Eta Harich-Schneider

Eta Margarethe Harich-Schneider (geborene Schneider; * 16. November 1897 in Oranienburg; † 10. Januar 1986 in Wien) war eine deutsche Cembalistin, Musikwissenschaftlerin, Japanologin und Schriftstellerin.

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Leben

Harich-Schneider machte 1915 Abitur und heiratete im gleichen Jahr den Schriftsteller Walther Harich, den sie aber 1922 verließ (Scheidung). Seit den frühen 1920er Jahren war sie auch mit Eva Rechel-Mertens (der Proust-Übersetzerin) und Klabund befreundet. Sie studierte Klavier in Berlin bei Conrad Ansorge (und nahm bei Wilhelm Klatte Theoriestunden, als sie schon arrivierte Pianistin war). Im Jahr 1924 hatte sie ihr Debüt bei der Erstaufführung der „Suite 1922“ von Paul Hindemith in der Singakademie. Endgültig zog sie aber erst 1927 von Frankfurt an der Oder nach Berlin. Ab etwa 1929 studierte sie Cembalo bei Günther Ramin in Leipzig und danach bis 1935 bei Wanda Landowska in Paris (Sommerkurse). 1930 trat sie zuerst öffentlich als Cembalistin in Berlin auf. 1930 gründete sie ein vierzehntäglich konzertierendes Collegium für alte Musik und begann mit dem Quellenstudium in der Preußischen Staatsbibliothek, das zu ihrem späteren Buch Die Kunst des Cembalo-Spiels führte. 1932 bis 1940 war sie Professorin und Leiterin der Cembaloklasse an der Hochschule für Musik in Berlin, wo sie außerdem in den Fächern Stilkunde und Kammermusik unterrichtete. 1940 wurde sie entlassen, und zwar aufgrund eines Konflikts mit dem Direktor der Hochschule Fritz Stein, der ihr die Monbijou-Konzerte, die aus ihrem Collegium für Alte Musik entstanden waren, entziehen wollte, aber vor Gericht unterlag, und ging 1941 nach Tokio. Dort studierte sie japanische Sprache, Schrift und Musik, unterrichtete und gab Konzerte. Sie war mit dem „Meisterspion“ Richard Sorge befreundet. Nach dem Krieg lehrte sie in Tokio sowohl am US-Army College als auch in der Abteilung Hofmusik des Japanischen Kaiserhauses (1947 bis 1949). Über die japanische Musik publizierte sie zwei Standardwerke. 1949 ging sie nach New York, wo sie Japanologie an der Columbia University und Soziologie an der New School of Social Research studierte. Für ihre dortige Master-Arbeit The relations of foreign and native elements in the development of Japanese music – a case study, erhielt sie einen Preis. 1955 - sie wurde in diesem Jahr Guggenheim Fellow - bis 1972 unterrichtete sie an der Hochschule für Musik in Wien Cembalo. In Japan erhielt sie 1977 den hohen kaiserlich-japanischen Hausorden „Von der Heiligen Krone“. 1968 erhielt sie auch das Österreichische Verdienstkreuz für Wissenschaft und Kunst. Seit 1941 übersetzte Eta Harich-Schneider auch literarische Werke aus mehreren Sprachen ins Deutsche, vor allem aus dem Englischen (Shakespeares Sonette).

Ihre Tochter Lili Harich (1916-1960) war Sopranistin, ihre Tochter Susanne Kerckhoff (1918-1950) Schriftstellerin.

Werk

Harich-Schneider schrieb Bücher über die Technik des Cembalospiels und japanische Musik. Sie machte Aufnahmen sowohl von Barockmusik[1] und gab Aufnahmen fernöstlicher Musik heraus[2]. In ihrer Berliner Zeit hob sie das Spiel der „Alten Musik“ auf ein neues Niveau: „Man hätte den Laien wohl gern ihre Freude am anspruchslosen Musizieren der wiederentdeckten Musik früherer Jahrhunderte gelassen, aber sie drängten ihre versimpelnden Auffassungen mit geradezu religiösem Fanatismus den Berufsmusikern auf.“[3] Aber selbst an der Hochschule in Berlin war sie in den 1930er Jahren nur teilweise erfolgreich – letztlich wurde sie wegen interner Konflikte in Berlin abgedrängt. Nach dem Krieg war sie eine der führenden Autoritäten für japanische Musik, mit engen Kontakten zum japanischen Kaiserhaus.

Schriften

  • Die Kunst des Cembalo-Spiels, nach den vorhanden Quellen dargestellt und erläutert, 4. Auflage, Bärenreiter Verlag, Kassel, 1979 (zuerst 1939)
  • The harpsichord: an introduction to technique, style and the historical sources, 2. Auflage, Kassel, Bärenreiter, 1973
  • Charaktere und Katastrophen, Ullstein Verlag 1978 (Memoiren)
  • History of Japanese Music, Oxford University Press 1973
  • Musikalische Impressionen aus Japan 1941-1957, Iudicium Verlag 2006
  • Zärtliche Welt - Francois Couperin und seine Zeit, 1939
  • Übersetzerin und Herausgeberin von Tomás de Santa Maria Wie mit aller Vollkommenheit und Meisterschaft das Klavichord zu spielen sei (zuerst 1565), Leipzig, Kistner und Siegel, 1937, 2. Auflage 1986 (Anmut und Kunst beim Klavichordspiel, auch mit Übersetzung von Fray)
  • Shakespeare Sonette in deutscher Sprache von Eta Harich-Schneider, Pekinger Pappelinsel 1944
  • Die Sonette William Shakespeares und die Lyrik der "Rekusanten". Erlebnisse und Übersetzungen einer reisenden Musikerin: 1941-1982, hg. von Christa Jansohn, Berlin und Münster 2011, ISBN 978-3-643-10936-1
  • Martin Kubaczek: Meide alles, mache Musik und lerne Japanisch - Eta Harich-Schneiders Jahre im Tokioter Exil. In: Flucht und Rettung. Exil im japanischen Herrschaftsbereich 1933-1945, hg. von Thomas Pekar. Berlin 2011, ISBN 978-3863310448

Weblinks

Anmerkungen

  1. z.B. die Goldberg-Variationen von Bach 1973 bei Philips und die zwei- und dreistimmigen Inventionen BWV 772-786 und 787-801 bei der Archivproduktion der Deutschen Grammophon
  2. z.B. Buddhist Music, Shinto Music, Bärenreiter, Unesco Collection 1966
  3. Harich-Schneider „Charaktere und Katastrophen“, S.80. Sie fügt noch hinzu, dass beispielsweise Furtwängler durch dieses „unbescheidene Stilgezänk“ der Laien die Lust an Alter Musik verleidet worden sei.