Falk Wagner

Falk Wagner (* 25. Februar 1939 in Wien; † 18. November 1998 in Wien) war evangelischer systematischer Theologe.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Aufgewachsen in Hessen (Deutschland) studierte Wagner zunächst Philosophie und Soziologie in Frankfurt/M. (u.a. bei Theodor W. Adorno, Bruno Liebrucks, Jürgen Habermas und Wolfgang Cramer) und später auch evangelische Theologie in Mainz (1961-1964). Seine Lehrer waren dort u.a. Herbert Braun, Gert Otto, Wolfhart Pannenberg und Hans Walter Wolff. 1969 promovierte er bei Wolfhart Pannenberg zum Dr. theol. mit einer Arbeit über den Gedanken der Persönlichkeit Gottes bei Fichte und Hegel. Seine Habilitationsschrift widmete sich Schleiermachers Dialektik, anschließend wurde er Privatdozent, Wissenschaftlicher Rat und Professor für Systematische Theologie sowie Dekan an der Münchner Evangelisch-theologischen Fakultät (1972-1988). 1988 Berufung zum Professor für Systematische Theologie A.B. an die Evangelisch-Theologische Fakultät der Universität Wien, wo er bis zu seinem Tod 1998 lehrte.

Theologie

Bei Theodor W. Adorno, den Exegeten H.W. Wolff und H. Braun sowie dem Systematiker W. Pannenberg lernte er schnell, seinen kritischen Eifer in eine eigene theologische Position mit Hilfe der „Anstrengung des Begriffs“ umzusetzen. Wagner bemühte sich in seiner frühen Zeit vor allem im Gefolge Hegels um die Darstellung der „Aufhebung der religiösen Vorstellung in den philosophischen Begriff“ (1976), und versuchte, den „Geist neuzeitlicher Subjektivität“ in die theologische Diskussion als möglichen „Realisator oder Konkurrent[en] der christlichen Freiheit“ einzubringen (1985). Nach dem engagierten Bestreben, als bewusst spekulativer Theologe „[z]ur vernünftigen Begründung und Mitteilbarkeit des Glaubens“ vorzudringen, musste er je länger desto mehr von dem Programm einer Theologie als Verbindung einer „Theorie des Absoluten“ und „de[s] christlichen Gottesgedanke[ns]“ zurücktreten. Die „Revolutionierung des Gottesgedankens“ (1995) im christlichen Kontext scheiterte an dem von Wagner konstatierten „Untergang des Individuums“ (1990). Die tiefe Krise der Theologie in der Moderne, deren normativer Anspruch durch den Pluralismus nachhaltig in Frage gestellt werde, leitete Wagner zu ausgedehnten Studien vor allem auch von religionssoziologischen Ansätzen (Niklas Luhmann, Günter Dux). Damit war er Gesprächspartner vor allem in der Philosophie und Soziologie, die Anschlussfähigkeit innerhalb der Theologie blieb hingegen schwierig. Sein großer wissenschaftlicher Entwurf war umfassend ausgelegt, sodass er die klassischen Fragen christlicher Dogmatik (Gotteslehre, Schöpfung, Christologie, Pneumatologie, Fundamentaltheologie) ebenso ausführlich diskutierte, sondern auch wichtige ethische (Bioethik, Frieden, Wirtschaft, Dialog der Religionen) und theologiegeschichtliche Themen (vor allem zur protestantischen Theologie des 19. und 20. Jahrhunderts) aufgriff.

Werke

  • Der Gedanke der Persönlichkeit Gottes bei Fichte und Hegel, Gütersloh 1971.
  • Schleiermachers Dialektik. Eine kritische Interpretation, Gütersloh 1974.
  • Geld oder Gott? Zur Geldbestimmtheit der kulturellen und religiösen Lebenswelt, Stuttgart 1985.
  • Was ist Religion? Studien zu ihrem Begriff und Thema in Geschichte und Gegenwart, Gütersloh 1986, 1991 (2. Aufl.).
  • Was ist Theologie? Studien zu ihrem Begriff und Thema in der Neuzeit, Gütersloh 1989.
  • Zur gegenwärtigen Lage des Protestantismus, Gütersloh 1995.
  • Religion und Gottesgedanke, Frankfurt a. M. 1996 (Beiträge zur rationalen Theologie Bd. VII).
  • Metamorphosen des modernen Protestantismus, Tübingen 1999.
  • Vorlesung über Christologie (Wintersemester 1989/ 90 in Wien), in: Zwischen historischem Jesus und dogmatischem Christus, hg. v. Chr. Danz und M. Murrmann-Kahl, Tübingen 2010, S. 309-401. (Dogmatik in der Moderne Bd. 1)

Literatur

  • Selbstzeugnis: Falk Wagner, in: Systematische Theologie der Gegenwart in Selbstdarstellungen (hrsg. v. Ch. Henning/K.Lehmkühler), Tübingen 1998, 276-299.
  • Religion als Thema der Theologie. Geschichte, Standpunkte und Perspektiven theologischer Religionskritik und Religionsbegründung (hrsg. v. W. Gräb), München 1999.
  • M. Murrmann-Kahl, Nachruf auf Falk Wagner (1939-1998), in: Theologische Literaturzeitung 124, 1999, 244-246.
  • M. Berger/M. Murrmann-Kahl (Hrsg.), Transformationsprozesse des Protestantismus. Zur Selbstreflexion einer christlichen Konfession an der Jahrtausendwende, Gütersloh 1999.
  • U. Barth, Von der spekulativen Theologie zum soziologischen Religionsbegriff. Versuch einer Annäherung an das Denken Falk Wagners, in: Wiener Jahrbuch für Theologie 3, 2000, 233-268.
  • G. Wenz, Ansprache anläßlich des Trauergottesdienstes zum Tode von Dr. Falk Wagner, in: Wiener Jahrbuch für Theologie 3, 2000, 269-275.
  • J. Dierken, Zur Theologiegeschichte des 19. und frühen 20. Jahrhunderts / I, Theologische Rundschau 66, 2001, 194-239.
  • Chronologische Bibliographie Falk Wagner (1939-1998), erstellt von Michael Murrmann-Kahl, in: Christian Danz / Jörg Dierken / Michael Murrmann-Kahl (Hg.), Religion zwischen Rechtfertigung und Kritik, Frankfurt a. M. 2005, S. 203-223. (Beiträge zur rationalen Theologie Bd. 15).
  • M. Murrmann-Kahl, Christologische Komplexität - Überlegungen im Anschluß an Falk Wagners Konzeptionen, in: Zwischen historischem Jesus und dogmatischem Christus, a. a. O., S. 159-187.(Do Mo 1)
  • Matthias Geist: WAGNER, Falk. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 22, Bautz, Nordhausen 2003, ISBN 3-88309-133-2, Sp. 1490–1496.