Franz II. (HRR)

Bildnis von Franz I., Kupferstich von Josef Axmann, mit seinen Titeln, Besitztümern und Orden
Kaisertum Österreich

Franz II. (* 12. Februar 1768 in Florenz; † 2. März 1835 in Wien) aus dem Hause Habsburg-Lothringen war von 1792 bis 1806 letzter Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation sowie von 1804 bis 1835 (als Franz I.) Kaiser von Österreich.

Um dem Hegemoniestreben des französischen Kaisers Napoléon Bonaparte in Mitteleuropa zu begegnen und einem Statusverlust vorzubeugen, nahm er 1804 den Titel eines erblichen Kaisers von Österreich an (und wurde als solcher als Franz I. bezeichnet); er begründete damit das österreichische Kaisertum, führte aber bis 1806 den Titel des Erwählten Römischen Kaisers weiter. In der Literatur wird er daher oft Franz II./I. genannt, zur Unterscheidung von seinem Großvater Franz I. Stephan (1708–1765).

Seine Erklärung vom 6. August 1806, womit er das Reich für erloschen erklärte und „die deutsche Kaiserkrone und das Reichsregiment niederlegt, die Churfürsten, Fürsten und übrigen Stände, wie auch alle Angehörige und Dienerschaft des deutschen Reiches, ihrer bisherigen Pflichten entbindet“[1] stand unter der Sorge, die Reichskrone könne in französische Hände und seine österreichischen Länder im Reich könnten de jure unter napoleonische Herrschaft gelangen. De facto wurde das Reich, ohnedies nur mehr ein sehr loser Zusammenschluss, durch den 1806 auf Betreiben Napoleons gegründeten Rheinbund gesprengt, dessen Fürsten aus dem Reich austraten. Infolgedessen löste Franz II. das Reich auf, das nach dem Ostfrankenreich im mittelalterlichen Jahr 962 mit der Kaiserkrönung Ottos I. seinen Anfang genommen hatte.

Von 1792 bis 1835 war Kaiser Franz außerdem König von Böhmen, Kroatien und Ungarn. Seine Hausmacht waren die habsburgischen Erblande.

Inhaltsverzeichnis

Lebenslauf

Kindheit und Jugend

Erzherzog Franz von Österreich, der spätere Kaiser Franz II.

Erzherzog Franz Joseph Karl wurde 1768 als ältester Sohn des Großherzogs Peter Leopold von Toskana (späterhin Kaiser Leopold II.) und Maria Ludovica, gebürtige Prinzessin von Spanien als Tochter König Karls III., zu Florenz geboren.

Von Anfang an war Franz für die Thronfolge nach seinem Onkel Joseph II. bestimmt, da dieser nach dem Tod seiner zweiten Frau keine weitere Ehe mehr eingehen wollte.

Nachdem Maria Theresia 1780 verstorben war, verlangte Joseph von Graf Colloredo einen ausführlichen Bericht über die Entwicklung seines Nachfolgers, der jedoch ziemlich hart ausfiel. Der Kaiser fuhr in die Toskana, um seinen Neffen zu begutachten und nahm den 16-Jährigen mit nach Wien, wo dieser sofort unzählige offizielle Termine wahrzunehmen hatte und Josephs Wünschen entsprechend ausgebildet wurde. Franz selbst nannte sich in einem Brief einen „Kaiserlehrling“. Seine zukünftige Frau, die für ihn ausgesuchte Elisabeth von Württemberg, wurde zur gleichen Zeit in einem Kloster auf ihr zukünftiges Leben als Kaiserin vorbereitet.[2]

Als 1784 Franz' Onkel Kaiser Joseph II. verlangte, dass dieser zur Vollendung seiner Ausbildung zu ihm nach Wien kommen solle, begründete er seine Entscheidung, dass Franz der Habsburgermonarchie gehöre und nicht dem Großherzogtum Toskana,[3] mit den Worten:

„Man kann nie einem Österreicher, einem Ungarn oder Böhmen erklären, was wirklich ein Landsmann ist, wenn man in Italien geboren und großgezogen wurde.“[3]

Im Amt als Kaiser zweier Reiche

Franz II. nach seiner Kaiserkrönung, 1792

Im Achten Österreichischen Türkenkrieg (1788–1790) war der junge Franz auf Wunsch des Kaisers ebenfalls an der Front; nach dem Tod seines Onkels 1790 folgte ihm Franz' Vater Leopold in den habsburgischen Erblanden und schließlich auch als Kaiser nach, doch starb Leopold II. nach nur zwei Jahren.

1792, viel früher als erwartet, wurde Franz also König von Ungarn und Böhmen sowie Herr der übrigen Länder der Habsburgermonarchie. Nachdem er am 6. Juni in Buda bereits zum König von Ungarn gekrönt worden war, folgte am 5. Juli die Wahl zum Römischen König; kurz darauf, am 14. Juli schließlich die Krönung im Frankfurter Dom und die damit verbundene Proklamation zum „erwählten Römischen Kaiser“. Niemand konnte damals ahnen, dass dies die letzte Kaiserkrönung überhaupt sein würde. Am 9. August folgte dann noch die Krönung zum König von Böhmen zu Prag.

Napoleonische Kriege

Franz I., gemalt von Giuseppe Tominz, 1821)

Überschattet wurden die Feierlichkeiten durch die französische Kriegserklärung vom 20. April 1792, die den Beginn des Ersten Koalitionskrieges einleitete, welcher sich bis 1797 hinzog und für Österreich den endgültigen Verlust der Niederlande, jedoch den gleichzeitigen Gewinn des Königreiches Lombardo-Venetien bedeutete.

Auch der Zweite Koalitionskrieg (1799–1801) verlief für Österreich wenig erfolgreich; im Dritten (1805) schließlich verlor man Lombardo-Venetien wieder an Frankreich (ein Umstand, der erst beim Wiener Kongress wieder ins Gegenteil verkehrt werden sollte).

Franz II. hatte am 11. August 1804 das Kaisertum Österreich proklamiert[4], um seine kaiserliche Hausmacht zu erhalten und damit die Ranggleichheit mit Napoleon I. zu wahren, der sich am 18. Mai zum erblichen Kaiser von Frankreich ernannt hatte. Damit trug Franz II. auch der Tatsache Rechnung, dass nach der infolge des Reichsdeputationshauptschlusses von 1803 erfolgten Veränderung im Kurkollegium (u. a. fielen die katholischen Kurfürstentümer Köln und Trier weg, die protestantischen Länder Baden, Württemberg und Hessen kamen hinzu) die neuerliche Wahl eines Habsburgers bei seinem etwaigen plötzlichen Tode fraglich erscheinen musste. Zwar war diese Kaiserproklamation rechtlich fragwürdig, doch wurde der österreichische Kaisertitel binnen kurzer Zeit von sämtlichen Staaten anerkannt. Da die Niederlegung der römischen Kaiserkrone erst am 6. August 1806 erfolgte, war Franz der einzige Doppelkaiser der Weltgeschichte, als Franz II. des Heiligen Römischen Reiches und Franz I. von Österreich.[5]

Am 9. April 1809 eröffnete Kaiser Franz I., unterstützt von Großbritannien, den 5. Koalitionskrieg gegen Frankreich, der den Charakter eines deutschen Befreiungskrieges haben sollte. Österreich unterstützte auf diese Weise den zeitgleichen Aufstand in Spanien. Am gleichen Tag begann der Tiroler Volksaufstand unter Führung Andreas Hofers gegen die mit Napoleon verbündeten bayerischen Truppen, die Tirol 1806 besetzt hatten. Nach mehreren unglücklichen Schlachten und dem französischen Einmarsch in Wien gelang der österreichischen Armee unter Erzherzog Karl ein Sieg über Napoleons Heer bei Aspern an der Donau, der als erste Niederlage Napoleons überhaupt gilt und seinen Nimbus des »Unbesiegbaren« erschütterte. Napoleon musste seinen Versuch, an dieser Stelle ans Nordufer der Donau zu gelangen, abbrechen. Doch die Hoffnung auf einen allgemeinen deutschen Volksaufstand gegen den Unterdrücker, vor allem auf die Beteiligung Preußens, zerschlug sich. Obwohl die Reformer Stein, Hardenberg, Scharnhorst, Gneisenau sowie der Dramatiker Heinrich von Kleist in Berlin energisch auf Krieg drängten, verweigerte sich König Friedrich Wilhelm III. Ein Aufstand des Majors Ferdinand von Schill scheiterte im Mai 1809 in Stralsund. Die Franzosen siegten am 5. und 6. Juli bei Wagram über die Österreicher; damit war der Krieg entschieden. Franz I. löste seinen leitenden Minister Johann Philipp von Stadion ab und ersetzte ihn durch den erst 36-jährigen Diplomaten Klemens Wenzel Lothar von Metternich. Nach dem Frieden von Schönbrunn mit Frankreich arrangierte Metternich die Heirat Napoleons mit Franz' Tochter Marie-Louise.

Neuordnung des Reiches, Kanzler Metternich

Franz I. mit den Insignien des Kaisertums Österreich, von Friedrich Amerling gemalt, 1832

Seine historische Einschätzung als Kaiser des Vielvölkerstaates Österreich ist untrennbar mit dem Namen Metternich verbunden, der ab 1809 als führender Minister, ab 1821 als Haus-, Hof- und Staatskanzler die Politik Österreichs gestaltete, während der weitaus mehr an Pflanzenkunde als an Politik interessierte Kaiser eine eher repräsentative Funktion ausfüllte; dies geschah jedoch – was oft verschwiegen wird – in absoluter Übereinkunft mit dem Kaiser, der Metternich zu jedem Zeitpunkt hätte entlassen können.

Nichtsdestoweniger war Franz II. zutiefst von seinem Gottesgnadentum überzeugt und lehnte alles ab, was auch nur in die Richtung von Volksrechten wies. Nicht zuletzt aufgrund dieser ideologischen Grundeinstellung ließ er Metternich in politischen Fragen viel freie Hand. Das System Metternich und auch Franz waren – bedingt vor allem durch die Vorgänge in Frankreich 1830 (Julirevolution) – durch einen starren, heute starrsinnig anmutenden Konservatismus geprägt, dem jede noch so kleine Reform oder Veränderung verdächtig erschien.

In diesem Zusammenhang sei jedoch erwähnt, dass weder Franz noch Metternich die Initiatoren des Polizeiapparates waren:

„Was man später Franz, bei dessen mäßiger Beliebtheit in Kreisen österreichischer Historiker, leicht in die Schuhe schieben konnte, war puncto Polizei in Wirklichkeit von seiner Großmutter und seinem Onkel sowie seinem Vater vorgebildet. Die berüchtigte Keuschheitskommission seiner Großmutter war für die Österreicher ebenso eine Ungeheuerlichkeit wie die drakonischen, an mittelalterliche Methoden gemahnenden gewissen Strafsanktionen Josephs. Aber erst Leopold brachte aus Italien die dort längst entwickelten subtilen Methoden des Polizei-, Spitzel- und Denunziantenwesens mit nach Österreich. Derlei hielt noch immer keinen Vergleich mit dem, was sich in Frankreich unter dem Terror der Revolutionäre und den Methoden Kaiser Napoleons I. am Werk zeigte.“[6]

Von seiner Inszenierung als Person jedoch war der Kaiser erstaunlich modern: Auf vielen Darstellungen ist er nicht nur im Staatskleid, sondern wie ein ganz normaler Bürger im (damals noch nicht so vornehmen) Frack dargestellt. Auch auf habsburgischen Familienporträts findet man seinen Wesenszug zur Schlichtheit und Familiarität. Die kulturellen Ideale des Bürgertums setzten sich also an der Person des Kaisers viel eher durch als in seiner Politik.

Als er 1835 starb, erbte sein ältester Sohn Ferdinand die Kaiserwürde. Symptomatisch für den starrsinnigen Konservatismus Franz' und Metternichs in der Frage des ererbten Throns war, dass trotz Ferdinands offensichtlicher Regierungsunfähigkeit ein Wechsel in der Thronfolge nicht einmal erwogen wurde, was freilich nur ihrer Auffassung vom Recht des Erstgeborenen entsprach.

Zur Person

Kaiser Franz' Uniform im Heeresgeschichtlichen Museum

Titel und Wappen

Der am 11. August 1804 angenommene Große Titel lautete (bis 1806) vollständig:[7]

„Wir Franz der Zweyte; von Gottes Gnaden erwählter römischer Kaiser, zu allen Zeiten Mehrer des Reiches, erblicher Kaiser von Oesterreich; König in Germanien, zu Jerusalem zu Ungarn, zu Böheim, Dalmatien, Croatien, Slavonien, Galizien und Lodomerien; Erzherzog zu Oesterreich; Herzog zu Lothringen, zu Venedig, Salzburg, Steyer, Kärnthen und Krain; Großfürst zu Siebenbürgen; Markgraf in Mähren; Herzog zu Württemberg, Ober- und Nieder-Schlesien, Parma, Plazenz, Guastalla, Auschwitz und Zator, zu Teschen, zu Friaul und zu Zara; Fürst zu Schwaben, zu Eichstädt, Passau, Trient, Brixen, zu Berchtoltsgaden und Lindau; gefürsteter Graf zu Habsburg, Tyrol, Kyburg, Görz und Gradisca; Markgraf zu Burgau, zu Ober- und Nieder-Lausitz; Landgraf im Breisgau, in der Ortenau und zu Nellenburg; Graf zu Montfort und Hohenems, zu Ober- und Nieder-Hohenberg, Bregenz, Sonnenberg und Rothenfels, zu Blumeneck und Hofen; Herr auf der Windischen Mark, zu Verona, Vicenza, Padua etc. etc.“

Und, nach Niederlegung der Kaiserwürde 1806 (mit den verbliebenen Erbbesitzungen im heutigen Deutschland und geänderter Gewichtung der Würden und Besitztümer):[8]

„Wir Franz der Erste, von Gottes Gnaden Kaiser von Oesterreich, König zu Jerusalem, Hungarn, Böheim, Dalmazien, Croatien, Slavonien, Galizien und Lodomerien; Erzherzog zu Oesterreich; Herzog zu Lothringen, zu Salzburg, zu Würzburg und in Franken, zu Steyer, Kärnthen und Krain; Grossherzog zu Krakau; Grossfürst zu Siebenbürgen; Markgraf in Mähren; Herzog zu Sandomir, Massovien, Lublin, Ober- und Nieder-Schlesien, zu Auschwitz und Zator, zu Teschen und zu Friaul; Fürst zu Berchtoldsgaden und Mergentheim; gefürsteter Graf zu Habsburg, Kyburg, Görz und Gradiska; Markgraf zu Ober- und Nieder-Lausnitz und in Istrien; Herr der Lande Vollhynien, Podlachien und Brzesz, zu Triest, zu Freudenthal und Eulenberg und auf der windischen Mark etc. etc. etc.“

Nach dem Wiener Kongress 1815 wurde vorerst kein Großer Titel mehr festgelegt, sondern beschlossen, den Mittleren Titel so lange zu benutzen, bis sich die Lage stabilisiert hätte. Ein Großer Titel findet sich dann aber erst wieder bei Ferdinand (Latein, 1836), in deutscher Fassung bei Franz Joseph (1849, nach der Revolution). 1815 bezeichnet sich Franz I. als:[9]

„Nos Franciscus Primus, divina favente clementia Austriae Imperator, Hierosolimae, Hungariae, Bohemiae, Lombardiae et Venetiarum, Dalmatiae, Croatiae, Slavoniae, Galiciae et Lodomeriae Rex; Archidux Austriae; Dux Lotharingiae, Salisburgi, Styriae, Carinthiae, Carniolae, superioris et inferioris Silesiae, Magnus Princeps Transilvanae, Marchio Moraviae, Comes Habsburgi et Tyrolis, etc. etc.“

Zugleich erfolgte 1804 eine Neuregelung des Wappens.[7] Das große Wappen bestand fortan aus einem Rücken-, Haupt-, Mittel- und Herzschild sowie vier Neben-Mittelschilden (Mittelschide der Viertelung des Hauptschilds:

  • Der Große Deutsche Rückenschild zeigte den Doppeladler des Heiligen Römischen Reiches. Er war mit der Reichskrone bekrönt und wurde von zwei Greifen gehalten.
  • Der Österreichische Hauptschild, der auf der Brust des oben genannten Doppeladlers ruhte, war in komplizierter Weise mehrfach gespalten und geteilt, sodass er (ausschließlich des Herz- und des Mittelschildes) aus 69 Feldern bestand. Diese waren dergestalt angeordnet, dass in den vier Ecken vier Neben-Mittelschilde bestanden: heraldisch oben rechts Ungarn (mit Stephanskrone), oben links Böhmen (mit Wenzelskrone), unten rechts Galizien sowie die spanischen und lothringischen Erinnerungswappen, unten links Venedig. In den übrigen Feldern befanden sich die Wappen weiterer Erbländer. Der Hauptschild war mit der österreichischen Kaiserkrone bekrönt und von der Ordenskette des Goldenen Vließes sowie anderen Ordenszeichen umgeben.
  • Der Mittelschild zeigte den Doppeladler des Kaisertums Österreich, auf seiner Brust ruhte der österreichische Bindenschild („rot-weiß-rot“) als Herzschild.

Da der Deutsche Schild 1806 entfällt, schwebt ab dann der Österreichische Adler, weiter doppelköpfig (was erst mit Österreich-Ungarn wieder als Doppelkrone interpretiert wird, bei Franz stehen die diversen Königswürden alle im selben Range, nur hat das Apolostolische Königtum Ungarns durch die Verbindung mit der Titularwürde zu Jerusalem besondere religiöse Bedeutung nach Wegfall der Kaiserwürde als Schirmherr der Kirche).

Persönliche Interessen

Die Nachwelt nannte ihn den „Blumenkaiser“. Franz hatte wie jeder Habsburger ein Handwerk erlernen müssen und sich für die Gärtnerei entschieden, Botanikunterricht erhielt er von Nikolaus von Jacquin. Seine große Sammlung von Herbarien heimischer Pflanzen, die er selbst angelegt hatte, schenkte er dem (von ihm gegründeten) Botanischen Hof-Cabinett; sie bildet den Grundstock einer der inzwischen imposantesten Sammlungen der Welt: Vier Millionen Bögen mit getrockneten Pflanzen lagern inzwischen im Wiener Naturhistorischen Museum. Franz finanzierte auch botanische Expeditionen, etwa nach Brasilien.
Ihm wurde die Gattung Franciscea (Solanaceae) von Pohl gewidmet. Als Musikliebhaber spielte er auch Violine im Hausorchester seiner zweiten Frau Maria Theresa.

Seine im Laufe seines Lebens angesammelte Porträtsammlung zählt bis heute zu den größten der Welt. Im Alter von 17 begann er, Bücher und Portraits zu sammeln und die kleine monatliche Apanage, die ihm seitens Josephs zugestanden wurde, gab er fast gänzlich für dieses Steckenpferd aus.

Seine aus 40.000 Bänden bestehende, nicht mit der Hofbibliothek zu verwechselnde Privatbibliothek, die spätere „Fideikommiss-Bibliothek“ des Hauses Habsburg, war bei seinem Tod auf drei große und vier kleinere Zimmer in der Hofburg verteilt und bestand in erster Linie aus naturwissenschaftlichen und botanischen Werken, Klassikern, Reisebüchern und geografischen Werken und ist heute Teil der Österreichischen Nationalbibliothek.[2] Die Fideikommissbibliothek wird 2011–2013 wissenschaftlich analysiert und mit ähnlichen Bibliotheken verglichen.[10]

Seine Sammelleidenschaft hatte allerdings auch kuriose Züge: So ließ er den Afrikaner Angelo Soliman nach dessen Tod wegen seiner schwarzen Hautfarbe kurzerhand ausstopfen und neben ausgestopften Tieren ausstellen.[11]

Familie

Vorfahren

Ahnentafel Franz II.
Ururgroßeltern

Herzog
Karl V. Leopold (1643-1690)
∞ 1678
Eleonore von Österreich (1653-1697)

Philipp I. von Bourbon (1640-1701)
∞ 1671
Elisabeth von der Pfalz (1652-1722)

Kaiser
Leopold I. (1640-1705)
∞ 1676
Eleonore Magdalene von der Pfalz (1655-1720)

Herzog
Ludwig Rudolf von Braunschweig-Wolfenbüttel (1671-1735)
∞ 1690
Christine Luise von Oettingen (1671-1747)

Ludwig von Frankreich (1661-1711)
∞ 1680
Maria Anna von Bayern (1660-1690)

Odoardo II. Farnese (1666-1693)
∞ 1690
Dorothea Sophie von der Pfalz (1670-1748)

König
August II. (1670-1733)
∞ 1693
Christiane Eberhardine von Brandenburg-Bayreuth (1671-1727)

Kaiser
Joseph I. (1678-1711)
∞ 1699
Amalia Wilhelmine von Braunschweig-Calenberg (1673-1742)

Urgroßeltern

Herzog Leopold Joseph von Lothringen (1679-1729)
∞ 1698
Élisabeth Charlotte de Bourbon-Orléans (1676-1744)

Kaiser Karl VI. (1685-1740)
∞ 1708
Elisabeth Christine von Braunschweig-Wolfenbüttel (1691-1750)

König Philipp V. (1683-1746)
∞ 1714
Elisabetta Farnese (1692-1766)

König August III. (1696-1763)
∞ 1719
Maria Josepha von Österreich (1699–1757)

Großeltern

Kaiser Franz I. Stephan (1708-1765)
∞ 1736
Maria Theresia (1717-1780)

König Karl III. (1716-1788)
∞ 1738
Maria Amalia von Sachsen (1724-1760)

Eltern

Kaiser Leopold II. (1747-1792)
∞ 1765
Maria Ludovica von Spanien (1745-1792)

Franz II.

Ehen und Nachkommen

Franz heiratete in erster Ehe am 6. Jänner 1788 in Wien Prinzessin Elisabeth Wilhelmina (1767–1790), Tochter des Herzogs Friedrich Eugen von Württemberg und dessen Gattin Prinzessin Friederike Dorothea Sophia von Brandenburg-Schwedt. Mit ihr hatte er eine Tochter:

  • Louise Elisabeth (1790–1791), Erzherzogin
Maria Theresa von Neapel-Sizilien (1772–1807)

In zweiter Ehe heiratete er 1790 in Wien seine Cousine Maria Theresa von Neapel-Sizilien (1772–1807), Tochter König Ferdinands I. beider Sizilien und dessen Gattin Erzherzogin Maria Karolina von Österreich. Kinder dieser Ehe waren:

  1. ∞ 1810 Kaiser Napoleon I., Sohn Carlo Bonapartes und dessen Gattin Letizia Ramolino
  2. ∞ 1821 Graf Adam Adalbert von Neipperg, Sohn des Grafen Leopold Johann von Neipperg und dessen Gattin Gräfin Wilhelmine von Hetzfeld-Wilfenburg
  3. ∞ 1834 Graf Karl von Bombelles, Sohn des Marc Marie Marquis de Bombelles und dessen Gattin Prinzessin Angélique de Mackau
  • Ferdinand I. (1793–1875) ∞ 1831 Prinzessin Maria Anna, Tochter des König Viktor Emanuels I. von Sardinien-Piemont und dessen Gattin Erzherzogin Maria Theresia von Österreich-Modena d’Este
  • Karoline Leopoldine (1794–1795), Erzherzogin
  • Karoline Luise (1795–1799), Erzherzogin
Grab von Kaiser Franz II. in der Kapuzinergruft

In dritter Ehe heiratete Franz am 6. Jänner 1808 in Wien seine Cousine Prinzessin Maria Ludovika Beatrix von Modena (1787–1816), Tochter von Erzherzog Ferdinand von Österreich-Modena d’Este und dessen Gattin Prinzessin Maria Beatrix von Modena d’Este. Die Ehe blieb aufgrund der Krankheit von Maria Ludovika kinderlos.

In vierter Ehe heiratete er am 10. November 1816 in Wien Prinzessin Karoline Auguste von Bayern (1792–1873), Tochter König Maximilians I.. Warum die vierte Ehe kinderlos blieb, ist nicht eindeutig nachvollziehbar. Der Kaiser liebte alle seine vier Frauen.

Die Behinderungen bzw. frühen Todesfälle der Kinder lassen sich durch die enge Verwandtschaft der Ehepartner im Rahmen der Heiratspolitik der Habsburger erklären.

Ehrungen

Denkmal für Franz II. am Freiheitsplatz in Graz

Im Heeresgeschichtlichen Museum in Wien ist die Galauniform des Kaisers im Rang eines Feldmarschalls ausgestellt, woran ersichtlich ist, dass der Kaiser von kleiner Statur war. Weiters sind mehrere Portraits zu sehen, eines davon zeigt den Kaiser in jungen Jahren, ein weiteres von Leopold Kupelwieser zeigt ihn im Krönungsornat. Kunstvoll gearbeitete Prunkkassetten für das Armeekreuz, welches von Kaiser Franz 1814 für alle Teilnehmer an den Befreiungskriegen gestiftet wurde, sind ebenfalls zu sehen.[12]

Ihm zu Ehren wurde 1846 das Denkmal im Innenhof der Wiener Hofburg errichtet.[13]

Im Jahr 1848 (inoffiziell bereits 1825) wurde die Franzensbrücke nach ihm benannt, und nach dieser 1875 in Wien Leopoldstadt (2. Bezirk) die Franzensbrückenstraße. 1870 wurde der Teil der Wiener Ringstraße zwischen Schmerlingplatz und Schottengasse Franzensring benannt. Seit 1919 wurden die Bezeichnungen mehrmals geändert; heute heißt dieser Teil Dr.-Karl-Renner-Ring bzw. Universitätsring.

Ebenso wurde die 1838 erbaute Südtiroler Festung Franzensfeste nach ihm benannt.

Siehe auch

Literatur

Spezielleres:

  •  Christian Hattenhauer: Wahl und Krönung Franz II. AD 1792. Das Heilige Reich krönt seinen letzten Kaiser. Das Tagebuch des Reichsquartiermeisters Hieronymus Gottfried von Müller und Anlagen. Lang, Frankfurt am Main 1995, ISBN 3-631-48828-9.
  • Thomas Kuster, Das italienische Reisetagebuch Kaiser Franz´I. von Österreich aus dem Jahre 1819. Eine kritische Edition. phil.Diss, Innsbruck 2004
  • Thomas Kuster, Die Italienreise Kaiser Franz I. von Österreich 1819, in: Römische Historische Mitteilungen, Bd. 46, Rom/Wien 2004, 305-334
  • Thomas Kuster, Erzherzog Franz II.(Kaiser Franz II./I.). I: Prinzenrolle. Kindheit vom 16. bis 18. Jahrhundert. Ausstellung. Kunsthistorisches Museum, Sammlungen Schloss Ambras. Innsbruck 2007, 241-243, Kat.-Nr. 6.18
  • Thomas Kuster, Stundenplan für Erzherzog Franz, in: prinzenrolle. Kindheit vom 16. bis 18. Jahrhundert. Ausstellung. Kunsthistorisches Museum, Sammlungen Schloss Ambras. Innsbruck 2007, 243–245, Kat.-Nr. 6.19
  • Thomas Kuster, Das Fest fiel herrlich aus. Zeremoniell und Etikette bei der Italienreise Kaiser Franz I. von Österreich 1819. in: Römische Historische Mitteilungen, Bd. 50, Rom/Wien 2008

Weblinks

 Commons: Franz II. – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Franz II. – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise

  1. Documentarchiv.de, besucht am 12. April 2010
  2. a b Konrad Kramar, Petra Stuiber: „Die schrulligen Habsburger – Marotten und Allüren eines Kaiserhauses“. Ueberreuter, 1999.
  3. a b  Heinrich Drimmel: Kaiser Franz. S. 52.
  4. Allerhöchste Pragmatikal-Verordnung vom 11. August 1804. In: Otto Posse: Die Siegel der Deutschen Kaiser und Könige. Band 5, Beilage 2, Seite 249f, auf Wikisource – Proklamation des Kaisertums Österreich
  5. Bey der Niederlegung der kaiserlichen Reichs-Regierung. Dekret vom 6. August 1806. In: Otto Posse: Die Siegel Band 5, Beilage 3, Seite 256f – Verkündung der neuen Titulatur als Kaiser von Österreich
  6.  Heinrich Drimmel: Kaiser Franz. S. 94f.
  7. a b Allerhöchste Pragmatikal-Verordnung vom 11. August 1804 ( Patent vom 11. August 1804, PGS Bd. 22 Nr 20). In: Otto Posse: Die Siegel der Deutschen Kaiser und Könige. Band 5, Beilage 2, Seite 249f, auf Wikisource – Deutscher und lateinischer Wortlaut bei Franz I./II.
  8. Dekret vom 6. August 1806 Bey der Niederlegung der kaiserlichen Reichs-Regierung. In: Otto Posse: Die Siegel der Deutschen Kaiser und Könige. Band 5, Beilage 3, Seite 256ff
  9. 3. Juni 1815, Quelle unbek., angegeben in: Franz Gall: Österreichische Wappenkunde. Böhlau, Wien 1992; zitiert in Austria-Hungary: Apostolic King (Hungary), Habsburg Titles. In: Royal Styles. heraldica.org, 18. Jänner 2007, abgerufen am 16. Oktober 2011 (englisch).
  10. Bestände der Privatbibliothek Kaiser Franz' I. werden erstmals wissenschaftlich aufgearbeitet, in: Newsletter der Österreichischen Nationalbibliothek, Nr. 4 / November 2010, S. 8
  11. Hannes Leidinger, Verena Moritz, Berndt Schipper; Schwarzbuch der Habsburger. Eine unrühmliche Geschichte eines Herrscherhauses;Franz Deuticke Verlagsgesellschaft m.b.H, Wien-Frankfurt/M.,2003; ISBN 3-216-30603-8
  12. Manfried Rauchensteiner, Manfred Litscher (Hg.): Das Heeresgeschichtliche Museum in Wien. Graz, Wien 2000 S. 40.
  13. Denkmal Kaiser Franz II./I. in der Wiener Hofburg: Idee, Auftrag, Figurenprogramm
Vorgänger Amt Nachfolger
Leopold II. Kaiser des heiligen römischen Reiches
König in Germanien
(Franz II.)

1792–1806

Auflösung des Reiches 1806

Proklamation 1804
Kaiser von Österreich
(Franz I.)

1804–1835
Ferdinand I.
Vorgänger Amt Nachfolger
Leopold II. König von Ungarn, etc.
1792–1835
Ferdinand V. (als Kaiser I.)
König von Böhmen, etc.
1792–1835
König von Kroatien, Slawonien
1792–1835
Ferdinand I.
König von Dalmatien
1792-1805

(Napoleon [I.] als König von Italien)
König von Galizien und Lodomerien
1792–1835
Ferdinand I.

(Napoleon [I.] als König von Italien)
König der Lombardei und Venedigs, etc.
1815-1835

(Napoleon [I.] als Kaiser der Franzosen)
König von Dalmatien
(fortgesetzte Amtszeit)

1814-1835
–––
(Napoleon [I.] als Kaiser der Franzosen)
König von Illyrien, Herzog von Krain, Kärnten, etc.
1814-1835
Vorgänger Amt Nachfolger
Leopold II. Erzherzog von Österreich
Herzog von Steyer, etc.

1792–1835
Ferdinand I.
Herzog von Luxemburg
1792–1795

(Direktorium Frankreichs; restituiert 1815: Wilhelm I.)
Herzog von Mailand
1792–1797

(Direktorium der Cisalpinischen Republik)

(Ludovico Manin, Doge der Republik Venedig)
Herzog von Venedig
1797–1805
Napoleon [I.]
(als König von Italien)
Leopold II. Herzog von Krain, Kärnten, etc.
1792—1809
Napoleon [I.]
(als Kaiser der Franzosen)
Ferdinand von Toskana
(als Kurfürst)
Herzog von Salzburg
1805—1809
Maximilian Joseph (als König von Bayern I.) Herzog von Salzburg
(zweite Amtszeit)

1816—1835
Ferdinand I.
Vorgänger Amt Nachfolger

Gründung
Präsident des Deutschen Bundes
1815–1835
Ferdinand von Habsburg [I.]