Finkenstein am Faaker See

Dieser Artikel behandelt die Gemeinde Finkenstein am Faaker See. Weitere Bedeutungen von Finkenstein bzw. Finckenstein finden sich unter Finckenstein
Finkenstein
Wappen von Finkenstein
Finkenstein am Faaker See (Österreich)
Finkenstein am Faaker See
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Kärnten
Politischer Bezirk: Villach-Land
Kfz-Kennzeichen: VL
Fläche: 102,06 km²
Koordinaten: 46° 34′ N, 13° 52′ O46.56273611111113.870458333333662Koordinaten: 46° 33′ 46″ N, 13° 52′ 14″ O
Höhe: 662 m ü. A.
Einwohner: 8.581 (1. Jän. 2012)
Bevölkerungsdichte: 84,08 Einw. pro km²
Postleitzahl: 9584
Vorwahl: 0 42 54
Gemeindekennziffer: 2 07 11
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Marktstraße 21
9584 Finkenstein
Website: www.finkenstein-faakersee.at
Politik
Bürgermeister: Walter Harnisch (SPÖ)
Gemeinderat: (2009)
(27 Mitglieder)
12 SPÖ, 7 FPK, 3 FPÖ,
3 ÖVP, 1 Enotna Lista,
1 GRÜNE
Lage der Marktgemeinde Finkenstein im Bezirk Villach-Land
Arnoldstein Arriach Bad Bleiberg Feistritz an der Gail Feld am See Ferndorf Finkenstein am Faaker See Fresach Hohenthurn Nötsch im Gailtal Paternion Rosegg Sankt Jakob im Rosental Stockenboi Treffen am Ossiacher See Velden am Wörther See Weißenstein Wernberg (Kärnten) Afritz am See Villach KärntenLage der Gemeinde Finkenstein am Faaker See im Bezirk Villach-Land (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
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(Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria)

Finkenstein am Faaker See (slowenisch: Bekštanj) ist eine Marktgemeinde mit 8581 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2012) in Kärnten.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Geographische Lage

Die Marktgemeinde Finkenstein liegt zum größten Teil im Becken des Faaker Sees zwischen Villacher Becken und Rosental. Sie wird im Norden von der Drau und im Süden von den Karawanken begrenzt. Mallestiger Mittagskogel, Techantinger Mittagskogel (Truppekogel/Trupejevo poldne) und der 2.143 m hohe Mittagskogel (Kepa) sind die höchsten Erhebungen. Die bewaldeten Höhenrücken der Dobrova und des Humbergs bilden im Norden und Osten die Grenzen. Zwischen Unteraichwald und Untergreuth liegt der Aichwaldsee. Das Gemeindegebiet hat Anteil am südlichen Becken des Faaker See einschließlich der Insel.

Der Ort Finkenstein, slowenisch Bekštanj, liegt etwa vier Kilometer südwestlich des Faaker Sees, etwa 4 km von der Autobahnabfahrt Villach/Warmbad entfernt. Er umfasst ungefähr 380 Gebäude etwa 1300 Einwohnern. Der historische Ortskern Mallestig/Malošče mit der katholischen Filialkirche hl. Margaretha (Pfarre St. Stefan-Finkenstein/Šteben-Bekštanj)[1] an der B85 Rosental Straße wird heute Mallestiger Platz genannt. Nach Norden erstreckt sich der Ort bis an die Bahnlinie Villach–Rosenbach (Haltestelle Finkenstein). Zur Ortschaft gehört auch die Einzellage Gegeneritsch.

Gemeindegliederung

Finkenstein ist in Bezug auf Fläche und Einwohnerzahl eine der größten Landgemeinden Kärntens. Das Gemeindegebiet gliedert sich in die neun Katastralgemeinden Faak, Ferlach, Fürnitz (Brnca), Greuth, Gödersdorf, Korpitsch, Latschach am Faakersee, Mallestig sowie St. Stefan.

Folgende 28 Ortschaften befinden sich im Gemeindegebiet:

  • Altfinkenstein (Stari Grad), 80 Einwohner[2]
  • Faak am See (Bače), 757
  • Finkenstein (Bekštanj. bis 1970: Mallestig/Malošče), 1.275
  • Fürnitz (Brnca), 1.491
  • Gödersdorf (Vodiča vas), 450
  • Goritschach (Zagoriče), 88
  • Höfling (Dvorec), 34
  • Kopein (Kopanje), 13
  • Korpitsch (Grpiče), 266
  • Latschach (Loče), 518
  • Ledenitzen (Ledince), 897
  • Mallenitzen (Malence), 250
  • Müllnern (Mlinare), 252
  • Neumüllnern (127)
  • Oberaichwald (Zgornje Dobje), 217
  • Oberferlach (Zgornje Borovlje), 96
  • Outschena (Ovčna), 33
  • Petschnitzen (Pečnica), 73
  • Pogöriach (Pogorje), 129
  • Ratnitz (Ratenče), 70
  • Sankt Job (Šentjob), 138
  • Sigmontitsch (Zmotiče), 81
  • Stobitzen (Stopca), 224
  • Susalitsch (Žužalče), 99
  • Techanting (Teharče), 305
  • Unteraichwald (Spodnje Dobje), 91
  • Unterferlach (Spodnje Borovlje), 82
  • Untergreuth (Spodnje Rute), 62

Nachbargemeinden

Villach Rosegg
Arnoldstein Nachbargemeinden Sankt Jakob im Rosental
Kranjska Gora (SLO)

Geschichte

Burgruine Altfinkenstein
Faak am See im Sommer (Blick von der Burgruine Finkenstein)

Die heutige Gemeinde trägt ihren Namen nach der 1142 erstmals genannten Burg und der Herren von Finkenstein, ritterliche Gefolgsleute der Herzöge von Kärnten.

Die Gemeinde Finkenstein konstituierte sich im Jahr 1850 und wurde 1973 durch die Eingemeindung der Katastralgemeinde Ferlach und weiterer Gebiete aus der ehemaligen Ortsgemeinde Maria Gail vergrößert. 1979 erhielt Finkenstein das Recht zur Führung der Bezeichnung Marktgemeinde verliehen. Im Jahr 2000 wurde sie in Finkenstein am Faaker See umbenannt.

Bevölkerung

Laut Volkszählung 2001[2] hat Finkenstein am Faaker See eine Einwohnerzahl von 8.198, davon sind 93,3 % österreichische Staatsbürger, unter den ausländischen Staatsangehörigen stellen Bosnien-Herzegowina mit 2,5 % und Deutschland mit 1,3 % den größten Anteil. 5,6 % der Bevölkerung zählen sich zur slowenischsprachigen Volksgruppe. Die Anzahl der Gemeindebewohner verdoppelte sich seit 1869 (+ 108 %). Dieser Anstieg liegt über den Durchschnitt der Bevölkerungsentwicklung des Bundeslandes Kärnten (+ 77 %).

Die überwiegende Mehrheit der Gemeindebevölkerung ist römisch-katholisch (82,2 %). Die nächstgrößere Religionsgemeinschaft (evangelisch) beläuft sich auf einen Bevölkerungsanteil von 6,0 %. Die Angehörigen des Islam machen 2,8 % aus, Gemeindebürger ohne religiöses Bekenntnis kommen auf 6,5 %.

Bevölkerungsentwicklung


Kultur und Sehenswürdigkeiten

Bauwerke

  • Burgruine Finkenstein (Altfinkenstein) mit Burgarena
  • Schloss Neufinkenstein
  • Pfarrkirche St. Stefan mit Friedhof, urkundlich vermutlich 1340, sicher 1385 erwähnt, ist in ihrer heutigen Gestalt ein gotischer Kirchenbau, der 1472 errichtet wurde. Der mächtige Westturm trägt einen barocken Zwiebelhelm
  • Pfarrhof St. Stefan
  • Kriegerdenkmal nebst St. Stefan
  • Pfarrkirche Hl. Michael in Fürnitz
  • Pfarrkirche Hl. Ulrich mit Friedhof in Latschach
  • Filialkirche Hl. Margaretha in Finkenstein ist eine kleine gotische Dorfkirche, urkundlich 1340 erstmals erwähnt[1]
  • Filialkirche St. Georg in Faak am See ist ein gotischer Kirchenbau mit mächtigem Turm aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Die älteste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1486
  • Filialkirche St. Gregor am südlichen Ortsende von Goritschach ist eine kleine, spätgotische Dorfkirche mit romanischem Mauerwerk
  • Filialkirche Hl. Kanzian in Goritschach
  • Kreuzweg Goritschach
  • Filialkirche Heilige Dreifaltigkeit in Pogöriach
  • Filialkirche Hl. Job mit Friedhof und Sankt Job
  • Hügelgräberfeld und Höhensiedlung Kanzianiberg
  • Bahnhof Faak am See mit historischem Bahnhofsgebäude aus der k.u.k. Zeit[3]
  • Pfarrkirche Petschnitzen

Kulturvereine

Baumgartnerhöhe
  • Trachtenkapelle Finkenstein – Faaker See
  • Slowenischer Kulturverein Jepa-Baško jezero Slovensko kulturno društvo Jepa-Baško jezero[4]

Slowenisches Kulturleben und Slowenischer Kulturverein Jepa-Baško jezero

Seit dem Frühmittelalter ist das Slowenische im Gemeindegebiet präsent. Finkenstein zählt noch zum slowenischen Dialektbereich des Gailtales, geht jedoch bereits in jenen des Oberen Rosentales über.

Das organisierte Kulturleben der Slowenen erhält Ende des 19. Jahrhunderts eine neue Dynamik, wird jedoch jäh vom Ersten Weltkrieg und den Kriegsfolgen unterbrochen. 1922 wird auf Initiative des Pfarrers Josip Ogris von Franz Aichholzer der Bildungsverein Jepa (Izobraževalno društvo „Jepa“) gegründet, der sich für volksaufklärerische Ziele und Bildung einsetzt. Slowenischkurse werden den schulpflichtigen Kindern angeboten, Theateraufführungen in Ledenitzen, Latschach und Ratnitz gegeben, darunter so berühmte Stücke wie den "Zehnten Bruder" von Josip Jurčič und die "Miklova Zala" von Jakob Sket. Ebenso kommen Passionsspiele zur Aufführung, so das Passionsspiel "Terplenje in smrt Jezusa Kristusa", St. Stefan bei Finkenstein[5] Reich ist auch die slowenische Gesangskultur mit zahlreichen Männerchören in Mallestig und Fürnitz.

Deshalb ist nachvollziehbar, dass noch im Jahr 1924 alle Pfarren im Unteren Gailtal und im Rosental slowenisch geführt wurden[6])

Zu den herausragenden Persönlichkeiten der Zeit zählte der slowenischer Priester, Schriftsteller und Politiker Jurij Matej Trunk (1870-1973) aus Faak / Bače. Er war Präsident des Narodni svet za Rož (Volksates für das Rosental), Berater der jugoslawischen Delegation bei der Friedenskonferenz in Paris und Mitglied der Volksabstimmungskommission 1920. 1921 emigriert er in die USA.[7]

Nach dem Krieg beleben die Burschen aus Faak (Baški fantje) das Kulturleben. Heute trägt der Slowenische Kulturverein Jepa-Baško jezero zum Kulturleben in der Gemeinde, zur Integration und zum Image der Gemeinde bei. Das heutige Bildungs- und Kulturangebot des Vereins Jepa-Baško jezero ist vielfältig und umfasst Sprachkurse für Slowenisch, Turnkurse, die Vereinszeitung JEPA sowie die Abteilung der Musikschule Glasbena šola. [8]

Besonders hervorzuheben ist zudem das Projekt zur Erfassung der slowenischen Flur- und Hofnamen in der Gemeinde Finkenstein / Bekštanj, welche auf die UNESCO-Liste des immateriellen Weltkulturerbes gesetzt worden sind.[9] [10]

Mehrsprachiger Kindergarten Ringa raja

Seit Herbst 1998 bietet der, aus dem slowenischen Kulturverein Jepa-Baško jezero hervorgegangene mehrsprachige Kindergarten Ringa raja (Otroški vrtec / Mehrsprachige Kindergarten / Scuola materna Ringa raja) in Ledenitzen/Ledince Kindern im Vorschulalter beide Landessprachen und Italienisch spielend zu erlernen. [11]

Regelmäßige Veranstaltungen

Sonstiges

  • Dorfmuseum
  • Zitrusgarten - Größte Zitrussortensammlung in Österreich[13]
  • Modellbahnparadies Faak/See - Größte private Märklin Modellbahnanlage Österreichs[14]

Politik

Gemeinderat

Der Gemeinderat von Finkenstein hat 27 Mitglieder und setzt sich seit der Gemeinderatswahl 2009 wie folgt zusammen:

Bürgermeister ist Walter Harnisch (SPÖ).

Wappen

Wappen at finkenstein-am-faaker-see.png
Gehöft in Altfinkenstein mit Mittagskogel dahinter

Die amtliche Blasonierung des Wappens lautet laut Wappen- und Fahnenverleihungsurkunde vom 31. Oktober 1979:

In Silber ein schwarzer, blutig abgeschnittener Greifenfuß.

Die Gemeindefahne ist Rot-Schwarz mit eingearbeitem Wappen.

Das älteste Finkensteiner Siegel an einer Urkunde vom 23. März 1262 zeigt einen gefiederten, aber nicht abgeschnittenen und blutigen Greifenfuß, und auch nach der Kärntner Chronik von Jakob Unrest aus dem späten 15. Jahrhundert führten die − 1142 erstmals genannten und in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts ausgestorbenen − Herren von Finkenstein einen ganzen Greifenfuß in ihrem Wappen. Allerdings zeigt das Siegel des Cholo von Finkensteins an einer Urkunde vom 6. Jänner 1314 ebenso einen Greifenfuß mit rotem (blutigen) Abschnitt wie das erste Feld des gevierten Schildes der Freiherren und Grafen von Dietrichstein, die die Herrschaft Finkenstein von 1508 bis 1861 besaßen, so dass sich die Gemeinde bei der Neuverleihung für diese Darstellung des Greifenfußes entschieden hat.[15]

Persönlichkeiten

Literatur

  • Marktgemeinde Finkenstein am Faaker See (Hrsg.): Finkenstein und seine Geschichte. Eigenverlag der Marktgemeinde Finkenstein am Faaker See, 2005.
  • Luise Maria Ruhdorfer: Das Passionsspiel "Terplenje in smrt Jezusa Kristusa", St. Stefan bei Finkenstein 1931. Mohorjeva Hermagoras, Klagenfurt 2007, ISBN 978-3-7086-0247-9.

Weblinks

 Commons: Finkenstein am Faaker See – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b Filialkirche Mallestig/Malošče. kath-kirche-kaernten.at
  2. a b Alle Bevölkerungszahlen nach Statistik Austria, Stand Volkszählung 2001
  3. Peter Popp: Eine Beschreibung des Bahnhofes Faak am See. Abgerufen am 1. Dezember 2010.
  4. siehe http: //www.jepa.at/ oder http://www.jepa.at/index.php?lang=de
  5. siehe L.M. Ruhdorfer: Das Passionsspiel "Terplenje in smrt Jezusa Kristusa", St. Stefan bei Finkenstein, 1931, Klagenfurt e.a. 2007.
  6. Pfarrkarte der Diözese Gurk, 1924
  7. siehe Matjaž Klemenčič: Jurij Trunk med Koroško in Združenimi državami Amerike ter zgodovina slovenskih naselbin v Leadvillu, Kolorado, in v San Franciscu, Kalifornija. Klagenfurt/Celovec e.a. 1999.
  8. siehe http://www.jepa.at/ oder http://www.jepa.at/index.php?lang=de
  9. siehe "Zwei EU-Projekte im Zeichen von Kultur und Sprache": http://www.jepa.at/index.php?option=com_content&view=article&id=123%3Akultura-in-jezik-v-srediu-pozornosti-dveh-evropskih-projektov&catid=42%3Aobjave&Itemid=57&lang=de
  10. siehe Slowenisches Volkskunde Institut Urban Jarnik: http://www.ethno.at/deutsch.php . Dieses hat in Zusammenarbeit mit lokalen Vereinen und Einheimischen bereits die FLur- und Hofnamen in mehrerer Gemeinden erfasst, so etwa (Keutschach am See, Sankt Margareten im Rosental.
  11. siehe www.ringaraja.at
  12. siehe http://www.europeanbikeweek.com/
  13. siehe http://www.zitrusgarten.com/DT/
  14. siehe http://www.modellbahnparadies.at/
  15. Alle Angaben zu Siegeln und Wappen nach Wilhelm Deuer: Die Kärntner Gemeindewappen. Verlag des Kärntner Landesarchivs, Klagenfurt 2006, ISBN 3-900531-64-1, S. 96.