Franz Peterseil

Franz Peterseil

Franz Peterseil (* 4. Mai 1907 in St. Georgen an der Gusen; † 1991) war ein österreichischer Politiker (NSDAP) und SS-Führer.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Wirken

Nach dem Besuch der Volksschule und der Bürgerschule war Franz Peterseil von März 1923 bis 1928 in der Landwirtschaft seines Vaters tätig. Anschließend gehörte er von 1928 bis 1933 dem Bundesheer an, aus dem er eigenen Angaben zufolge wegen seiner nationalsozialistischen Einstellung – NSDAP-Mitglied seit 1928 – und Betätigung entlassen wurde. In den Folgejahren war er zeitweise arbeitslos. Ansonsten arbeitete er als Hausknecht und als Chauffeur bei der jüdischen Firma Mostny & Brück.

1933 wurde Peterseil wegen seiner politischen Betätigung erstmals in Haft genommen. In den folgenden Jahren war er Führer im illegalen nationalsozialistischen Militärsturm (Terrorsturm) in Österreich. 1934 wurde er zum SS-Sturmbannführer im Mühlviertel und 1935 zum Führer der SS-Standarte 14 Linz ernannt, bevor er 1937 mit der Führung der Brigade 4 Oberösterreich betraut wurde. Nach weiteren Verhaftungen verbrachte er innerhalb von vier Jahren bis 1938 insgesamt 23 Monate und 18 Tage in Haft, davon 11 Monate im Anhaltelager Wöllersdorf, 7 Monate im Kerker und 5 Monate in Untersuchungshaft. Während dieser Zeit unternahm er drei Hungerstreiks von acht, sieben und sechs Tagen. Daneben wurde er ein Jahr lang erfolglos steckbrieflich gesucht. Als die Linzer Kriminalpolizei im November 1937 in einem Linzer Gasthaus 21 Teilnehmer einer Führerbesprechung der SA aus dem Mühlviertel und aus Linz festnahm, gelang es dem ebenfalls anwesenden Peterseil zu entkommen.

Nach dem „Anschluss Österreichs“ an das Deutsche Reich tat Peterseil sich unter anderem durch die Arisierung der Linzer Traditionsfirma S. Spitz hervor. Von April 1938 bis zum Ende der NS-Herrschaft im Frühjahr 1945 saß er zudem als Abgeordneter für das Land Österreich im nationalsozialistischen Reichstag. Peterseil erreichte in der SS den Rang eines Standartenführers.

Schanovsky charakterisierte beschrieb Peterseil als den Typus des Funktionärs, der die Verbrechen des NS-Regimes recht eigentlich erst möglich gemacht habe: „Peterseil war gewiss keiner der großen Blutsäufer des Dritten Reiches. Aber der Bauernsohn [...] gehörte zu jenen mittleren NS-Kadern, die die schreckliche Effizienz des totalitären NS-Regimes garantierten.“[1]

Literatur

  • Franz Gindlstrasser: Franz Peterseil. Eine nationalsozialistische Karriere, 2003.
  • Erich Stockhorst: 5000 Köpfe – Wer war was im Dritten Reich. Kiel 2000, ISBN 3-88741-116-1.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Hugo Schanovsky: Einmal Margareten und zurück. Kindergeschichten für Erwachsene, 2003, S. 213.