien beschäftigt, ab 1993 war er in Wien zudem Direktor des Ludwig Boltzmann Institute for Research in Economic Growth (bis 2003). Seit 1994 ist er ordentlicher Professor für Mikroökonomik und Experimentelle Wirtschaftsforschung an der Universität Zürich, wo er darüber hinaus als Direktor des 2011 neu geschaffenen Instituts für Volkswirtschaftslehre fungiert. Fehr hat zahlreiche Rufe von renommierten Universitäten abgelehnt, unter anderem von der Universität Bonn, der University of California, Berkeley, der University of Cambridge und der University of Oxford.

Fehr ist Gründungsmitglied und Verwaltungsratspräsident des Beratungsunternehmens FehrAdvice & Partners.[2] Zudem ist er Initiator und Präsident des Stiftungsrats der Excellence Foundation Zurich for Economic and Social Research, die sich die Förderung „gesellschaftsrelevante[r] ökonomische[r] Spitzenforschung“ an der Universität Zürich zum Zweck setzt.[3]

Fehr ist verheiratet und hat zwei Kinder. Er wohnt in Zürich.

Ehrungen

Fehr ist Ehrenmitglied der American Academy of Arts and Sciences, Mitglied der American Academy of Political and Social Sciences, der Academia Europaea sowie der Leopoldina, externes Mitglied der Wirtschaftsfakultät des Massachusetts Institute of Technology und seit 2011 Global Distinguished Professor in Economics an der New York University. Im Jahr 2008 erhielt er den mit 100.000 Schweizer Franken dotierten Marcel-Benoist-Preis.[4]

Im Handelsblatt Ökonomen-Ranking 2011, das die Forschungsleistung von Ökonomen aus Deutschland, Österreich und der deutschsprachigen Schweiz analysiert, kam Fehr sowohl in der Kategorie „Aktuelle Forschungsleistung (seit 2007)“ als auch in der Kategorie „Top-250 Lebenswerk“ auf den dritten Platz.[5]

2011 wurde ihm der mit 10.000 Euro dotierte Vorarlberger Wissenschaftspreis verliehen.[6] 2012 erhielt er das Österreichische Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst. Am 9. April 2013 soll er außerdem mit dem Gottlieb-Duttweiler-Preis ausgezeichnet werden.[7]

Werke (Auswahl)

  • Ernst Fehr und Armin Falk: Psychological foundations of incentives. In: European Economic Review. Bd. 46, Nr. 4–5 (2002), S. 687–724. doi:10.1016/S0014-2921(01)00208-2 (frei verfügbar als Working Paper: doi:10.3929/ethz-a-004374228)
  • Ernst Fehr und Urs Fischbacher: The nature of human altruism. In: Nature. Bd. 425, S. 785–791. doi:10.1038/nature02043
  • Ernst Fehr und Simon Gächter: Cooperation and punishment in public goods experiments. In: American Economic Review. Bd. 90, Nr. 4, 2000, S. 980–994. doi:10.1257/aer.90.4.980
  • Ernst Fehr und Simon Gächter: Fairness and Retaliation: The Economics of Reciprocity. In: Journal of Economic Perspectives. Bd. 14, Nr. 3, 2000, S. 159–181. doi:10.1257/jep.14.3.159
  • Ernst Fehr, Georg Kirchsteiger und Arno Riedl: Does fairness prevent market clearing? An experimental investigation. In: Quarterly Journal of Economics. Bd. 108, Nr. 2, 1993, S. 437–459. doi:10.2307/2118338
  • Ernst Fehr und Klaus M. Schmidt: A theory of fairness, competition, and cooperation. In: Quarterly Journal of Economics. Bd. 114, Nr. 3, 1999, S. 817–868. doi:10.1162/003355399556151.
  • Ernst Fehr und Gerhard Schwarz (Hrsg.): Psychologische Grundlagen der Ökonomie. 3. Aufl. Verlag Neue Zürcher Zeitung 2003. ISBN 3-85823-958-5.
  • Ernst Fehr und Jean-Robert Tyran: Does money illusion matter? In: American Economic Review. Bd. 91, Nr. 5, 2001, S. 1239–1262. doi:10.1257/aer.91.5.1239
  • Herbert Gintis, Samuel Bowles, Robert T. Boyd und Ernst Fehr (Hrsg.): Moral Sentiments and Material Interests. The Foundations of Cooperation in Economic Life. MIT Press 2005. ISBN 978-0-262-07252-6.
  • Paul W. Glimcher, Collin Camerer, Ernst Fehr und Russell Alan Poldrack (Hrsg.): Neuroeconomics: Decision Making and the Brain. 1. Aufl. Academic Press 2008. ISBN 978-0-12-374176-9.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Vgl. auch für die folgenden Lebensdaten CV Ernst Fehr. Institut für Volkswirtschaftslehre, Universität Zürich, abgerufen am 21. November 2011.
  2. Über uns. FehrAdvice & Partners, abgerufen am 21. November 2011.
  3. Über uns. Excellence Foundation Zurich, abgerufen am 27. Dezember 2011.
  4. Ernst Fehr erhält Marcel-Benoist-Preis. NZZ Online, 29. September 2008, abgerufen am 21. November 2011.
  5. Handelsblatt Ökonomen Ranking. handelsblatt.de, 4. September 2011, abgerufen am 21. November 2011.
  6. Ernst Fehr erhält den Vorarlberger Wissenschaftspreis. derStandard.at, 11. April 2011, abgerufen am 21. November 2011.
  7. Ernst Fehr erhält Gottlieb Duttweiler Preis 2013 fehradvice.com, 1. Oktober 2012, abgerufen am 1. Oktober 2012.