Ernst Rudolf Neubauer

Ernst Rudolf Neubauer

Ernst Rudolf Neubauer (* 17. April 1828 in Iglau, Mähren; † 4. Mai 1890 in Radautz, Bukowina) war ein österreichischer Dichter.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Ernst Rudolf Neubauer besuchte das Gymnasium in Iglau und studierte Rechtswissenschaft an der Prager Karl-Ferdinands-Universität und Philosophie an der Universität Wien. Dort wurde er von der Revolution von 1848/49 im Kaisertum Österreich ergriffen. Er gab die radikale Zeitung „Der freie Wiener“ heraus. Als Mitglied der Akademischen Legion wurde er im März 1848 bei Straßenkämpfen verwundet. Während der Belagerung Wiens diente er als Korpsadjutant des Kommandanten Wenzel Messenhauer, der später, als das Regierungsheer Wien eroberte, erschossen wurde.[1] Neubauer entging diesem Schicksal um Haaresbreite. Die Erlebnisse schilderte er später in seinem Gedichtzyklus „Der Legionär“.

Nach der Revolution wandte er sich dem Lehrfach zu. 1850 wurde er an die äußerste Peripherie der Donaumonarchie geschickt, in die „pädagogische Strafkolonie“ Bukowina. Zum Gymnasiallehrer in Czernowitz ernannt, entfaltete er eine rege pädagogische Tätigkeit, indem er über 25 Jahre Literatur und Geschichte unterrichtete. Er förderte literarisch begabte Schüler wie Karl Emil Franzos und Mihai Eminescu.

Nebenbei widmete sich Neubauer dem Journalismus. 1862 gründete er eine eigene Druckerei und verlegte das erste deutschsprachige Blatt, die Landes- und Amtszeitung „Bukowina“, die er bis 1869 redigierte. Ihre Beilage „Sonntagsblatt der Bukowina“ wurde zum literarischen Forum junger Bukowiner Autoren. Zu Neubauers Mitarbeitern gehörten Ludwig Adolf Simiginowicz-Staufe, Moritz Amster, Jurij Fedkowytsch und Janku Lupul. Mit Geld auf keinem guten Fuße, sah sich Neubauer nach sieben Jahren gezwungen, die Druckerei und sein Haus zu verkaufen, um die Schulden begleichen zu können.

1872 wurde er als Direktor des Gymnasiums in Radautz berufen. Als Schulrat (Titel) geehrt, trat er 1884 in den Ruhestand und widmete sich ganz seiner dichterischen Tätigkeit. Nach seinem Tod wurde er auf dem städtischen Friedhof von Radautz beerdigt. Die Gemeinde stellte einen Ehrengrabstein auf.

Werk

  • Schilf und Weide, 1847 (Gedichte)
  • Österreichische patriotische Lieder, 1849
  • Festgedicht zur Begrüßung „Seiner Kaiserlichen Majestät Franz Josephs I.“ [2]
  • Die vier Himmelsgegenden der Ehe, 1855 [3]
  • Lieder aus der Bukowina, 1855
  • Erzählungen aus der Bukowina, 1868
  • Roxolan und Carpa [4]
  • Nogaia oder Die Steppenschlacht, 1876 [5]
  • Text zum Bildband „Die illustrierte Bukowina“ von Franz Xaver Knapp
  • Grundzüge zur Geschichte vom Serethland, 1874
  • Über das Gudrunlied, 1876
  • Über Tristan und Isolde, 1876
  • Anakreon von Theos, 1876
  • Fürst Konstantin Brancovan, 1877
  • Die Ideonen, Hamburg 1882 [6]

„Das grandiose dichterische Werk Die Ideonen wurde leider bis heute literaturwissenschaftlich kaum erschlossen. Auch Neubauers dramatische Werke, die seinerzeit in Czernowitz aufgeführt wurden, sind heute vergessen:  »Das Mädchen von Kaliczanka« (1865), »Der Handel um die Seele« und andere.“

Peter Rychlo und Oleg Liubkivskyj

Neubauer war auch ein hervorragender Stegreifdichter, der bei seinen Improvisationen die schwierigsten Formen verwendete, zum Beispiel antike Strophen, Stanzen, Sonette und Terzinen. In vielen Städten des deutschen Sprachraums (Dresden, Wien, Leipzig) trat er mit großem Erfolg auf.

Literatur

Einzelnachweise und Anmerkungen

  1. Oktoberaufstand in Wien (1848)
  2. Am 22. Oktober 1851 besuchte der Kaiser erstmals die Bukowina
  3. erotische Gedichte, seiner Frau gewidmet
  4. Hunnenzeit auf der Burg Cecina bei Czernowitz
  5. Versepos über den Zusammenbruch der Mongolenherrschaft 1292 in der Bukowina
  6. 50 Lieder, Übersicht über die Entwicklungsgeschichte der Menschen, der „Ideonen“. An der philosophischen Dichtung arbeitete Neubauer 20 Jahre

Quelle

  • Peter Rychlo, Oleg Liubkivskyj: Literaturstadt Czernowitz, 2., verbesserte Auflage. Czernowitz 2009, S. 23 ff.

Weblinks