Evangelisch-methodistische Kirche in Österreich

Evangelisch-methodistische Kirche in Wien-Fünfhaus

Die Evangelisch-methodistische Kirche in Österreich ist eine christliche Freikirche[1] in wesleyanischer Tradition. Ihre Anfänge reichen bis 1870 zurück. Mit ihren ungefähr 1500 Mitgliedern gehört sie zur weltweiten Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK).

Inhaltsverzeichnis

Anliegen

Auf ihrer Webseite formuliert die EmK in Österreich folgendermaßen: „Im Mittelpunkt unseres kirchlichen Lebens steht die Liebe Gottes, die in Jesus Christus zum Ausdruck kommt und allen Menschen gilt.“[2] Die methodistische Missionsarbeit war in Österreich durch ein großes soziales Engagement geprägt. Die Methodisten taufen Kleinkinder, zu Mitgliedern werden solche aber erst durch einen eigenständigen Beitritt. Es gibt, neben Pastoren, auch Pastorinnen.

In einer Vorstellungsbroschüre mit dem Titel In Gemeinschaft mit dem Heiligen Geist leben von 1982 legte die (damals noch so genannte) Methodistenkirche in Österreich ihr Verständnis des christlichen Glaubens dar. Dabei thematisierte sie auch den Vorgang der Bibelauslegung, indem sie - im Anschluss an die „Quadrilateral“ von John Wesley - "vier Kriterien“ nannte, die „bei der Auslegung der Heiligen Schrift" mitwirken,[3] nämlich die Bibel (d.h. das Mitbedenken anderer Bibelstellen, letztlich das aus dem bisherigen Bibellesen gewonnene dogmatische Bild), die Tradition (d.h. die bisherige Auslegung der Christenheit, wie sie sich etwa in Bibelkommentaren niederschlägt) und die (Lebens-)Erfahrung; das Mitwirken der Vernunft als Hilfsmittel beim "Verarbeiten" betrifft alle diese Faktoren.[4]

Zugehörigkeiten

Evangelisch-methodistische Kirche in Bregenz

Bei der letzten die Religionszugehörigkeit erfassenden Volkszählung 2001 gaben 1.263 Menschen (österreichische Staatsbürger plus in Österreich lebende Ausländer) an, Methodisten zu sein.[5] In Österreich gibt es 10 Methodistengemeinden: vier in Wien und jeweils eine in Bregenz, Graz, Linz, Ried im Innkreis, Salzburg und St. Pölten.

1951 wurde die Methodistenkirche in Österreich zur staatlich anerkannten Kirche.[6] Die Umbenennung zu Evangelisch-methodistische Kirche in Österreich erfolgte 2004.[7]

Bischof Patrick Streiff ist für Mittel- und Südeuropa zuständig; zu dieser Region gehören neben Österreich auch nordafrikanische Länder (Algerien, Tunesien), Frankreich, Schweiz und osteuropäische Länder: Polen, Tschechien, Slowakei, Ungarn, Kroatien, Serbien, Montenegro, Mazedonien, Albanien und Bulgarien. Die Delegierten einer solchen Region treten alle vier Jahre zu einer beschlussfassenden Generalkonferenz zusammen, die vom Bischof geleitet wird. Der österreichische Distrikt tritt zu einer jährlichen Konferenz zusammen, geleitet vom Superintendenten (derzeit Pastor Lothar Pöll in Wien).[8]

Bis ungefähr 1970 engagierten sich Methodisten stark in der Evangelischen Allianz; in dessen Vorstand wirkte Superintendent Hinrich Bargmann lange Zeit mit, während des Zweiten Weltkrieges als ihr Vorsitzender.[9] Seit ungefähr 1970 (dem Jahr, in dem die Römisch-katholische Kirche in Österreich „Beobachter“ im Ökumenischen Rat der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) wurde) trat für die Methodisten die Zusammenarbeit im Rahmen des ÖRKÖ in den Vordergrund. Mittlerweile besteht mit der Evangelischen Kirche A.B. und H.B. Kirchengemeinschaft: Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft, gemeinsamer Religionsunterricht.

Geschichte

Die österreichische Methodistenkirche war eine Gründung der britischen Wesleyanischen Kirche. Im Januar 1870 schickten die süddeutschen Methodisten einen Laienprediger nach Wien: Christian Dieterle. Damals gab es in Wien bereits eine Baptistengemeinde. Als nicht staatlich anerkannte Religionsgemeinschaften wurden beide Freikirchen am Ende der Habsburgermonarchie wiederholt behördlich unterdrückt. Für die methodistische Missionsarbeit war der jeweilige vollzeitige Prediger wesentlich. 1876 folgte Christoph Beutenmüller auf Dieterle. Danach folgte 1880 Johann Rück und 1888 Friedrich Rösch. Rösch bekam Kontakt mit Baronin Amelie von Langenau, die sich den Methodisten anschloss und in den 1890er Jahren sehr wichtig war, auch durch ihr Vermögen. Sie unterstützte das Zustandekommen der Vereinigung zwischen den wesleyanischen Gemeinden und der Bischöflichen Methodistischen Kirche im Jahre 1897, auch finanziell.

Ab 1911 wirkte F.H.O. Melle in Wien; später hatte er in Deutschland wichtige Funktionen (Direktor des theologischen Seminars, dann Bischof). Die Allianzgebetswoche des Kriegsjahres 1917 blieb ihm besonders in Erinnerung.[10]

Durch ein starkes Mitgliederwachstum nach 1900 entstanden mehrere Methodistengemeinden in Wien. Auffällig ist die damalige große Zahl von Methodistenpredigern: Bei den Sitzungen der Evangelischen Allianz in Wien werden in den 1920er Jahren ungefähr zehn Methodistenprediger sowie einige Diakonissen genannt.[11]

Siehe auch

Literatur

  • Paul Ernst Hammer: Baronin Amelie von Langenau [1830-1902]. Methodistenkirche in Österreich (Selbstverlag), Wien 2001.
  • Helmut Nausner: Die Methodistenkirche in Österreich bis zum Jahre 1920. In: Mitteilungen der Studiengemeinschaft für Geschichte der Evangelisch-methodistischen Kirche, Neue Folge, Jg.20 (1999) H.1, S.3-21.
  • Helmut Nausner: Die Bischöflich Methodistenkirche in Österreich und der Nationalsozialismus. Eine kritische und würdigende Bestandsaufnahme der Jahre 1933 bis 1945 anhand von Briefen, Protokollen, Berichten und Artikeln in eigenkirchlichen Zeitschriften. In: Jahrbuch für die Geschichte des Protestantismus in Österreich 124/125 (2008/09) S.246-269.
  • Manfred Pöll: Milchkaffee mit Haut. Erinnerungen, Aufsätze, Zeugnisse [Erinnerungen aus der Nachkriegszeit]. Methodistenkirche in Österreich, Wien 1996.
  • Franz Graf-Stuhlhofer: Freikirchen in Österreich seit 1846. Zur Quellenlage und zu Methodenfragen. In: Jahrbuch für die Geschichte des Protestantismus in Österreich 124/125 (2008/09) 270-302.

Weblink

 Commons: Kirchengebäude der Evangelisch-methodistischen Kirche in Österreich – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten

  1. Zur Einordnung der Methodisten siehe Hans Schwarz: Art. Freikirche, in: Theologische Realenzyklopädie XI (1983) S. 550-563, insb. 554, 558. - Das Jahrbuch Freikirchenforschung bezieht die Methodisten bei den vergleichenden Untersuchungen sowie in der Bibliographie mit ein.
  2. http://www.emk.at (abgerufen am 2. Juli 2012).
  3. In Gemeinschaft mit dem Heiligen Geist leben, Wien 1982, S. 25f.
  4. So erläutert von Franz Graf-Stuhlhofer im Vorwort: Warum Christen verschiedener Meinung sind, zu Peter Streitenberger: Die fünf Punkte des Calvinismus aus biblischer Perspektive. VTR, Nürnberg 2011, S. 7-10. Dort wird als weiteres Kriterium die psychische Veranlagung (z.B. Neigung zur Ängstlichkeit) des Bibellesers genannt.
  5. Statistik Austria: Volkszählung 2001.
  6. Die österreichische staatliche Rechtsquelle: BGBl. Nr. 74/1951 i.d.F. BGBl. II Nr. 190/2004.
  7. Livenet (Christliches Webportal), News.
  8. Frank Hinkelmann: Konfessionskunde. Handbuch der Kirchen, Freikirchen und christlichen Gemeinschaften in Österreich. OM Books, o.O. 2009, S. 107-110.
  9. Franz Graf-Stuhlhofer (Hg.): Evangelische Allianz in Wien von der Ersten Republik bis zur NS-Zeit (1920-45). Edition der Sitzungsprotokolle und Programme (Studien zur Geschichte christlicher Bewegungen reformatorischer Tradition in Österreich, 2), VKW: Bonn 2010.
  10. Klaus Schneider (Hrsg.): Fußspuren Gottes in meinem Leben [Autobiographie von Melle]. Selbstverlag, 2005, S.229-235.
  11. Graf-Stuhlhofer: Evangelische Allianz, Register.