Ernst Gutstein

Ernst Gutstein (* 15. Mai 1924 in Wien; † 24. Februar 1998 ebenda) war ein österreichischer Opernsänger im Stimmfach Bariton.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Ernst Gutstein studierte Gesang an der Akademie für Musik und Darstellende Kunst in Wien, unter anderem bei Josef Witt und bei dem bekannten Kammersänger und Bariton Hans Duhan. Sein Debüt als Opernsänger erfolgte 1948 am Landestheater Innsbruck als Don Fernando in der Oper Fidelio von Ludwig van Beethoven. Es folgten Engagements am Stadttheater Hagen (1952–1953), am Theater der Stadt Heidelberg (1953–1954) und am Staatstheater Kassel (1954–1958). In der Spielzeit 1958/1969 sang er an der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf und Duisburg. Von 1959 bis 1962 war er Mitglied am Opernhaus von Frankfurt am Main.[1]

Seit 1963 gehörte Gutstein zum Ensemble der Wiener Staatsoper. Er war dort in fast 20 verschiedenen Partien in insgesamt 125 Vorstellungen zu hören. Er sang in Wien so unterschiedliche Partien wie den Conte Almaviva in Le Nozze di Figaro, den Bartolo in Der Barbier von Sevilla, den Friedrich von Telramund in Lohengrin und den Faninal in der Oper Der Rosenkavalier von Richard Strauss, der als seine besondere Glanzrolle galt. Er übernahm weiters Charakterpartien aus dem deutschen Repertoire und der Moderne, unter anderem den Musiklehrer in Ariadne auf Naxos, den Doktor Schön in Lulu und den Alfred Ill in Der Besuch der alten Dame von Gottfried von Einem. In der Spielzeit 1995/1996 trat er dort nochmals, weiterhin nahezu im Vollbesitz seiner stimmlichen Mittel, in zwei Vorstellungen als Theaterdirektor La Roche in der Oper Capricco auf.[2]

Unter der Direktion von Albert Moser (1963–1973) wurde Gutstein auch an die Wiener Volksoper verpflichtet. Dort sang er in zahlreichen Neueinstudierungen. Im Dezember 1965 übernahm er den Janusz in der Oper Halka von Stanisław Moniuszko.[3] Im Januar 1967 sang er dort an der Seite von Rudolf Schock den Sebastiano in der Premiere der Oper Tiefland von Eugen d’Albert.[4] Im Februar 1972 sang er dort die Titelrolle in der musikalischen Neufassung der Oper König Nicolo von Rudolf Weishappel.[5][6] Im Frühjahr 1972 folgte die Premiere von Die vier Grobiane von Ermanno Wolf-Ferrari, im November 1972 übernahm Gutstein den Besenbinder Peter in Engelbert Humperdincks Märchenoper Hänsel und Gretel. Weitere Premieren Gutsteins an der Volksoper waren unter anderem 1973 Die verkaufte Braut (als Kruschina), 1978 Preußisches Märchen (als Vater Fadenkreutz) und 1980 Pariser Leben (als Brasilianer). In der Spielzeit 1988/1989 sang er unter der musikalischen Leitung von Ernst Märzendorfer den Lothario in der Neuinszenierung der Oper Mignon von Ambroise Thomas.[7] 1975 sang er an der Wiener Volksoper auch den Archidiakon Claude Frollo in der selten gespielten, spätromantischen Oper Notre Dame von Franz Schmidt.[8]

Gutstein trat auch bei den Salzburger Festspielen auf. 1955 war er dort als Ernesto in Joseph Haydns komischer Oper Die Welt auf dem Monde zu hören. 1978 und 1979 sang er in Salzburg die Rolle des Faninal in der musikalischen Komödie Der Rosenkavalier.[9]

Gutstein wirkte auch in einigen weiteren Opern-Uraufführungen mit: 1962 bei den Schwetzinger Festspielen in Wolfgang Fortners Oper In seinem Garten liebt Don Perlimplin Belisa[10], 1966 im Theater an der Wien in Die schwarze Spinne von Josef Matthias Hauer[11] und 1975 in Zürich in Ein wahrer Held von Giselher Klebe.

In den 1960er Jahren trat Gutstein mehrfach an der Komischen Oper Berlin in Inszenierungen von Walter Felsenstein auf. In der Spielzeit 1960/1961 sang er den Germont-père in La Traviata[12] und den Jago in Othello, an der Seite von Anny Schlemm als Desdemona. In der Spielzeit 1966/67 war er in der Titelrolle von Wolfgang Amadeus Mozarts Don Giovanni zu hören. 1964 sang er an der Oper Frankfurt unter der Regie von Harry Buckwitz die Titelrolle von Giuseppe Verdis Oper Macbeth mit Inge Borkh als Partnerin.[13] 1965 war Gutstein in Frankfurt ein „virtuoser Kowaljoff“ in der Oper Die Nase von Dmitri Schostakowitsch.[14]

Gutstein gastierte unter anderem an der Covent Garden Opera in London (1986 als Waldner), an der Metropolitan Opera in New York (1979–1980 als Faninal) und an den Opernhäusern von Dallas (1982 als Faninal) und Houston (1990 als Faninal). Beim Glyndebourne Festival sang er 1985 und 1989 als Partner von Elisabeth Glauser ebenfalls den Waldner in Arabella[15], sowie 1987 und 1990 den Theaterdirektor La Roche in Capriccio.

1994 übernahm Gutstein im Museumsquartier Wien die Rollen des Tierbändigers und des Schigolch bei den Aufführungen von Alban Bergs Oper Lulu.[16] 1997 sang er bei den Schlossfestspielen Schönbrunn in Schloss Schönbrunn die Rolle des Gefängnisdirektors Frank in der Operette Die Fledermaus von Johann Strauß.

Gutstein war bis kurz vor seinem Tod als Gesangslehrer und Musikpädagoge weiterhin künstlerisch aktiv. Er war Professor am Konservatorium der Stadt Wien. Für seine künstlerischen Verdienste wurde Wiener mit dem Titel Kammersänger ausgezeichnet.

Das durch Rundfunkaufnahmen, Live-Mitschnitte und Schallplatten überlieferte musikalische Schaffen von Ernst Gutstein wurde in den letzten Jahren weitgehend auch auf CD wiederveröffentlicht.

Literatur

  • Karl J. Kutsch und Leo Riemens: Großes Sängerlexikon. Dritte, erweiterte Auflage. München 1999. Band 3: Davislim–Hiolski, S. 1456. ISBN 3-598-11419-2

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Vita Ernst Gutstein Homepage OPERISSIMO
  2. Rollenverzeichnis von Ernst Gutstein in: Chronik der Wiener Staatsoper 1945-2005, S. 445. Löcker Verlag, Wien 2006. ISBN 3-85409-449-3
  3. Halka Besetzungszettel vom 28. Dezember 1965, pdf-Datei S. 16, Homepage des Dirigenten Theodor Guschlbauer
  4. RUDOLF SCHOCK SINGT EUGEN D'ALBERT Homepage Fascinatie Rudolf Schock (mit einem Foto und Kurzporträt von Ernst Gutstein)
  5. König Nicolo Eintrag bei Music Information Center Austria
  6. Herbert Prikopa: Die Wiener Volksoper, S. 169. Ibera Verlag, Wien 1999. ISBN 3-9004-3667-3
  7. Herbert Prikopa: Die Wiener Volksoper, S. 179, 183, 187, 199, 201, 218. Ibera Verlag, Wien 1999. ISBN 3-9004-3667-3
  8. Oper Konzertant: "Notre Dame" von Franz Schmidt Homepage der Wiener Volksoper
  9. Rollenverzeichnis Ernst Gutstein Homepage der Salzburger Festspiele (mit Suchfunktion)
  10. Fortners Don Perlimplin Kritik in: Die ZEIT vom 15. Mai 1962
  11. Die schwarze Spinne Besetzung der Uraufführung auf der Homepage JOSEF MATTHIAS HAUER (1883-1959)
  12. Weitere Rollen: Irmgard Arnold (Violetta), Hermin Esser (Alfred Germont)
  13. Inge Borkh: Ich komm vom Theater nicht los…: Erinnerungen und Einsichten S. 114 (Auszüge verfügbar unter Google Books)
  14. Eindrucksvolle künstlerische Leistungen Frankfurt-Dokumentation zur Nachkriegszeit auf der Homepage Frankfurt baut auf
  15. Arabella, Glyndebourne 1989 private Homepage des Sängers Gerald Finley
  16. Neue Oper Wien: Lulu Besetzungszettel der Premiere vom 28. September 1994