Evangelisches Diakoniewerk Gallneukirchen

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Mutterhaus Bethanien

Das Evangelische Diakoniewerk Gallneukirchen ist das älteste und größte Diakoniewerk in Österreich. Das Mutterhaus Bethanien liegt in der oberösterreichischen Kleinstadt Gallneukirchen, rund 14 Kilometer nordöstlich der Landeshauptstadt Linz. In den zahlreichen Tätigkeitsfeldern sind über 2700 Menschen beschäftigt, die in fünf österreichischen Bundesländern wirken. Das Diakoniewerk ist ständiges Mitglied des Diakonischen Rates der Diakonie Österreich.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die Ursprünge reichen in die Zeit 1806 bis 1815 zurück, als der katholische Pfarrer Martin Boos in Gallneukirchen wirkte. Auf Grund seiner Predigten wendete sich eine Teil der Gläubigen vom katholischen Glauben ab, die so genannten Boosianer, aus denen später die evangelische Pfarrgemeinde (1846 als Teil der evangelischen Gemeinde von Thening, ab 1870 eigenständig) hervorging. Um 1864 erfuhr der Pfarrer Ludwig Schwarz von den Schriften Martin Boos und von Boosianern. Er ließ sich von Görz nach Gallneukirchen versetzen und wurde der erste Pfarrer der neu gegründeten evangelische Pfarre. 1874 gründete er mit der evangelischen Pfarrgemeinde den Verein für Innere Mission. Um geeignete Fachkräfte für die Hilfe und Pflege von hilfsbedürftigen Menschen zu bekommen griff der Verein auf die Tradition der Diakonissen zurück. Somit erfolgte im Jahr 1877 die Gründung des Diakonissen-Mutterhauses Bethanien mit zwei Diakonissen, Elise Lehner aus Kirchberg-Thening und Elisabeth Obermeir aus Leonding. Ludwig Schwarz hielt engen Kontakt zu seinem Bruder Ernst Schwarz, der nur kurze Zeit später das evangelische Diakoniewerk Waiern in Kärnten gründete.

Bereits 1878 wurde ein provisorisches Krankenasyl und die Hauskrankenpflege in Gallneukirchen eingerichtet. 1881 erfolgte die erste Eröffnung außerhalb des Orts, ein Waisenhaus in Weikersdorf. Elisabeth Obermeir wurde 1891 zum Aufbau eines neuen Mutterhauses in Bratislava entsandt. 1906 wurde das heutige Diakonissen-Krankenhaus in Linz, 1907 ein Hospiz in Bad Gastein eröffnet. Die Diakonissen hatten regen Zulauf, daher erfolgte 1909 die Einweihung des neuen und vergrößerten Mutterhauses in Gallneukirchen. Bereits 1921 waren rund 150 Schwestern beim Diakoniewerk tätig.

1918 erfolgte die Eröffnung eines Altersheims in Wels und 1935 die Eröffnung des Diakonissen-Krankenhauses in Salzburg (ehemaliges Sanatorium Schwarzbach). 1941 mussten 64 Menschen mit Behinderung nach Schloss Hartheim überstellt werden, wo sie in der NS-Tötungsanstalt ermordet wurden. Im Jahr 1946 kamen wieder Diakonissen vom Mutterhaus in Bratislava zurück, da dieses von den Kommunisten beschlagnahmt wurde.[1] Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte das Lazarett in Schladming erworben und zu einem Krankenhaus umgebaut werden. 1961 eröffnete das Altersheim in Graz. In der 1960er und 1970er Jahren wurden zahlreiche weitere Gebäude renoviert oder neu errichtet.

1976 wurde die Tätigkeit des Diakoniewerkes ausgedehnt, eine Fachschule für Sozialberufe/Behindertenarbeit entstand in Gallneukirchen, die 1992 um eine Fachschule für Altendienste und Pflegehilfe ergänzt wurde. 1988 wurde in Braunau eine Wohngemeinschaft eröffnet. 2002 folgte ein Wohnhaus in Ried in der Riedmark und ein Wohnhaus in Wien. 2005 wurde in Graz die zweite Fachschule für Altendienste und Pflegehilfe der Diakonissen errichtet. Seit 2005 laufen mehrere Wohn- und Arbeitsprojekte in ganz Oberösterreich. 2006 kamen Standorte in Bad Leonfelden und Kitzbühel hinzu.

Mutterhaus Bethanien

Eingangstor

Das zwischen 1905 und 1909 erbaute Mutterhaus Bethanien steht in einer weitläufigen Parkanlage am westlichen Rand des Ortszentrums, nahe der Großen Gusen. Es ist ein denkmalgeschützter, monumentaler, breit gelagerter Bau mit einer späthistorischen Fassade. Nahe Bethanien steht die denkmalgeschützte evangelische Christuskirche aus dem Jahr 1905. An der Hauptstraße, am Rande der Parkanlage befindet sich der denkmalgeschützt evangelische Pfarrhof, ein ehemaliges Starhembergisches Pflegschaftsgerichtsgebäude, das 1872 gekauft und umgebaut wurde. Das Rektorat und ein Behindertenheim stehen in unmittelbarer Nähe zum Mutterhaus, diese beiden Häuser wurden zwischen 1887 und 1891 erworben.

Arbeitsfelder und Betreuungsplätze

Das Diakoniewerk Gallneukirchen ist in neun Arbeitsfelder mit 2752 Beschäftigten gegliedert. Die meisten Mitarbeiter (998) waren in den Wohn- und Arbeitsprojekten mit Behinderten beschäftigt, 864 Mitarbeiter standen in den Krankenhäusern zur Verfügung. In folgenden Arbeitsfeldern sind die Mitarbeiter tätig:

  • Menschen mit Behinderung (998 Mitarbeiter)
  • Menschen im Alter (328)
  • Diakonissen-Krankenhäuser (864, davon 265 Ärzte)
  • Kinder und Jugendliche (61)
  • Schule und Ausbildung (48)
  • Grundlagenarbeit, Management und Verwaltung (209)
  • Therapie und Beratung (101)
  • Flüchtlingshilfe (8)
  • Sonstiges - Gästehäuser und Versorgungsbetriebe (135)

Das Diakoniewerk verfügte österreichweit im Jahr 2007 über 583 Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung und 446 Wohnplätze für diese Menschen. In der Altenhilfe stehen 393 Plätze zur Verfügung. Die drei Krankenhäuser verfügen über 297 Betten und leisteten 92.912 ambulante Behandlungstage.

Die Schulen des Diakoniewerks haben in Summe 620 Ausbildungsplätze und rund 300 Schüler schließen jährlich ab. In den Gäste- und Kurhäusern stehen 199 Betten zu Verfügung, in denen 2007 über 25.000 Mal genächtigt wurde.

Zusätzlich verfügt das Diakoniewerk über 109 Kindergarten-Plätze, 70 Plätze für Flüchtlingshilfe sowie 177 Plätze in Studentenheimen.

Die Erträge lt. Gewinn und Verlustrechnung betrugen im Jahr 2007 106,3 Mio €, die Aufwendungen betrugen 108,2 Mio €. Die Bilanzsumme belief sich auf rund 200 Mio. €.

Niederlassungen

Die meisten Niederlassungen befinden sich in Oberösterreich, außerdem ist das Diakoniewerk in den Bundesländern Salzburg, Steiermark, Tirol und Wien tätig. In den folgenden Orten sind Mitarbeiter des Diakoniewerkes tätig:[2]

Oberösterreich

Diakonissenkrankenhaus Linz

Wien

Steiermark

Salzburg

Tirol

International

Siehe auch

Literatur

  • Diakoniewerk - Jahresbericht 2007 (pdf)
  • 125 Jahre Diakoniewerk - Nächstenliebe in unserer Zeit, Gallneukirchen 1999

Einzelnachweise

  1. Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte abgerufen am 16. Juni 2009
  2. Diakoniewerk: Standorte, (Abgerufen am 13. Juni 2009)

Weblinks

Internetseite des Diakoniewerks

48.35277777777814.414444444444Koordinaten: 48° 21′ 10″ N, 14° 24′ 52″ O