Franz-Josef-Gletscher

Franz-Josef-Gletscher 2001
Franz-Josef-Gletscher 2011
Gletschertor des Franz-Josef-Gletscher

Der Franz-Josef-Gletscher (Englisch: Franz Josef Glacier, Māori: Kā Roimata o Hine Hukatere) ist ein heute etwa 11 km langer Gletscher im Westland-Nationalpark auf der Südinsel Neuseelands. Er wurde 1865 von dem deutschen Entdecker Julius von Haast nach Franz Joseph I. von Österreich benannt. Wie sein südlicher Nachbar, der Fox-Gletscher, wird er aus den Neuseeländischen Alpen (Southern Alps) gespeist, seine Abflüsse fließen über den Waiho River in die Tasmansee.

Der Gletscher war vor etwa 150.000 Jahren so groß, dass er den Mount Cook und die umliegenden Berge komplett einschloss. Das mehrmalige Schmelzen und Wiederanwachsen des Gletschers hatte zur Folge, dass sich im Tal in Richtung Meer mehrere Hügelketten gebildet haben, die aus dem Moränengestein, das der Gletscher vor sich hergeschoben hat, gebildet wurden. Der Franz-Josef-Gletscher gilt als ein warmer Gletscher und fließt pro Tag etwa einen halben Meter. Ein über dem Gletscher abgestürztes Flugzeug wurde deswegen bereits nach vergleichsweise kurzen sieben Jahren wieder vom Eis freigegeben. Die hohe Fließgeschwindigkeit ergibt sich auch durch das relativ warme Gestein und das viele Wasser, das über Wasserfälle rechts und links des Eises unter den Gletscher fließt und so als eine Art Gleitmittel dient.

Entstanden ist der Gletscher aufgrund der besonderen Lage der tektonischen Platten, auf denen sich Mount Cook und seine umliegenden Berge befinden. An der Westküste von Neuseeland treffen zwei Kontinentalplatten aufeinander und haben so ein sehr hohes Bergmassiv direkt an der Küste geformt. Die Nährzone des Franz-Josef-Gletschers befindet sich auf 3.300 m Höhe und er fließt dann über einen Bergkamm nach zwei Seiten ab, wobei nur eine der beiden Gletscherzungen von der Küste aus sichtbar ist. Die große Menge an Niederschlag ergibt sich aus der Tatsache, dass warme und feuchte Luft über die Tasmanische See herangeführt wird und an dem hohen Massiv stark abkühlt und ausregnet. Dadurch kommt es auf der Westseite der Südinsel Neuseelands zu etwa zehnmal mehr Niederschlag als an der Ostküste.

Ebenso wie der Fox-Gletscher war auch der Franz-Josef-Gletscher einmal so groß, dass er direkt ins Meer kalbte. Auch heute ist er noch gemeinsam mit dem Fox-Gletscher einer der am niedrigsten über Meereshöhe (ca. 400 m) gelegene Gletscher mittlerer Breite. Nachdem der Gletscher zwischen Ende des 19. Jahrhunderts und 1982 deutlich zurückgegangen war (er verlor über 3 km an Länge), ist er seit 1982 um etwa 1 km gewachsen.[1] Unterbrochen wurde dieses Wachstum zwischen 1999 und 2005: In diesem Zeitraum verlor der Gletscher ca. 450 m an Länge.

Damit ist der Franz-Josef-Gletscher einer der wenigen großen Gletscher, die bislang nicht so stark von der weltweiten Gletscherschmelze betroffen sind. Bis zum Jahrhundertende wird damit gerechnet, dass der Gletscher weitere 5 km an Länge und etwa 38 % seiner Masse verlieren wird.[2]

Weblinks

 Commons: Franz-Josef-Gletscher – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

-43.4625170.18833333333Koordinaten: 43° 27′ 45″ S, 170° 11′ 18″ O

Glacial find pours cold water on world theory, NZ Herald (Neuseeland), 30. Juni 2008

Einzelnachweise

  1. B. L. Hooker, B. B. Fitzharris: The correlation between climatic parameters and the retreat and advance of Franz Josef Glacier, New Zealand. In: Global and Planetary Change. Vol. 22, Nr. 1/4, 1999, ISSN 0921-8181, S. 39–48, doi:10.1016/S0921-8181(99)00023-5
  2. Brian Anderson, Wendy Lawson, Ian Owens: Response of Franz Josef Glacier Ka Roimata o Hine Hukatere to climate change. In: Global and Planetary Change. Vol. 63, Nr. 1, 2008, S. 23–30, doi:10.1016/j.gloplacha.2008.04.003