Ernst Klein (Journalist)

Ernst Klein (* 15. April 1876 in Wien; † Herbst 1951 in New York City) war ein österreichischer Journalist und Schriftsteller.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Klein besuchte das Gymnasium in Wien, Hamburg und Bremen. Nach der Mittleren Reife studierte er Jura und Geschichte in Wien und Paris. Im Jahr 1898 diente er als Einjährig-Freiwilliger im k. u. k. Infanterie-Regiment Nr. 43 und wurde Reserve-Offizier. Danach arbeitete er als Journalist in Wien und begann seine schriftstellerische Tätigkeit mit dem erfolgreichen Lustspiel Die Erziehung zum Don Juan.

Von Wien siedelte Klein nach Berlin über und arbeitete dort für den Berliner Lokalanzeiger. Unter Pseudonym verfasste er in seiner Berliner Zeit den Skandal von Graz[1] und weitere pornografische Romane für den Verleger Willy Schindler[2]; größeren kommerziellen Erfolg als die schnell beschlagnahmten Schindler-Privatdrucke hatten seine (ebenfalls unter Pseudonym verfassten) „Sensationsdramen“ wie Der seltsame Fall (nach Stevensons Dr. Jekyll und Mr. Hyde), welches allein in Berlin über 350-mal aufgeführt wurde, und Der Selbstmörderklub.

1908 war Klein als Korrespondent für den Berliner Lokalanzeiger und Moriz Benedikts Wiener Neue Freie Presse auf dem Balkan tätig und war dort Augenzeuge des Ausbruchs der jungtürkischen Revolution in Monastir. Im Sommer 1911 verfolgte er im Auftrag des Berliner Lokalanzeigers im Olymp die Bemühungen um die Befreiung des von Kleften entführten Jenaer Ingenieurs Edwart Richter. Im selben Jahr berichtete er vom Aufstand der Albaner im Kosovo. 1912 kehrte er als Leitartikler der NFP nach Wien zurück. Bei Ausbruch des ersten Balkankriegs im Oktober 1912 ging er als Korrespondent nach Sofia. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 berichtete Klein aus dem österreichisch-ungarischen Hauptquartier; später meldete er sich zur Front. Gegen Ende des Krieges war er als Leiter der österreichisch-ungarischen Propaganda in der Schweiz eingesetzt.

Nach der Kapitulation der Mittelmächte im November 1918 ging Klein wieder nach Berlin. Dort arbeitete er als Korrespondent der Basler Nachrichten und schrieb eine Vielzahl erfolgreicher Fortsetzungsromane für die Feuilletons Berliner Zeitungen. Ein Dutzend seiner Romane wurden in den 1920er Jahren auch verfilmt, darunter Titel wie Der Herr Generaldirektor, Die tolle Herzogin und Die Dame mit dem Tigerfell. Sein 1912 veröffentlichtes Drama Am Ende der Welt brachte es 1921 sogar zu einer amerikanischen Verfilmung (At the End of the World) unter der Regie des Malers Penrhyn Stanlaws.[3]

Klein, der dem nationalsozialistischen Regime kritisch gegenüberstand, wurde als erstes Opfer einer Kampagne von GoebbelsPropagandaministerium gegen missliebige ausländische Journalisten im August 1935 aus Deutschland ausgewiesen.[4] Er ging wieder nach Wien und emigrierte 1938 in die USA. Im Jahr 1940 veröffentlichte er Road to Disaster, ein Pamphlet gegen Hitlerdeutschland und das Preußentum.

Werke

Stücke:

  • 1905: Die Erziehung zum Don Juan. Farce in 3 Akten.
  • 1907: Nicolai Oltean. Drama in vier Aufzügen.
  • 1908: (als „Edward Morton und J. F. Gunniver“) Der seltsame Fall / Ein seltsamer Fall / Ein Doppelleben.
  • 1909: (als „Edward Morton und J. F. Gunniver“) Der Selbstmörderklub. Sensationsdrama in 3 Aufzügen.
  • 1910: (als „J. F. Gunniver“) Redder, der Mann mit dem Monokle. Eine exotische Komödie in 3 Akten.
  • 1912: Wiener Fratz. Operette in einem Aufzug. Libretto mit M. A. Weikone. Musik von Richard Fall.
  • 1912: Am Ende der Welt. Tragödie.
  • 1913: Der Kiebitz. Lustspiel in 3 Aufzügen.
  • Wir sind alle nur Menschen.
  • Die Frau der unbegrenzten Möglichkeiten.
  • Der ewige Streit.
  • Das Luder.

Romane:[5]

  • An den Ufern der Drina. Roman aus der Zeit der Annexion. Goldschmidt, Berlin 1915.
  • Die Schuld der Lavinia Morland. Roman nach dem gleichnamigen Film[6] und dem Schauspiel Sidney Garrick’s „Geständnis“. Scherl, Berlin 1921.
  • Der gestohlene Professor. Eine romantische Geschichte aus den griechischen Bergen. Eysler, Berlin 1923.
  • Das Gold im Meer. Eysler, Berlin 1923.
  • Der Mann ohne Herz. Die Geschichte eines Mädchens und eines Steines. Eysler, Berlin 1923.
  • Der König ohne Land. Eysler, Berlin 1924.
  • Brautraub. Eine verwickelte Gaunergeschichte vom Balkan. Eysler, Berlin 1924.
  • Der Herr Generaldirektor. Eysler, Berlin 1925.
  • Derby. Keil, Leipzig 1926.
  • Die tolle Herzogin. Eysler, Berlin 1926.
  • Kämpfer. Hackebeil, Berlin 1927.
  • Der Mann, der seinen Mörder sucht. Knaur, Berlin 1927 (= Knaur-Bücher, Bd. 12).
  • Madame Circe. Hackebeil, Berlin 1928 (= Hackebeil-Bücher, Bd. 3).
  • Der Kampf um Lady Evelyn. Verlag Haus für Volksliteratur und Kunst, Berlin 1928 (= Universal-Kriminal-Romane, Bd. 5).
  • Nuttchen. P. Langenscheidt, Berlin 1928 (später als: Eva in Seide. P. Langenscheidt, Berlin 1929).
  • Prinzessin auf Urlaub. Scherl, Berlin 1928 (= Scherls Zwei-Mark-Romane, Bd. 7).
  • Sabine. Ein modernes Frauenschicksal. Selle-Eysler, Berlin 1928.
  • Die Dame mit dem Tigerfell. Scherl, Berlin 1929 (= Scherls Zwei-Mark-Romane).
  • Überfall im Tiergarten. Glöckner-Verlag, Berlin/Wien 1929 (= Glöckner-Bücher, Bd. 1).
  • Der Fluch des Alten / Mann gegen Mann. Glöckner-Verlag, Berlin/Wien 1929 (= Glöckner-Bücher, Bd. 30; enthält außerdem Fünf Grotesken von Tibor Yost).
  • Waldbrand. Scherl, Berlin 1929.
  • Wenn Frauen kämpfen. Maschler, Berlin 1929 (= Maschlers Erdkreisbücher, Bd. 23).
  • Es gibt eine Macht. Selle-Eysler, Berlin 1930 (= Deutsche-Illustrierte-Roman-Bibliothek, Bd. 1).
  • „Liebe“. Selle-Eysler, Berlin 1930 (= Deutsche-Illustrierte-Roman-Bibliothek, Bd. 3).
  • Eine Frau allein in der Welt. Selle-Eysler, Berlin 1931 (= Deutsche-Illustrierte-Roman-Bibliothek, Bd. 7).
  • Überfall auf Monte Carlo. Abenteuerroman. Moewig & Höffner, Dresden/Leipzig 1931.[7]
  • Zweiter Hoppegarten. Selle-Eysler, Berlin 1932 (= Deutsche-Illustrierte-Roman-Bibliothek, Bd. 15).
  • Schüsse im „Savoy“. Neufeld & Henius, Berlin 1932 (= Lutz Kriminalromane, Bd. 27).
  • Flucht vor dem Schatten. Neufeld & Henius, Berlin 1933 (= Lutz Kriminalromane, Bd. 34).
  • Wenn eine schöne Frau will … Eine Abenteurergeschichte aus unseren Tagen. Schlesische Verlagsanstalt, Berlin & J. Müller & Co., Wien/Leipzig 1933.
  • (als Robert Panderott) Schicksal zwischen 10 und 6. Roman aus dem Berliner Theaterleben. Berlin 1934.

Essays:

  • Orient und Okzident: Was hat die Kultur der Arier den Semiten zu verdanken? Bratislava 1935 (Sonderabdruck aus Allgemeine Jüdische Zeitung).
  • Road to disaster. Translated by Denis Weaver. G. Allen & Unwin, London 1940.

Pornografische Romane als Fedor Essée etc.:[8]

  • (als „Fedor Essai“) Sadistische Novellen. o. O., um 1902.
  • (als „Fedor Essée“) Schlimme Mädchen. o. O., um 1906.
  • (als „L. Robinson“) Salon d’Albert. Flagellantische Mysterien eines Wiener Hauses. o. O., um 1907.
  • (als „Fedor Essée“) Ruten-Reigen. Familienszenen nach berühmtem Vorbild.[9] o. O., um 1909.
  • (als „Fedor Essée“) Geschichten von der Birkenrute. Verlag flagellantischer Bücher, o. O., um 1910.
  • (als „Fedor Essée“) Peitschen- und Liebesorgien. o. O., um 1920.
  • (als „Fedor Essée“) Kinderheilanstalt. Erotisch-flagellantische Novelle aus dem modernen Berlin. Einem Freunde nacherzählt. o. O., um 1920.
  • (als „F. Essée“) Schloß Minnebirk. o. O., 1921.

Pornografische Romane als Richard Werther etc.:

  • (anonym) Der Skandal von Graz oder Der nackte Ball. Enthüllungen aus den Geheimnissen einer österreichischen Provinzhauptstadt. Graz 1907 (später auch als Das Tanzkränzchen im Evakostüm, Der Skandal in Graz und in umgearbeiteter Fassung als Der skandalöse Ball).
  • (als „James Grunert“[10]) James Grunert. Ein Roman aus Berlin W. Mit 6 Bildern von Emil Sartori. Schindler, Berlin 1908.[11]
  • (als „Richard Werther“) Durchtollte Nächte, durchjubelte Tage. Der Roman einer Berliner Lebedame. Schindler, Berlin 1908 (später auch als Lore. Das Liebesleben einer kleinen Berlinerin und Liebesnächte. Geständnisse einer Berliner „Fanny Hill“).
  • (als „W. v. St.“) Aus den Erinnerungen eines Detektivs. Erotische Abenteuer eines Kriminal-Kommissars. 2 Bände. Schindler, Berlin 1908 (später auch als Der lüsterne Detektiv).
  • (als „F. S.“) Die Beichte eines Sünders. Memoiren eines Erotomanen. Schindler, Berlin 1908.
  • (als „Richard Werther“) Das Freudenmädchen. Tagebuch einer Bordelldirne. Schindler, Berlin 1909.
  • (anonym) Bekenntnisse eines Schriftstellers. Schindler, Berlin 1909.
  • (als „Richard Werther“) Aus den Memoiren eines Arztes. Schindler, Berlin um 1909 (später auch als Denkwürdigkeiten aus den hinterlassenen Papieren eines Arztes, Aus dem Tagebuch eines Arztes und Erlebnisse eines Frauenarztes unter dem Pseudonym „Phesoy Reyewsch“[12]).
  • (als „X. Y. Z.“[13]) Comtesse Marga. Ein erotischer Roman aus der Wiener Gesellschaft. Schindler, Berlin 1909.

Übersetzungen klassischer Pornografie:

  • (als „Richard Werther“) Die Liebessektierer. Nach den Akten einer privaten französischen Gesellschaft von ***. Angeblich aus dem Französischen übersetzt. Band 1: Die Familie der Liebe. Band 2: Die Werberinnen. Schindler, Berlin 1908 (= Dokumente zur Sittengeschichte der Menschheit, Bd. 14).
  • (als „Richard Werther“) Flossie, die fünfzehnjährige Venus. Von Einem, der die entzückende Göttin gekannt und an ihrem Altar geopfert hat. Übersetzung von Flossie, a Venus of Fifteen. By One Who Knew This Charming Godess and Worshipped at Her Shrine[14]. Schindler, Berlin 1908 (= Dokumente zur Sittengeschichte der Menschheit, Bd. 15).
  • (als „Richard Werther“) „E. D.“: Das Glashaus. Sittenschilderungen aus der Zeit des 2. Kaiserreichs. Übersetzung von La maison de verre. Schindler, Berlin 1908.
  • (als „Tom Swift“) „Maurice Guy Vicomte de Varause“: Die lüsternen Schwestern. Übersetzung von Les nonnes lubriques. Fritz Freund, Wien 1910.

Anmerkungen

  1. http://korso.at/content/view/2437/98/
  2. Der Berliner Verleger Willy Schindler gab unter dem Pseudonym „Dr. Willy Heine“ von 1906 bis 1911 eine Anzahl pornografischer Werke heraus, zum Teil in Reihen wie den Dokumenten zur Sittengeschichte der Menschheit. Die Bände erschienen als Privatdruck in Auflagen von 300 bis 500 Exemplaren, oft mit fiktiven Verlagsorten, und wurden an Mitglieder seiner Vereinigung deutscher und österreichischer Bibliophilen (ab 1908: Vereinigung zum Studium der Sexualwissenschaft) verkauft.
  3. The Screen. In: New York Times, 15. August 1921.
  4. Nazis Act to Curb Foreign Writers. Swiss Correspondent Ordered to Leave Reich and “Quite a Number” May Have to Go. In: New York Times, 3. August 1935.
  5. Im Ausstellungskatalog Österreichische Autoren in Amerika: Geschick und Leistung der österreichischen literarischen Emigration ab 1938 in den Vereinigten Staaten (Amerika-Haus, Wien 1970) werden noch zwei weitere Romane aufgeführt (Die Tochter des Valero, ohne Jahr, und Schüsse am Genfer See, 1932), die aber als Buchausgaben nicht nachweisbar sind.
  6. Der Spielfilm Die Schuld der Lavinia Morland entstand 1920 unter der Regie von Joe May, der dann 1926 die Verfilmung von Kleins Roman Derby (Regie: Max Reichmann) produzierte.
  7. Die Zuschreibung dieses Romans ist nicht völlig sicher: Im selben Verlag erschien zwar 1931 auch eine Neuauflage von Die Schuld der Lavinia Morland, von 1932 bis 1936 (und danach in anderen Leipziger Verlagen) dann aber eine Serie von Abenteuerromanen eines Autors Ernst Klein, die wohl einen anderen Verfasser haben. Die Reihe umfasst die Romane Der Mann mit den vielen Namen (1932), Die schwarze Drei (1933), Die Weiberfarm (1935), Der Geächtete (1935), Pronto (1935), Jim räumt auf (1936), Die Schatzgräber (1936), Umweg zu Isabel (1937), Hank Reds Vermächtnis (1937), Jeff Durands Millionen (1937), Hallo, Meggy, aufgepaßt! (1938), Frank Skinners Gäste (1938), Die Nacht zum 4. August (1938), Der singende Berg (1938) und Der Mann ohne Namen (1939). Im Kürschner (Werner Schuder: Kürschners Deutscher Literatur-Kalender: Nekrolog 1936–1970. de Gruyter, Berlin 1973, ISBN 3-11-004381-5) wird als Autor dieser Werke ein Ernst Klein (* 5. Juli 1907 in Metz; † um 1949 in Stuttgart), Redakteur in Recklinghausen, angeführt, der auch 1934 ein Glorifizierungsheftchen Das Werk der ersten Bannerträger des Nationalsozialismus in Recklinghausen publizierte. Noch unklarer ist die Autorschaft des 1939 erschienenen Werks Der Tor von Nazareth (1939), das mehrfach und unplausibel dem österreichischen Klein zugeschrieben wurde.
  8. Die Zuschreibung der unter dem Pseudonym Fedor Essée oder Essai verfassten Werke kann nicht als völlig gesichert gelten. Verschiedene Pseudonymenlexika geben Klein als Autor dieser dem Flagellantismus-Genre zugehörigen Werke an; andernorts wird aber ein Wiener Autor namens Franz Wolfbauer (1871–?) als Verfasser angenommen.
  9. Mit dem „berühmten Vorbild“ ist Arthur Schnitzlers Reigen gemeint.
  10. Die Verfasserschaft dieses Romans über die erotischen Eskapaden eines Bankierssohns wurde, wohl aus aufmerksamkeitsökonomischen Gründen, häufig einem Nachfahren des berühmten Bankiers Gerson von Bleichröder (wahlweise dessen Enkelsohn Hans von Bleichröder oder einem Werner von Bleichröder) zugeschrieben. Die Angaben zur Autorschaft Kleins an diesem Roman, der Comtesse Marga und den als „Richard Werther“ veröffentlichten Werken folgen dem 1931 erschienenen Band 4 (Ergänzungsband) des Bilder-Lexikon der Erotik, herausgegeben vom Wiener Institut für Sexualforschung. Der dortige Artikel zu Werther (online) beruht auf Mitteilungen von Willy Schindler an den Artikelautor „Schr.“ (d. i. Leo Schidrowitz (1894–1956), in dessen Verlag für Kulturforschung das Bilder-Lexikon ab 1928 erschien).
  11. Indiziert von der Bundesprüfstelle durch Entscheidung Nr. I 42/87 vom 16. Juni 1987
  12. Ein Anagramm von Joseph Schweyer, einem Münchner Buchhändler.
  13. Der Roman wird fälschlich auch Friedrich Kohlhoff oder Udo von Minneheimb zugeschrieben.
  14. Zuerst 1897 in London erschienen und gelegentlich Algernon Swinburne zugeschrieben.

Weblinks