Erste Allgemeine Verunsicherung

Erste Allgemeine Verunsicherung (EAV)
EAV beim Donauinselfest 2008
EAV beim Donauinselfest 2008
Allgemeine Informationen
Genre(s) Rock/Pop-Rock
Gründung 1974 als "Antipasta"
Neugründung 1977 als "Erste Allgemeine Verunsicherung"
Website eav.at
Gründungsmitglieder
E-Bass, Gesang
Eik Breit (bis 1996)
Keyboard, Gesang
Nino Holm (bis 1998)
Aktuelle Besetzung
E-Gitarre, Gesang
Thomas Spitzer (seit 1977)
Gesang
Klaus Eberhartinger (seit 1981)
Keyboard, E-Gitarre, Gesang
Kurt Keinrath (seit 1996)
E-Bass, Gesang
Leo Bei (seit 1996)
Schlagzeug
Robert Baumgartner (seit 1998)
Keyboard, Saxofon, Akkordeon, Gesang
Franz Kreimer (seit 2001)
Ehemalige Mitglieder
Schlagzeug
Anders Stenmo (1976–1998)
Gesang
Wilfried Scheutz (1977–1979)

Gert Steinbäcker (1979–1983)

Gitarre, Gesang
Günter Timischl (1979–1983)

Helmut Röhrling (1979–1985)

Keyboard, Gesang
Mario Bottazzi (1983–1990)

Andy Töfferl(1990–2001)
Franz Zettl (1998–2001)

Gastmusiker/Umfeld
Schlagzeug
Reinhard Brummer (1974–1976)

Peter Kolbert(1987-1991)
Alex Deutsch (1998–1999)

Gitarre, Gesang
Günter Heinemann (1974–1977)

Reinhard Stranzinger (seit 2010)

Keyboard
Thomas Rabitsch (1976–1977, 1994-1995)

David Bronner (1994–1998)

E-Bass
Źak (1976–1977)
Kostüme, Bühnenshow, Gesang
Marina Tatic (1977–1979)

Gabi Aigner (1977–1979)

Management, Bühnenshow, Gesang
Walter Hammerl(1977–1981)
Management, Bühnenshow, Saxofon, Gesang
Günther Schönberger (1977–1996)
Sänger und Frontmann Klaus Eberhartinger
Aufführung: Küss’ die Hand, schöne Frau
Aufführung: Sandlerkönig Eberhard

Die Erste Allgemeine Verunsicherung (kurz: EAV) ist eine österreichische Pop-Rock-Band, die 1977 gegründet wurde. Texter und Komponist der Band ist Thomas Spitzer. Der Name ist eine Anlehnung an das ehemalige österreichische Versicherungsunternehmen Erste Allgemeine Versicherung.

Inhaltsverzeichnis

Die Anfänge

Eik Breit war Gründer der Band Antipasta, die sich nach drei Jahren auflöste. Mit seinem Freund Thomas Spitzer, der wenige Wochen vor der Auflösung als Gitarrist zu Antipasta gestoßen war, sowie Nino Holm und Anders Stenmo gründete er wenig später eine neue Band, der zunächst aber ein passender Name fehlte. Während einer gemeinsamen Busfahrt kamen Spitzer und Holm am Hauptsitz der Ersten Allgemeinen Versicherung (kurz: EAV) vorbei, was sie auf die scherzhafte Idee brachte, den Bandnamen an das Versicherungsunternehmen anzulehnen – die Erste Allgemeine Verunsicherung war geboren. Die Versicherung zeigte sich wenig begeistert von der Abwandlung ihres Namens und leitete juristische Schritte gegen die Band ein. Die Klage wurde aber nach kurzer Zeit zurückgezogen (unterschiedliche Branchen); einige Jahre später trat die Versicherung als Sponsor der Pinguin-Tour auf.

Karriere

Ende der 1970er-Jahre begann EAV als Rock-Comics-Band und feierte erste Erfolge in der alternativen Clubszene Deutschlands. Mit dem fünften Album Geld oder Leben! (1985) gelang schließlich durch die Veröffentlichung eines Cartoons aus der Feder der EAV-Musiker auf der Titelseite des Österreichischen Fachmonatsmagazins für Musiker und Studiotechnik Tschin-Bumm der Durchbruch im gesamten deutschsprachigen Raum.[1] Auf dem Höhepunkt ihres Erfolges zog sich die Band für drei Jahre aus dem Musikgeschäft zurück. Bei ihrem Comeback 1994 gelang es nicht mehr, an die großen kommerziellen Erfolge der späten Achtziger und frühen Neunziger anzuknüpfen.

Öffentliche Wahrnehmung

Die Lieder der Ersten Allgemeinen Verunsicherung wurden besonders in den Achtzigern oft als reine Spaßlieder verstanden. Durch den Erfolg von Liedern wie Ba-Ba-Banküberfall, Märchenprinz, Küss’ die Hand, schöne Frau, Fata Morgana oder Ding Dong wurde ihnen oft das Etikett einer Klamaukband angeheftet, was sich 1999 durch den Erfolg des Songs Drei weiße Tauben noch einmal verstärken sollte. Die Band selbst macht für dieses Missverständnis den kommerziellen Erfolg einzelner aus dem Gesamtkontext eines Albums gerissener Lieder verantwortlich. Tatsächlich eckte EAV durch ihre politischen Statements immer wieder an. Der ehemalige österreichische Bundespräsident Kurt Waldheim drohte nach Wann man gehn muß mit einer Klage, zog diese aber angesichts negativer öffentlicher Reaktionen zurück.[2] Sehr stark ist das Engagement der Gruppe gegen Rechtsextreme und rechte Gewalt (z. B. in Liedern wie: Eierkopf-Rudi, Wir marschieren). Bereits 1983 gab es nach einer TV-Sendung Bombendrohungen von Neonazis, der österreichische Rechtspopulist Jörg Haider verklagte die Band wegen „übler Nachrede“ und zahlreiche Titel wurden wegen ihrer kirchen- und gesellschaftskritischen Inhalte von Rundfunksendern boykottiert.[3] Der bekannteste Fall ist sicherlich die 1988 erschienene Single Burli, die sich mit den möglichen Folgen des GAUs eines Kernkraftwerks beschäftigt (Der Burli hat links und rechts 3 Ohrli / an jeder Hand zehn Finger, und Hände hat er vier / keiner spielt so schnell Klavier). Der Band wurde daraufhin eine Verhöhnung behinderter Menschen vorgeworfen. Der Bayerische Rundfunk hat das Lied ’s Muaterl wegen seiner Kritik am damaligen Papst und der katholischen Kirche nicht gesendet.

EAV heute

Von Herbst 2005 bis Ende 2007 war die Erste Allgemeine Verunsicherung mit dem Programm zum Album 100 Jahre EAV… Ihr habt es so gewollt! im deutschsprachigen Raum unterwegs; neben den bekannten Hits und Klassikern der Band-Geschichte wurden auch neue Lieder gespielt. Das Album stand in Österreich 113 Wochen lang in den Charts.[4] Aufgrund des Erfolges der Livekonzerte ging die EAV ab Frühjahr 2008 mit ihrem neuen Programm Amore XL erneut auf Tournee.

Am 5. Februar 2010 erschien das Album Neue Helden braucht das Land. Auf der dazugehörigen Tournee trat die Band ab März des Jahres in Österreich, Deutschland und der Schweiz auf. Ab Mai hat Thomas Spitzer seine Bühnenkarriere vorerst beendet. Seitdem spielt Reinhard Stranzinger für ihn.

Besetzung

Im Lauf der Bandgeschichte kam es immer wieder zu Wechseln in der Besetzung. In den ersten Jahren (1978 bis 1979) stand der österreichische Sänger Wilfried am Mikrofon, von 1979 bis 1983 war Gert Steinbäcker (heute S.T.S.) Frontmann. Er stand von 1981 bis 1983 gemeinsam mit Klaus Eberhartinger, der durch seine markanten Interpretationen den Stil der Band bis heute entscheidend geprägt hat, auf der Bühne. Mit Mario Botazzi, der 1983 Gert Steinbäcker ersetzte, verlässt 1990 der neben Eberhartinger und Spitzer wichtigste Kopf der EAV die Band. Heute spielt EAV mit Thomas Spitzer (Gitarre), Klaus Eberhartinger (Gesang), Kurt Keinrath (Keyboard, Gitarre), Leo Bei (Bass), Franz Kreimer (Keyboard, Saxophon) und Robert Baumgartner (Schlagzeug).

Bandmitglieder

Gründungsmitglieder

  • Eik Breit gründete 1974 die Band Antipasta. 1977 erfolgte eine Neugründung mit dem Namen Erste Allgemeine Verunsicherung. Bis 1996 spielte er Bassgitarre. Zum Ausstieg kam es durch finanzielle Uneinigkeiten. Von 1996 bis 2004 war er Mitglied der Band 4Xang. Seitdem ist er als Schauspieler im Theater tätig.
  • Nino Holm stieß 1974 als Keyboarder zur Band Antipasta und war ein Gründungsmitglied der EAV. Bis zur Auflösung 1992 war er ein festes Mitglied der Band. Bis 1998 war er noch an Studioalben beteiligt. Seit 2004 ist er Mitglied von Wilfrieds Band 4Xang.

Aktuelle Besetzung

  • Thomas Spitzer wurde 1977 von Nino Holm in die Band geholt. Er nahm den Job nur unter der Bedingung, einen neuen Bandnamen zu verwenden, an.
  • Klaus Eberhartinger wurde bereits 1977 von Thomas Spitzer als Sänger vorgeschlagen. Im Jahr kam er 1981 als Ersatz für Walter Hammerl zur EAV. Seitdem übernimmt er den Hauptgesang.
  • Kurt Keinrath wirkte schon seit 1994 bei EAV-Produktionen mit und auf Grund einiger Umbesetzungen wurde er 1996 als festes Mitglied der Band engagiert.
  • Leo Bei war unter dem Pseudonym Karl Horak von 1985 bis 1995 Bassist bei der Band Ostbahn-Kurti und die Chefpartie, die er auch produzierte. Nach deren Auflösung kam er 1996 zur EAV.
  • Robert Baumgartner ist bereits seit 1998 Mitglied der Band, jedoch erst nach dem Ausstieg von Alex Deutsch im Jahr 1999 Schlagzeuger.
  • Franz Kreimer war von 1994 bis zur Auflösung 2004 Mitglied der Ausseer Hardbradler. Als Ersatz für Andy Töfferl und Franz Zettl kam er 2001 zur EAV.

Ehemalige Mitglieder

  • Anders Stenmo wurde 1976 als Schlagzeuger der Band Antipasta engagiert und war ein Mitbegründer der EAV. Er litt zu Beginn der Himmel & Hölle Tour '98 an einem Hörsturz und konnte daher nicht spielen.
  • Wilfried Scheutz war ab 1977 Sänger und Frontmann der Band. 1979 verließ er diese wieder.
  • Gert Steinbäcker war nach Wilfried der Hauptsänger der EAV. Neben dieser spielte er auch in der 1978 gegründeten Band STS, weshalb er 1983 bei der EAV ausstieg.
  • Günter Timischl war Mitbegründer der Band STS und war von 1979 bis 1983 Gastmusiker bei der EAV. Ab 1983 spielte er nur noch bei STS.
  • Helmut Röhrling war Mitbegründer der Band STS und war von 1979 bis 1985 Gastmusiker bei der EAV. Ab 1985 spielte er nur noch bei STS.
  • Mario Bottazzi ersetzte 1983 Gert Steinbäcker und war neben Klaus Eberhartinger der zweite Hauptsänger und Keyboarder. 1990 stieg er unerwartet aus.
  • Franz Zettl arbeitete bereits seit 1992 mit Andy Töfferl und wurde nach dem Ausstieg von David Bronner im Jahr 1998 als neuer Keyboarder in die Band geholt. 2001 verließ er die Band.

Verstorbene Mitglieder

  • Walter Hammerl war seit 1977 der Manager und gelegentlicher Sänger der EAV. Im Februar 1981 wurde er von seinem Freund und Kollegen Thomas Spitzer nach einem Selbstmord tot aufgefunden.
  • Peter Kolbert war von 1987 bis 1991 ein Schlagzeuger der Band. Er starb am 12. September 2000 an den Folgen seiner Heroinsucht.
  • Andy Töfferl ersetzte Mario Bottazzi und war von 1990 bis 2001 Keyboarder und Sänger bei der EAV. 2001 stieg er bei der Band aus, um an seiner Solokarriere zu arbeiten. Am 5. Mai 2012 starb er an den Folgen eines Herzinfarktes im LKH Graz.

Gastmusiker

  • Reinhard Brummer war von 1974 bis 1976 als Schlagzeuger der Band tätig. Er wurde durch Anders Stenmo ersetzt.
  • Günter Heinemann war von 1974 bis 1977 der Sänger der Band.
  • Thomas Rabitsch war von 1976 bis 1977 ein Gastmusiker an den Keyboards. Von 1981 bis 1998 war er in Falcos Band am Keyboard tätig. Seitdem ist er musikalischer Leiter des Musikorchesters von Dancing Stars.
  • Źak war von 1976 bis 1977 der Bassist der Band.
  • David Bronner war von 1994 bis 1998 Live-Mitglied, Produzent und Gastmusiker bei der EAV.
  • Alex Deutsch wurde nach dem Hörsturz von Anders Stenmo im Jahr 1998 als neuer Schlagzeuger in die Band geholt. 1999 litt er an einer Lungenentzündung und so musste der Platz am Schlagzeug umbesetzt werden.
  • Reinhard Stranzinger springt seit 2010 gelegentlich für Thomas Spitzer ein.

Umfeld

  • Marina Tatic war von 1977 bis 1979 Sängerin und Kostümschneiderin der Band. Gemeinsam mit Wilfried Scheutz verließ sie die Band 1979. Später heirateten die beiden.
  • Gabi Aigner war von 1977 bis 1979 Kostümschneiderin der Band.
  • Günther Schönberger war von 1977 bis 1996 für das Management, Gesang, Saxofon und Bühnenshow verantwortlich. 1996 stieg er gemeinsam mit Eik Breit aus und ist seitdem als Weinbauer tätig.

Diskografie

Hauptartikel: Erste Allgemeine Verunsicherung/Diskografie

Studioalben

Jahr Titel Chartpositionen[5] Anmerkung
DE AT CH UK
1978 1. Allgemeine Verunsicherung Erstveröffentlichung: 1978
1981 Café Passé Erstveröffentlichung: 1981
1983 Spitalo Fatalo 5
(10 Wo.)
Erstveröffentlichung: 1. Oktober 1983
1984 À la carte 11
(14 Wo.)
Erstveröffentlichung: 18. Dezember 1984
1985 Geld oder Leben! 10
(60 Wo.)
1
(78 Wo.)
3
(15 Wo.)
Erstveröffentlichung: 1. November 1985
Verkäufe: + 700.000
1987 Liebe, Tod & Teufel! 3
(53 Wo.)
1
(38 Wo.)
1
(34 Wo.)
Erstveröffentlichung: 6. November 1987
Verkäufe: + 450.000
1990 Neppomuk’s Rache 2
(41 Wo.)
1
(28 Wo.)
3
(23 Wo.)
Erstveröffentlichung: 21. Mai 1990
Verkäufe: + 380.000
1991 Watumba! 17
(25 Wo.)
1
(22 Wo.)
15
(7 Wo.)
Erstveröffentlichung: 21. November 1991
Verkäufe: + 315.000
1994 Nie wieder Kunst (wie immer…) 40
(12 Wo.)
1
(25 Wo.)
17
(10 Wo.)
Erstveröffentlichung: 24. November 1994
Verkäufe: + 40.000
1997 Im Himmel ist die Hölle los! 37
(6 Wo.)
1
(19 Wo.)
20
(7 Wo.)
Erstveröffentlichung: 25. August 1997
Verkäufe: + 20.000
1999 Himbeerland 55
(4 Wo.)
2
(21 Wo.)
30
(5 Wo.)
Erstveröffentlichung: 29. Januar 1999
Verkäufe: + 20.000
2003 Frauenluder 90
(1 Wo.)
1
(18 Wo.)
Erstveröffentlichung: 28. April 2003
Verkäufe: + 10.000
2007 Amore XL 46
(3 Wo.)
1
(30 Wo.)
83
(1 Wo.)
Erstveröffentlichung: 12. Oktober 2007
Verkäufe: + 20.000
2010 Neue Helden braucht das Land 26
(6 Wo.)
1
(29 Wo.)
34
(3 Wo.)
Erstveröffentlichung: 5. Februar 2010
Verkäufe: + 20.000
2013 Pfeif' drauf Erstveröffentlichung: 2013

Tourografie

  • 1978–1979: Uschi im Glück
  • Winter 1978: Lametta Scheinwelt
  • Winter 1979: Ihr Kinderlein kommet
  • 1980–1982: Café Passé
  • 1983–1984: Spitalo Fatalo-Tour
  • 1985–1986: Geld oder Leben-Tour
  • 1988–1989: Pinguin-Tour
  • 1990–1991: Neppomuk-Tour
  • 1995: Kunst-Tour
  • 1998: Himmel und Hölle-Tour
  • 2002: Best of Show 2002
  • 2004: Best of Show 2004
  • 2005–2007: 100 Jahre EAV-Tour
  • 2008–2009: Amore XL-Tour
  • 2010: Neue Helden-Tour
  • 2011: Best of Show 2011
  • 2012: Best of Show 2012

Auszeichnungen

Trivia

Bei einem Überfall auf eine Filiale der BAWAG in Wien am 27. Februar 2007 wurde von einem Anwohner das Lied Ba-Ba-Banküberfall lautstark über die ans Fenster gestellte Stereoanlage gespielt, bis die Polizei es unterband.[6]

Weblinks

 Commons: Erste Allgemeine Verunsicherung – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. eav.at
  2. wissenswertes.at
  3. laut.de
  4. austriancharts.at
  5. Chartquellen: DE AT CH UK
  6. Geiselnahme in Wiener Bank nach Stunden unblutig beendet. In: Die Welt