Ernst Kris

Ernst Kris (* 25. April 1900 in Wien; † 27. Februar 1957 in New York) war ein österreichisch-US-amerikanischer Kunsthistoriker und Psychoanalytiker. Er war einer der bedeutendsten Vertreter der psychoanalytischen Ich-Psychologie.

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Leben und Werk

Kris, der Sohn eines Rechtsanwalts, litt bereits in jungen Jahren an einer rheumatischen Erkrankung. Er promovierte 1922 bei Julius von Schlosser in Kunstgeschichte und arbeitete anschließend als Kurator am Kunsthistorischen Museum. 1927 heiratete er Marianne Rie, deren Vater Oscar mit Sigmund Freud befreundet war. Schon während der Verlobungszeit kam er in Kontakt mit Freud.

Da Marianne Rie nach ihrem Medizinstudium eine persönliche Analyse in Berlin absolvierte, empfahl Freud ihm ebenfalls eine Analyse, die er 1924-27 bei Helene Deutsch in Wien machte. Beide Kris wurden 1928 in die Wiener Psychoanalytische Vereinigung aufgenommen, und Ernst Kris eröffnete neben seiner Anstellung am Museum eine psychoanalytische Praxis und unterrichtet am Wiener Lehrinstitut. Ab 1933 gab er zusammen mit Robert Wälder die Zeitschrift Imago heraus. 1938 emigrierte er mit seiner Familie nach London und begann dort für die BBC an der wissenschaftlichen Analyse der Nazi-Propaganda zu arbeiten.

1940 wurde er in dieser Funktion nach Kanada und später in die USA gesandt. Im September 1940 berief ihn die New School for Social Research zum Professor, und hier baute er zusammen mit Hans Speier ein Forschungsprogramm für totalitäre Propaganda auf. In New York wurde er Mitglied und Lehranalytiker des New York Psychoanalytic Institute. Er begann sich für die Entwicklung des Kindes zu interessieren und leitete eine Längsschnittuntersuchung zur frühen Kindheit am Yale University Child Study Center und war im Editiorial Board der Zeitschrift 'The Psychoanalytic Study of the Child'. Am New York Psychoanalytic Institute zusammen mit der Yale University initiierte er das Gifted Adolescence Project, das begabten jungen Menschen mit psychischen Problemen eine Psychoanalyse ermöglichte."[1]

Kris' unter Kunsthistorikern bekanntestes Buch ist das zusammen mit Otto Kurz verfasste Werk Die Legende vom Künstler, in dem gängige Anekdoten und Mythologien über Künstlerpersönlichkeiten untersucht und als Fiktionen erkannt werden. Er arbeitete sowohl in Wien wie auch in London häufig mit Ernst Gombrich zusammen.

"Mit seiner umfassenden historischen Einleitung zur ersten Bearbeitung der Freud-Fließ-Briefe (1950) hat er einen Beitrag zur Freud-Biografik verfaßt."[2]

Kris starb an einer Herzerkrankung.

Schriften (Auswahl)

  • Die Legende vom Künstler: ein geschichtlicher Versuch (mit Otto Kurz; 1934), Neuausgabe: Frankfurt am Main: Suhrkamp, 3. Auflage 1995 ISBN 3-518-28802-4.
  • Meister und Meisterwerke der Steinschneidekunst in der Italienischen Renaissance (1929)
  • Die ästhetische Illusion. Phänomene der Kunst in der Sicht der Psychoanalyse, Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1977
  • Psychoanalytische Kinderpsychologie, Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1979, ISBN 3-518-07288-9.
  • "Einleitung zur Erstausgabe 1950" in: Sigmund Freud, Briefe an Wilhelm Fließ. 1887-1904. Ungekürzte Ausgabe, Frankfurt am Main: S. Fischer 1986, S. 519-561
  • Erstarrte Lebendigkeit, vorgestellt von Bettina Uppenkamp, Zürich-Berlin: diaphanes, 2010, ISBN 978-3-03734-132-2.

Literatur

  • Elke Mühlleitner: Kris, Ernst. In: Gerhard Stumm, Alfred Pritz, Paul Gumhalter (Hrsg.): Personenlexikon der Psychotherapie. Springer, Wien u. a. 2005, ISBN 3-211-83818-X, S. 260–261.
  • S. Ritvo, L. Ritvo: Ernst Kris (1900–1957). Twentieth Century „Oumo universale“. In: Franz Alexander, Samuel Eisenstein, Martin Grotjahn (Hrsg.): Psychoanalytic Pioneers. Basic Books, New York NY u. a. 1966, S. 484–500.
  • Ulrike Wendland: Biographisches Handbuch deutschsprachiger Kunsthistoriker im Exil. Leben und Werk der unter dem Nationalsozialismus verfolgten und vertriebenen Wissenschaftler. Saur, München 1999, Bd. 1, S. 387-392

Weblinks

Quellen

  1. Mühlleitner 2005:260-261
  2. Mühlleitner 2005:261