Franz Stockreiter

Franz Stockreiter (* 1952) ist ein österreichischer Straftäter, der wegen Doppelmordes zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. In der Justizanstalt Göllersdorf ermordete er eine Therapeutin, was zu einer veränderten Schwerpunktsetzung im Umgang mit gefährlichen Tätern in dieser Haftanstalt führte.

Inhaltsverzeichnis

Doppelmord

Der 22-jährige Zimmerer Franz Stockreiter wird im April 1974 verhaftet. Seine 18-jährige Ex-Freundin Leopoldine R. hatte ihn angezeigt, nachdem er ihr wochenlang aufgelauert und sie einmal sogar mit dem Messer bedroht hatte. Nach wenigen Stunden Untersuchungshaft wird Stockreiter wieder entlassen. Kurz darauf, am 12. April 1974, versteckt er sich in der Scheune auf dem Anwesen seiner Ex-Freundin und deren Eltern in Altenmarkt an der Triesting. Als er dabei von der 53-jährigen Mutter von Leopoldine überrascht wird, erschlägt er die Frau mit einem Holzprügel. Durch die Hilfeschreie alarmiert, läuft Leopoldine R. zur Scheune und wird ebenfalls von ihm erschlagen. Die von Nachbarn gerufene Polizei kann den zu Fuß geflüchteten Stockreiter bei Heiligenkreuz verhaften.

Im Juni 1975 beginnt sein Prozess am Landesgericht Wiener Neustadt, wobei er aussagt, den Tod seiner Ex-Freundin am Mordtag bereits geplant zu haben und deren Mutter nur ermordete, um ihr den Anblick der später getöteten Tochter zu ersparen. Er wird zu lebenslanger Haft verurteilt und in die Justizanstalt Stein überstellt.

Mord im Gefängnis

Als er dort anfängt unter Wahnvorstellungen zu leiden, wird er 1988 in die Sondervollzugsanstalt Göllersdorf verlegt und über Jahre hinweg therapiert. Trotz seiner Phantasien werden dem Doppelmörder zwischen 1988 und 1995 exakt 194 Freigänge genehmigt, um ihn auf eine mögliche Haftentlassung vorzubereiten. Als er im März 1995, durch seine Beschäftigung als Hausarbeiter, einige seiner Gefängnisakten mit scheinbar negativen Prognosen im Altpapier findet, glaubt er keine Chance mehr auf Freiheit zu haben. Er verschanzt sich mit einer Kettensäge und einem Benzinkanister im Müllraum der Haftanstalt und verlangt mit dem für seine Entlassung zuständigen Richter zu sprechen. Durch die Hilfe der ihn behandelnden, 39-jährigen Psychotherapeutin Veronika Kreuziger-Hitz, kann er zur Aufgabe überredet werden. Zwei Wochen später, am 4. April 1995, trifft Veronika Kreuziger-Hitz ihn wieder zu einer therapeutischen Sitzung. Als die Psychotherapeutin ihm mitteilt, dass sie die Haftanstalt wegen einer Weiterbildung in wenigen Wochen verlassen wird, dreht Stockreiter erneut durch und tötet die Frau mit einem im Müll gefundenen Stanley-Messer. Er wird kurz darauf verhaftet und im Dezember 1995 vom Landesgericht Korneuburg erneut zu lebenslanger Haft verurteilt.

Die Ermordung einer Therapeutin in einer Haftanstalt gilt als einziger Fall dieser Art in Österreich und führte zu einer veränderten Schwerpunktsetzung in der JA Göllersdorf. Während bisher im therapeutischen Bereich vor allem die Vertraulichkeit, die Bedachtnahme auf eine möglichst unbeeinträchtigte Therapeuten-Klienten-Beziehung im Vordergrund stand, ist jetzt der Schutz der Angehörigen der Betreuungsdienste und eine verstärkte Überwachung durch Justizwachebeamte an erster Stelle. Diese erfolgt, je nach den örtlichen Gegebenheiten, durch eine optische Überwachung oder mit Hilfe von Personen-Notrufgeräten. Bei baulichen Änderungen wird zukünftig auch vorgesehen, dass sich die Zimmer, in denen Therapiesitzungen stattfinden sollen, in der Nähe von Räumen befinden, in denen sich regelmäßig Beamte der Justizwache aufhalten.

Literatur

  • Spuren des Bösen von Alexandra Wehner (S. 105-110)

Weblinks