Flondor

Wappen der freiherrlichen Familie von Flondor 1913

Die Ritter und Freiherren von Flondor sind ein österreichisches Adelsgeschlecht mit Ursprung im moldauischen Bojarenstand.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die Familie Flondor gehörte zu den ältesten moldauischen Bojarenfamilien und wurde seit dem 15. Jahrhundert durch hohe Würdenträger am Hofe repräsentiert. Ihre Vorfahren hießen früher Albu, dann Albotă und nahmen erst im 18. Jahrhundert den Namen Flondor an. Der erste urkundlich erwähnte Vorfahre war 1432 der Mundschenk Albu.

Gutshaus von Mega um 1900
Schloss Hlinitza vor 1900

Die erste Nennung des Namens Albotă erschien in einer Urkunde vom 15. Juli 1520, in der der dem Großkämmerer Coste sowie seine Brüder Ioan und Sasca ihre Besitzungen durch Fürsten Stefăniţă, ein Sohn Stefans des Großen (Ștefan cel Mare), bestätigt wurden. Die Endung –otă entspricht der rumänischen –escu und bezeichnet hier den Sohn des Albu. Sie gehört zu den Anfängen der rumänischen Namensbildung.[1]

Gleichfalls häufig geschah, dass Söhne unterschiedlicher Ehegattinnen den Familiennamen der jeweiligen Mutter annahmen, so geschehen bei den Söhnen des moldauischen Gouverneurs (ab 1642) und Großmarschalls (1655) Pavel Albotă von Oniceni. Toader, Großpräfekt (1678), Hofmarschall 1702, auch Bürgermeister von Czernowitz (1693), nannte sich nach seiner Mutter „Flondor“, sein Bruder Gheorghiţă, oberster Heerführer, wiederum nach der seinigen „Ciudin“.[1]

Fürst Gregor Ghica bestätigte im Jahr 1730 dem Großbeckenträger und Bezirksgouverneur Şerban Flondor (1683–1768) auf seine Eingabe hin, dass seine Familie vorher Albotă geheißen habe und 1765 den Brüdern Johann und Toader Flondor, Söhnen des Şerban, das Bojarentum.

Bei der am 17. August 1777 in Czernowitz stattgefundenen Huldigung nahmen auch die Bojaren Theodor und Ioan (Johann) Flondor teil und legten den Treueid für Österreich ab. Die Söhne des Johann, (1710–1784), verheiratet mit Nastasia Arapu, Theodor, Basil, Konstantin, Georg und Demeter, die mit allerhöchster Entschließung Kaisers Franz II. den Ritterstand am 7. April 1796 erhalten hatten,[2][3] bildeten drei Familienzweige.

Helene von Flondor
Katharina von Flondor

Demeter (Dimitrie) Ritter von Flondor (1757–1825), verheiratet mit Anița von Wassilko (1778–1851), Tochter des Ritters Nikolaus von Wassilko, begründete die Linie Cobălciu, (Bukowina). Helene (Elena) von Flondor (* 22. November 1866 in Czernowitz; † 31. Januar 1930 in Wien), seine Enkelin, erbte Gut Mega und heiratete 1889 den Bezirkskommissär Georg Freiherrn von Styrczea (* 2. November 1869; in Crasna; † 4. April 1897 in Wien), und nach dem frühen Tod ihres ersten Gemahls,am 3. Juli 1898 in Czernowitz (Cernăuţi) den Grafen Anatol von Bigot de Saint-Quentin (1849–1932), k. u. k. Kämmerer, Geheimer Rat, Feldmarschalleutnant, dann General der Kavallerie.

Georg (Gheorghe) Ritter von Flondor (* 1761; † 20. August 1797), verheiratet mit Anna von Stryszka (Strâșca) († 4. Juli 1854), schuf die Linie Hlinița (Bukowina). Aus der Ehe seines Sohnes Jordaki (* 3. Januar 1798; † 1. Mai 1868) mit Katharina von Gaffenko (* 24. Januar 1804; † 17. August 1849) entsprossen fünf Kinder, darunter Katharina (* 21. Juli 1843 in Hlinitza; † 27. Dezember 1920 auf Schloss Mihowa), verheiratet mit dem langjährigen Landeshauptmann der Bukowina Alexander Freiherr Wassilko von Serecki (1827-1893).[4]

Diese Linie ist im Mannesstamm erloschen.

Iancu von Flondor
Nicu Fhr. von Flondor

Constantin Ritter von Flondor (1764-1815), verheiratet mit Parasca von Kalmucki, war der Stammvater der Linien Storojineț (Bukowina) und Glinca (Bessarabien). Drei seiner Enkel wurden über die Grenzen der Bukowina bekannt. [5]

Tudor (Theodor) Ritter von Flondor (1862–1908) war österreichisch-rumänischer Jurist, Wirtschaftswissenschaftler, und Politiker, in erster Linie aber Dirigent und Komponist.

Johann (Iancu) Ritter von Flondor (1865–1924) war langjähriger Abgeordneter des Bukowiner Landtagsund nach dem Krieg maßgeblich daran beteiligt, dass die Bukowina dem Königreich Rumänien zugesprochen wurde. Er war Senatspräsident der rumänischen Regierung in der Bukowina. Heute tragen viele Straßen in Rumänien seinen Namen, u. a. in Bukarest (Bucureşti), Temeschburg (Timișoara), Iassy (Iași) und Suczeawa (Suceava) .

Nikolaus (Nicu) Freiherr von Flondor (1872–1948) war Abgeordneter des Bukowiner Landtags, des Parlaments Großrumäniens und dreimaliger Bürgermeister von Czernowitz. Ihm sowie seinen Söhnen Radu und Alexander der Freiherrenstand verliehen.[2]

Wappen

Wappen der Ritter von Flondor 1796

1796: Geteilt, oben in Rot eine grüne Blätterkrone, unten in Blau zwei aus einsernen Ringen hervorwachsend, einander zugekehrte rot-bewehrte goldene Bärentatzen. - Auf dem Helm mit rechts rot-goldenen, links blau-goldenen Decken ein wachsender rot-bezungter und rot-bewehrter goldener Bär, in seinen mit eisernen Ringen umschlossenen Tatzen die goldene Blätterkrone haltend. –Schildträger: Zwei einander zugekehrte, aufgerichtete, natürliche Bären.

1914: Geteilt, oben in Rot eine grüne Blätterkrone, unten in Blau zwei aus einsernen Ringen hervorwachsend, einander zugekehrte rot-bewehrte goldene Bärentatzen. Auf dem Hauptrande des Schildes ruht die goldene Freiherrenkrone. Auf dem Helm mit rechts rot-goldenen, links blau-goldenen Decken ein wachsender rot-bezugter und rot-bewehrter goldener Bär, in seinen mit eisernen Ringen umschlossenen Tatzen die goldene Blätterkrone haltend.[6]

Die Nachfahren leben heute in Deutschland, Rumänien und den USA.

Literatur

  • Gothaisches Genealogisches Taschenbuch, Freiherrliche Häuser, 79. Jahrgang, Verlag Justus Perthes, Gotha, 1929
  • Teodor Balan, Prof. univ., Documente bucoviniene, Vol. 1 - 5, Institutul de arte grafice şi editură "Glasul Bucovinei", Cernăuţi 1933 - 1939
  • Teodor Balan, Prof. univ., Documente bucoviniene, Vol. 6, Editura casei şcoalelor şi a culturii poporului, Bucureşti 1942
  • Ion Nistor, Istoria Bucovinei, Editura Humanitas , Bucureşti 1991
  • Erich Prokopowitsch, Der Adel in der Bukowina, Verlag "Der Südostdeutsche", München 1983

Weblinks

 Commons: Flondor – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b Sever de Zotta, "Die Abstammung der Familie Flondor", Sonderdruck aus: "Bukowiner Heimatbläter", herausgegeben von A. Nibio, Radautz, Jahrgang I, Heft 1-3, Radautz 1933
  2. a b Erich Prokopowitsch: Der Adel in der Bukowina, Südostdeutscher Verlag, München, 1983, S. 123, 164
  3. Gothaisches Genealogisches Taschenbuch, Freiherrliche Häuser, 79. Jahrgang, Verlag Justus Perthes, Gotha, 1929, S. 176
  4. Teodor Balan, Prof. univ., "Documente bucoviniene", Vol. 5, Institutul de arte grafice şi editură "Glasul Bucovinei", Cernăuţi 1939, S. 76 f
  5. Eva Lucretia Fürstin zu Sayn Wittgenstein, Aufzeichnungen zur Familie Wassilko, Hangu 1938/Lebensdaten
  6. http://www.coresno.com/adelslexikon/1432-lex-flondor.html - Österreich