Felix Somary

Felix Somary (* 21. November 1881 in Wien; † 11. Juli 1956 in Zürich) war österreichisch-schweizerischer Bankier, Nationalökonom und politischer Analytiker.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Nach dem Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Wien, gemeinsam mit Emil Lederer, Josef Schumpeter und Otto Bauer, trat Somary als Finanzsekretär in die Anglo-Österreichische Bank in Wien ein, übersiedelte aber 1909 nach Berlin. Von 1910 bis 1914 war er Professor an der dortigen Hochschule für Staatswissenschaftliche Fortbildung.[1] Während des Ersten Weltkriegs war Somary als Wirtschafts- und Politikberater der Mittelmächte tätig. Er trat unter anderem als Mitautor einer Max Weber'schen Denkschrift hervor, die vor den politischen Konsequenzen eines verschärften U-Boot-Kriegs warnte. Zu Kriegsende übernahm Somary vertrauliche Aufgaben wie den Transfer von Effekten des Wiener Rothschildhauses in die neutrale Schweiz. 1919 übernahm er die Leitung des Bankhauses Blankart & Co. in Zürich.

Somary, ein strenger Inflationsgegner und überzeugter (antikeynesianischer) Liberaler galt als einer der profundesten Analytiker der politischen und ökonomischen Entwicklungen seiner Zeit und war über die Parteigrenzen hinaus angesehen. Unter anderem analysierte er die Ursachen der Weltwirtschaftskrise, vor deren Kommen er frühzeitig gewarnt hatte. In einem Vortrag an der Universität Wien hatte Somary auf die Gefahren einer europäischen Konjunktur hingewiesen, die auf kurzfristigen amerikanischen Krediten aufgebaut wäre. [2] Somary wirkte als Gastprofessor an der Universität Heidelberg sowie an amerikanischen Universitäten. Von 1941 bis 1943 war er Berater des amerikanischen Kriegsministeriums für internationale Finanzfragen. Carl Jacob Burckhardt hat Felix Somary als „politischen Krisenspezialisten“ bezeichnet. Somarys Bankpolitik gilt bis heute als Standardwerk und wurde von Schumpeter in seiner Geschichte der ökonomischen Analyse [3] lobend hervorgehoben.

Publikationen

  • Bankpolitik. Tübingen 1915 (Neuausgaben 1930, 1934)
  • Gem. mit Eugen von Philippovich: Grundriss der politischen Ökonomie. 3 Bände, Tübingen 1920–23
  • Die Ursachen der Krise. Tübingen 1932
  • End the Crisis! A Plea for Action. New York 1933
  • Krise und Zukunft der Demokratie. Wien 1971 (Neuausgaben 1984, 2010)
  • Erinnerungen eines politischen Meteorologen. Berlin, erweiterte Auflage 1994 (Hrsg. von Wolfgang Somary)

Literatur

  • Andrea Weibel: Somary, Felix im Historischen Lexikon der Schweiz
  • Carl Jacob Burckhardt: Bildnisse. Frankfurt am Main : Fischer, 1958, S. 256 - 267
  • Alexander Mionskowski: Clio's Anticipator, the Silent Networker and "the Specialist for War and Crises": Felix Somary: An Unknown Quantity. In: Suchoples, Jaroslaw/Turton, Katy (Eds.): Forgotten by History. New Research on Twentieth Century Europe and America. Berlin : LIT, 2009, S. 35 - 52

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Vgl- Lebenslauf, Akten der Reichskanzlei der Weimarer Republik (Weblink)
  2. Vgl. Gerard Schultz: Von Brüning zu Hitler. Zwischen Demokratie und Diktatur.Walter de Gruyter, Berlin 1987, S 390
  3. Vgl.a.a.O.,Band II, S. 1348