Flughafen Wien AG

Flughafen Wien AG
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Rechtsform Aktiengesellschaft
ISIN AT0000911805
Gründung 1953
Sitz Office Park 1- Flughafen Wien (Schwechat)
Leitung Julian Jäger, Günther Ofner (seit September 2011)
Umsatz EUR 582 Mio. (2011)
Branche Flughafenbetreiber
Website www.viennaairport.com

Die Flughafen Wien AG mit Sitz in Schwechat (Niederösterreich) ist der börsennotierte Betreiber des Flughafens Wien.

Inhaltsverzeichnis

Allgemeines

Am 11. Dezember 1953 wurde die Wiener Flughafenbetriebsgesellschaft gegründet und übernahm am 1. Jänner 1954 Verwaltung und Abfertigung. Gesellschafter der heutigen Flughafen Wien AG waren bis 1992 die Republik Österreich (50 %) und die Bundesländer Wien und Niederösterreich (je 25 %). Am 29. April 1992 wurde das bis dahin als GmbH geführte Unternehmen in die Flughafen Wien AG umgewandelt und teilweise privatisiert.[1] Die Republik Österreich zog sich als Gesellschafter zurück, die Bundesländer Wien und Niederösterreich blieben mit je 20 % Anteilseigner. 10-%-Aktionär ist eine Stiftung der Flughafenmitarbeiter. Die Aktien der Flughafen Wien AG sind im ATX vertreten.

Die Flughafen Wien AG leitet als Entwickler, Errichter und Komplettbetreiber das Unternehmen, den operativen Flughafenbetrieb, die Bodenabfertigungsdienste, die Sicherheitsdienstleistungen und die kommerziellen Aktivitäten. Die Flughafen-Wien-Gruppe hat ihre Geschäftstätigkeit in vier Segmente unterteilt: Airport (u.a. der Flugplatzbetrieb), Handling (u.a. die Luftfahrzeugabfertigung), Retail & Properties (u.a. die Shops und Immobilien) und Sonstiges (u.a. die Haustechnik und das Besucherzentrum).[2]

Kennzahlen

Der Umsatz der Flughafen Wien AG betrug im Jahr 2008 548,1 Mio. €(+ 5,1 %), wobei davon 250,8 Mio. dem Flugbetrieb selbst (+ 3,6 %), 152,2 Mio. dem Handling (+ 3,5 %) und 144,5 Mio. nicht dem Flugverkehr dienenden („Non-Aviation“) Geschäften (+ 9,3 %) zuzurechnen sind. Das Betriebsergebnis 2008 betrug 133,3 Mio. € (+ 10,7 %).

Jahr Umsatz Gewinn Änderung des Umsatzes im Vergleich zum Vorjahr
2005[3] 410,00 Mio. €
2006[3] 463,89 Mio. € 77,55 Mio. € +13,1 %
2007[3] 521,42 Mio. € 87,45 Mio. € +12,4 %
2008[3] 548,06 Mio. € 91,14 Mio. € +05,1 %
2009[3] 501,69 Mio. € 73,35 Mio. € 08,5 %
2010[3] 533,83 Mio. € 75,69 Mio. € +06,4 %
2011[4] 582,0 Mio. € + 9,0 %

Diversifizierung

Flughafen Wien hält außerdem Beteiligungen an folgenden Flughäfen:

  • Flughafen Luqa in Malta mit einer Beteiligung von rund 30 % (10,1 % direkt und durchgerechnete 22,8 % über ein Konsortium).
  • Flughafen Letisko Košice in Košice, Slowakei mit einer Beteiligung von 66 %. Ursprünglich war Wien im Zuge der Privatisierungen in der Slowakei an einem Bieterkonsortium für den Flughafen M. R. Štefánik in Bratislava beteiligt und plante für den Fall des Zuschlags eine gemeinsame, koordinierte Betriebsführung der beiden nur 60 km voneinander entfernten Flughäfen. Gemeinsam mit der Raiffeisen Zentralbank bot sie unter dem Namen TwoOne mit. Im Jahr 2012 wurde im Zuge der Ermittlungen rund um die slowakische Gorilla-Affäre bekannt, dass auch die bisher nicht bekanntgegebene Penta-Investgruppe mit im Konsortium vertreten war.[5] Obwohl die Slowakei 2006 entschied, den Flughafen Wien mit 66 % an den Flughäfen Bratislava und zu beteiligen, kam das Gesamtprojekt aufgrund eines Regierungswechsels in Bratislava nicht zustande. Nur die Investition in Košice erschien unproblematisch.
  • Flughafen Friedrichshafen mit einer Beteiligung von 25,15 %

Jüngste Geschichte

Große Probleme bei der Errichtung des neuen Terminalgebäudes Skylink führten im Juni 2009 zum Wunsch des Rechnungshofes, die Flughafen Wien AG zu prüfen. Die Länder Niederösterreich und Wien besitzen 40 % der Aktien; der Rechnungshof ist zuständig, wenn die öffentliche Hand über 50 % des Unternehmens besitzt oder eine bestimmende Rolle im Unternehmen ausübt.

Der Rechnungshof geht von dieser bestimmenden Rolle der beiden Bundesländer in der Flughafen Wien AG aus. Er verweist auf den Syndikatsvertrag zwischen Wien und Niederösterreich, der die beiden Bundesländer in der Hauptversammlung der AG zu gemeinsamem einheitlichen Stimmverhalten verpflichtet. Damit soll erreicht werden, dass Vorstandsmitglieder der AG jedenfalls das Vertrauen dieser beiden Aktionäre der öffentlichen Hand besitzen. Der Rechnungshof verweist weiters darauf, dass die beiden Bundesländer wegen der Abwesenheit vieler anderer Aktionäre in den Hauptversammlungen der Flughafen Wien AG regelmäßig die Mehrheit haben.

Vom Rechnungshof zitiertes Indiz für den starken öffentlichen Einfluss bei der Flughafen Wien AG ist unter anderem, dass der „Austausch“ des der ÖVP zugerechneten Vorstandsdirektors Christian Domany (eines früheren Generalsekretärs der Wirtschaftskammer Österreich) gegen den bis dahin der Niederösterreichischen Landesregierung angehörenden Ernest Gabmann per 1. März 2009[6] am 18. Februar von Landeshauptmann Erwin Pröll bekanntgegeben wurde, bevor der Aufsichtsrat des Flughafens am 20. Februar 2009 mit der Sache befasst wurde. (Domany scheidet formal am 30. September 2009 aus dem Unternehmen aus.)

Weitere (vom Rechnungshof nicht erwähnte) Indizien für die bestimmende Rolle der öffentlichen Hand in der AG sind, dass Vorstandssprecher Herbert Kaufmann zuvor SPÖ-Nationalratsabgeordneter und Vorstandsmitglied Gerhard Schmid zuvor Assistent des Wiener Bürgermeisters Helmut Zilk gewesen war. Im Ausgleich dazu, dass zwei von drei Vorstandsmitgliedern Wien und somit der SPÖ zuzurechnen sind, besitzt der Vorsitzende des Aufsichtsrats das Vertrauen Niederösterreichs und somit der ÖVP: Johannes Coreth wurde im August 2009 auf Vorschlag Niederösterreichs durch den Wiener Rechtsanwalt Christoph Herbst ersetzt. Coreth hat den „Skylink“-Problemen anscheinend nach Meinung Niederösterreichs und Wiens zu wenig Aktivität und Kontrolle entgegensetzt.

Der Rechnungshof kündigte am 10. Juli 2009 an, den Prüfauftrag demnächst fertigzustellen. Die drei parlamentarischen Oppositionsparteien stellten im Juli 2009 die Zulassung der Prüfung durch den Rechnungshof als Bedingung für die von ihnen erwartete Zustimmung zu einem Bundesverfassungsgesetz betreffend das Bankgeheimnis bei nicht in Österreich wohnhaften Personen, das bis September 2009 erlassen sein muss, um Sanktionen der G-20-Staaten bzw. der OECD zu vermeiden. Die Flughafen Wien AG lehnte laut Medienberichten vom 21. Juli 2009 gemäß Aufsichtsratsbeschluss die Prüfung durch den Rechnungshof ab; die Mitarbeiterstiftung lehnte diese Prüfung als Aktionär ebenfalls ab. Der Rechnungshof kündigte an, den Verfassungsgerichtshof anzurufen, wenn die AG diesen Standpunkt beibehält. Der Aufsichtsrat beschloss jedoch eine aktienrechtliche Sonderprüfung.

Laut ORF-Website vom 10. Juli 2009 befasst sich die Staatsanwaltschaft Korneuburg ebenfalls mit dem Skylink-Vorgang. Ein anonymer Anzeiger habe die Vorstandsmitglieder Kaufmann und Schmid und den abgetretenen Aufsichtsratsvorsitzenden Coreth der Untreue im Sinne des StGB bezichtigt.

In der letzten Augustwoche 2009 wurde bekannt, dass sich Vertreter der Bundesregierung, der Grünen und des BZÖ darauf geeinigt haben, dem Rechnungshof auch die Prüfung tatsächlich von der öffentlichen Hand beherrschter Unternehmen zu ermöglichen, auch wenn die öffentliche Hand formal nicht die Aktienmehrheit besitzt. Die legislative Durchführung der politischen Vereinbarung erfolgte ab Oktober 2009.

Nach einer 14-stündigen Aufsichtsratssitzung wurde am 15. Dezember 2010 bekannt, dass die Funktionsdauer der drei Vorstandsmitglieder vorzeitig beendet wird: Der bisherige Vorstandsvorsitzende Herbert Kaufmann legt nach einer mit ihm erzielten einvernehmlichen Lösung per 31. Dezember 2010 seine Vorstandsfunktion zurück. An seiner Stelle wird interimistisch - für längstens ein Jahr - der bisherige Aufsichtsratschef Christoph Herbst operativ tätig. Die Vorstandsmandate von Ernest Gabmann und Gerhard Schmid endeten per 31. Dezember 2011. Die drei Vorstandsfunktionen wurden im Laufe des Jahres 2011 ausgeschrieben. Seit September 2011 bilden Julian Jäger und Günther Ofner das neue Vorstandsteam.[7]

Einzelnachweise

  1. Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Band 2, Verlag Kremayr & Scheriau, Wien 1993, ISBN 3-218-00544-2, S. 340
  2. http://ir.viennaairport.com/jart/prj3/ir/uploads/data-uploads/IR%202012/Geschaeftsbericht%202011_dt.pdf ,Geschäftsbericht 2011
  3. a b c d e f Geschäftszahlen des Flughafens
  4. http://ir.viennaairport.com/jart/prj3/ir/uploads/data-uploads/IR%202012/Geschaeftsbericht%202011_dt.pdf ,Geschäftsbericht 2011 S.77
  5. Österreicher im slowakischen Morast in der Presse vom 1. Februar 2012 abgerufen am 13. November 2012
  6. Nachrichtenmagazin profil, Wien, Nr. 28, 6. Juli 2009, S. 41
  7. http://www.viennaairport.com/jart/prj3/va/main.jart?rel=de&content-id=1249344074274&reserve-mode=active ,abgerufen am 14.Mai 2012