Ferdinand Amelin

Kaisersteinbruch, Blick auf die Steinbrüche 1900

Ferdinand Amelin (auch Amerling, * 1868 in Kaisersteinbruch, Westungarn, heute Burgenland; † 1947 in Wien) führte mit seinem Bruder Josef die österreichisch-ungarische Steinbruch- und Steinmetz-Firma Amelin.

In den Matriken der Pfarre Schottenfeld im Wiener Gemeindebezirk Neubau ist der Name Amerling eingetragen, eine Verwandtschaft mit dem Maler Friedrich von Amerling ist als gesichert zu betrachten.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Ferdinand wurde als Sohn des Steinmetzmeisters Joseph Amelin und der Anna Krukenfellner, Tochter des Steinmetzmeisters Ferdinand Krukenfellner, geboren. Sein Vater Joseph Amelin amtierte in den Jahre 1873-1890 als Richter. Der Großvater, Steinmetzmeister Johann Amerling kam aus Wien, Schottenfeld, hatte sich 1830 in Kaisersteinbruch verheiratet und wurde der Begründer einer bedeutenden Steinmetzfamilie am Leithagebirge.

Hausbruch, als „Amelin-Bruch“ bezeichnet, Nordwand, mit härtestem Kaiserstein. Zur besseren Einschätzung der Dimensionen – in der Mitte stehen zwei Personen[1]
Hofoper um 1898

Steinbrüche der Familie Amelin

Die Brüder Josef und Ferdinand Amelin führten den Steinmetzbetrieb gemeinsam, wobei sich Josef mehr um die Brüche und das Personal kümmerte, während Ferdinand die Geschäfte und das Finanzielle erledigte. Sie pachteten den Hausbruch, Nord- und Südwand auf die Brüder aufgeteilt, den Blauen- (Schotter-) und Weißen Bruch, sowie den Kapellenbruch. Gustav Scharmer (1897-1991) berichtet aus seiner Kindheit:[2] Als Bub habe ich selbst gesehen, wie im Kapellenbruch der Firma Amelin 5 Meter tiefe Löcher in den Fels gebohrt wurden, Herr Amelin hat die Sprengung eingeleitet und ein hausgroßer Block hat sich gelöst. Wie die Ameisen sind von allen Seiten die „Ritzer“ gekommen und haben auf genau festgelegten Bahnen Rillen gehämmert. Das ging den ganzen Tag. Dann wurden Stahlplatten als Keile angesetzt und der Block in die gewünschten Teile zerlegt. Auch die weitere Vorarbeit erfolgte durch die Ritzer, erst die Fertigstellung durch die Steinmetzen.

Steintransport, eine überlieferte Episode

Auf einem Platz vor dem Bruch wurden die Blöcke gelagert und mit Pferdefuhrwerken, gezogen von 6-8 Pferden nach Wien gebracht, bei der Heimfahrt (leer) blieben die Kutscher meist in Schwechat bei einem Wirtshaus stehen. Es kam vor, dass die Kutscher zu lang sitzen blieben und die Pferde nach Kaisersteinbruch alleine fuhren und vor dem Haus stehen blieben. Da war es natürlich schon Nacht.

Großvater, der wegen seiner Gicht wenig Schlaf fand, hörte das Fuhrwerk ankommen und wartete, dass die Kutscher die Pferde ausspannen und in den Stall bringen. Nach längerer Zeit vernahm er die Pferde immer noch scharren und schnaufen. Er weckte dann einen anderen Kutscher, der nachsehen sollte, was los sei. Der in Schwechat „verschollene“ Kutscher durfte dann für die Firma Amelin nicht mehr fahren.

Heirat

Ferdinand Amelin, Steinmetzmeister und Hausbesitzer im Steinbruch, heiratete am 10. Juli 1892 Anna Dietrich, Tochter des aus Měšice in Böhmen zugewanderten Anton Dietrich, herrschaftlicher Jäger zu Königshof und der Elisabeth, geborene Koch.

Das Stift kündigt die Steinbrüche 3. Oktober 1910

In einem Schreiben an die Kanzlei des Stiftes Heiligenkreuz beklagen die Brüder Amelin als eine langjährige Pächterfamilie, welche sich in keiner Weise etwas zu schulden kommen ließ, auch den Pacht immer bezahlt hat, ganz einfach gekündigt zu werden. Dass diese Kündigung mit den Gepflogenheiten in derartigen Fällen nicht im Einklang steht, und daher nicht akzeptiert werden kann. Die Familie Amelin arbeitete hier an diesem Ort seit 62 Jahren, und kann infolge dessen verschiedene Baulichkeiten nicht innerhalb der vorgegebenen Frist bis 1. Jänner 1912 entfernen.

All diese Bedingungen hatte der Verwalter der Herrschaft Königshof, Pater Rudolf Rath, als Vertreter des Abtes gestellt. Schriftliche Dokumente vor allem dieses Verwalters zeigen die starke Entfremdung der Herrschaft Königshof und seiner Besitzung Steinbruch, nur sehr widerwillig „Kaiser-Steinbruch“ bezeichnet, auf. Das führte zum „Verkauf über Nacht“ ans k.k. Militärärar.

Kaisersteinbrucher Steinmetzhandwerk

Als Nachfolger des Steinmetzmeisters Ferdinand Krukenfellner wurde er 1913 Richter, 1921/22 übernahm sein Bruder Josef. Seine Mitmeister in diesen Jahren waren Josef Amelin, Alexander Krukenfellner, Eduard Richter, Carl Teuschl, Carl Winkler, Franz Winkler.

Audienz beim k.u.k.Kriegsminister am 13. Feber 1913

Die Gemeinderepräsentanz nimmt die günstige Zusage des k.u.k.Kriegsministers Alexander von Krobatin mit Dankbarkeit zur Kenntnis und beschließt einstimmig, dass die Gemeinde den offerierten Grundstücks-Komplex in Pacht nimmt und mit ähnlichem Preis und Bedingungen an die Ortsinsassen in Subpacht weitergibt... Ortsrichter Ferdinand Amelin.

Leithasand- und Schottergewinnung

Vertragsabschluss am 23. Feber 1913 der Gemeinde Czászárköbánya mit der k.u.k.Heeresverwaltung, die zwecks Vermehrung und Erhöhung der Gemeindeeinkünfte die Sand- und Schottergewinnung aus dem neuen Leithakanal in Pacht nimmt. Richter Ferdinand Amelin.

Bau eines Kriegsgefangenenlagers in Kaisersteinbruch 1916

Höchste militärische Sachverständige kamen zu dem Entschluss, ein Lager ganz bei der Ortschaft Kaisersteinbruch zu errichten.[3] Mit der Erbauung wurde die Wiener Baufirma Janisch&Schnell beauftragt. An das untere Ortsende an der linken Straßenseite stellte man acht Holzbaracken, die zur Unterbringung von 2.000 bis 3.000 Kriegsgefangenen dienten. Diese Kriegegefangenen wurden zur Schottererzeugung im Blauen Bruch, dann zur Gewinnung von Unterbausteinen im Kavernenbruch, zur Betonschottergewinnung aus der Leitha, sowie zur Mitarbeit beim eigentlichen Barackenbau eingesetzt.

Enteignung der Grundstücke

Ein weiteres Lager, das „Lager I“, wurde anschließend am unteren Dorfende auf der rechten Straßenseite erbaut, bestehend aus 30 Baracken Mannschaftslager und 16 Baracken Offizierslager. Die Gemeinde wollte auf das ihr zustehende Wasserrecht nicht verzichten, und die Besitzer der „Edelgarten-Grundstücke“ wollten diese ebenfalls nicht abtreten. Auch als das Militärärar die Evakuierung der ganzen Gemeinde androhte, blieben die Grundbesitzer bei ihrem „Nein“ stehen, sodass schließlich die Grundstücke enteignet wurden.

Standrecht über Kaisersteinbruch

Josef Wolf berichtete in „Heldenkampf für Burgenland“ und „Standrecht über Kaisersteinbruch“[4] Im Friedensvertrag von Saint Germain wurde der Streifen Deutsch-Westungarn Österreich zugesprochen. Der Anführer der Freischärler, Kommandant Ivan Héjjas, besetzte Kaisersteinbruch, es kam zu Kampfhandlungen, Héjjas verhängte das Standrecht.

Schadenersatzanspruch 1921

Über die durch die ungarischen Freischärler verursachten Schäden vom 14. Oktober bis 4. November 1921 bei Ferdinand Amelin. Zwangsweise Abnahme und Verschleppung durch die Freischärler von Waffen, zwangsweise Requirierung von Lebensmitteln, wie Milch, Weizenmehl, Brot, von angegebenen Fuhren und Ernteausfall durch verspäteten Anbau. Gesamthöhe 10.522.000 ö.Kr.

Memorandum vom 25. Jänner 1923

Wir bitten durch eine Kommission diese jämmerliche Gemeinde besichtigen zu lassen, um sich von der Richtigkeit der folgenden Angaben überzeugen zu können (auszugsweise), .. Im Jahre 1912 verkaufte das Stift Heiligenkreuz den ganzen Besitz an das Militärärar. Nach dem Umsturz im Jahre 1918 übernahm vorübergehend die königlich-ungarische Staatsbahn die Führung des Gutes. Das Ministerium für Heerwesen übernahm 1921 das Gut. Anfangs wurde von uns nur Mögliches und Erfüllbares verlangt, mit einem Schlage forderte die Heeresverwaltung das 37.000-fache des 1913 vorgeschriebenen Pachtzinses. Da die Gemeinde, also die bodenständigen Inwohner, bei den auf sechs Jahre pachtweise überlassenen Feldern kein Kündigungsrecht besitzen, sind sie mit dem Vertrag gerade so rechtlos, wie ohne denselben. Das Dürrholz sammeln, sowie der Waldgang zum Laubstreu sammeln für ihr Vieh, wurde den ärmeren Bewohnern gänzlich eingestellt...

Trotz des gegenwärtigen vollständigen Stillstandes der Bautätigkeit, fast sämtliche Steinbrüche sind außer Betrieb, fordert die Heeresverwaltung von den Pächtern , welche schon als dritte Generation bei den jeweiligen Gutsherren als Steinbruchpächter ihr Fortkommen fanden, gegenwärtig einen unerschwinglich hohen Pachtzins. Der Bruch wird gekündigt, oder das 43.000-fache des früheren Bruchpachtes wird bezahlt. Unter solchen Umständen ist jede Existenzmöglichkeit ausgeschlossen, hier wird eine bodenständige burgenländische Gemeinde um ihre Existenz gebracht... Dabei war es nicht wenig, was wir durch die Anwesenheit der ungarischen Freischärler zu erdulden hatten... Mit Bleistift geschrieben von Ferdinand Amelin.

Mit dem Auto nach Kaisersteinbruch 1926

Gruß aus Kaisersteinbruch

Man darf nicht vergessen, dass den Burgenländer Pferden das Kraftfahrzeug noch so gut wie unbekannt ist, sie also vor dem Auto oder dem Motorrad mächtig zu scheuen beginnen, eine meist auch für den Automobilisten oder Motorradler nicht ungefährliche Erscheinung.[5]

Eine erstklassig erhaltene Straße führt von der Favoritenstraße in Wien bis nach Himberg. Anfangs mit sehr gutem Granitpflaster belegt, ist sie danach sogar betoniert, um dann in eine Makadamstraße niederträchtigster Qualität auszuarten. Das Stück bis Grammat-Neusiedl ist ziemlich schlecht, ebenso wie die weitere Fortsetzung nach dem malerischen Reisenberg, dann aber wird die Straße merklich besser, bis nach Mannersdorf von wo aus eine verhältnismäßig gute Straße über Sommerein nach Kaisersteinbruch, einem uralten, architektonisch durch seine schönen Steinbauten auffallenden Dorfe führt.

Kaisersteinbruch kann es ruhig mit den berühmt schönen Dörfern der Wachau an traulicher, malerischer Versunkenheit aufnehmen. Freilich hat sich da seit dem Anschluss an Österreich schon vieles geändert; schon sind die meisten der Strohdächer verschwunden und haben dem billigen, dauerhaften, aber so nüchternen Eternitschiefer Platz machen zu müssen. Interessant sind die doppeltürmige Kirche und die gewaltigen Steinbrüche hinter der Ortschaft.

Kaisersteinbruch von einer anderen Seite, etwa über die Brucker Reichsstraße und über Trautmannsdorf oder Wilfleinsdorf erreichen zu wollen, ist wegen der niederträchtig schlechten Beschaffenheit dieser Straßen nicht anzuraten. Von Kaisersteinbruch führt eine während des Krieges von Gefangenen gebaute, in keiner Karte verzeichnete Straße über das Leithagebirge nach der längs des Westufers des Neusiedler Sees ziehenden Reichsstraße, die zwar schön und breit angelegt, aber von einer geradezu unglaublichen Oberflächenbeschaffenheit ist. Nur langsam und mit größter Vorsicht kommt man weiter. Diese schlechte Straße ist schuld daran, dass das so malerische Purbach mit dem Kraftwagen fast nicht zu erreichen ist. Man hat genug, wenn man bis Breitenbrunn gekommen ist.

Anhaltelager 1934

Anhaltelager Kaisersteinbruch

1934 zogen gefangene Sozialisten in die Baracken ein, das Lager wurde einer der Schandflecke des Austrofaschismus, die keine demokratische Beteuerung mehr wegwaschen kann. [6] Damals lernten die burgenländischen Sozialisten den kleinen Ort Kaisersteinbruch kennen.

Einzelnachweise

  1. Franz Schaffer: Geologischer Führer für Exkursionen im Inneralpinen Wiener Becken, II. Teil, Berlin 1908.
  2. Zeitzeuge Gustav Scharmer berichtet 1990 für die „Chronik“: Helmuth Furch (Hg.): 400 Jahre Kaisersteinbruch, 1590-1990, auszugsweise
  3. Josef Wolf: Die Geschichte der Gemeinde Kaisersteinbruch. Sonderdruck der Mitteilungen des Museums- und Kulturvereines Kaisersteinbruch, Nr. 43, August 1996.
  4. Josef Wolf: Heldenkampf für Burgenland und Standrecht über Kaisersteinbruch, maschinschriftliches Exemplar, von Albine Hummel, der Tochter des Verfassers dem Museum Kaisersteinbruch übergeben. Veröffentlicht in: Helmuth Furch (Hg.): Von Heiligenkreuzer Steinbruch zu Kaisersteinbruch, 1981.
  5. Allgemeine Auto-Zeitung 1926
  6. Burgenländische Freiheit BF vom 23. August 1953 Reportage: Ein Dorf klagt an, wir waren in Kaisersteinbruch.

Literatur

Die Familie Amelin, Nr. 46, 1997.
  • Helmuth Furch: Historisches Lexikon Kaisersteinbruch, Familie Amelin. 2 Bände. Museums- und Kulturverein, Kaisersteinbruch 2002–2004.