Franzi Löw

Franziska „Franzi“ Danneberg-Löw (* 2. Jänner 1916 in Wien[1]; † 1997 in Wien) war eine österreichische Widerstandskämpferin.

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Leben

Nach der Matura absolvierte Löw eine Ausbildung an der Fürsorgerinnen-Schule von Ilse Arlt. Löw begann im September 1937 als Fürsorgerin der Israelitischen Kultusgemeinde Wien (IKG). Nach dem „Anschluss Österreichs“ übernahm sie von der Gemeinde Wien im August 1938 die Vormundschaft für rund 200 jüdische Minderjährige, die die Gemeinde dem IKG übergeben hatte. Zudem fungierte sie als gesetzliche Vertreterin von 20 geistig behinderten jüdischen Jugendlichen, die in einem nichtjüdischen Heim untergebracht waren und deren Eltern emigriert waren. In den Jahren der NS-Herrschaft versuchte Löw stets, die Kinder vor der Deportation zu retten. Häufig war sie dabei erfolgreich. So besorgte sie Taufscheine von verstorbenen, „arischen“ Männern und nutzte sie als Nachweis für die angebliche Vaterschaft der Toten zu den bedrohten Kindern. Als „Halbjuden“ wurden diese dann nicht deportiert. Untergetauchte Juden, die so genannten „U-Boote“, unterstützte sie mit Lebensmittelmarken. Als im Juni 1944 in Wien Lager für 600 ungarische Juden eingerichtet wurden, organisierte Löw bis Kriegsende Kleidung für die Internierten. Zudem hielt sie Kontakt zwischen über mehrere Lager verteilten Familien. Im März 1945 versteckte sie zwölf Internierte bei nichtjüdischen Familien. Die Ungarn waren kurz vor dem Abtransport in die Vernichtungslager geflohen. Löws späterer Ehemann, der Richter Wilhelm Danneberg, der wegen „Judenfreundlichkeit“ suspendiert worden war, unterstützte sie in ihren Widerstandshandlungen.

1945 trat Löw als Fürsorgerin in den Dienst der Stadt Wien. Bis zu ihrer Pension im Jahr 1979 war sie als Hauptfürsorgerin im Gesundheitsamt tätig. 1966 erhielt Löw das Goldene Verdienstzeichen der Republik Österreich. Holocaust-Überlebende begegneten Löw jedoch nach dem Krieg häufig mit Misstrauen, Verbitterung und Hass, weil sie ihr vorwarfen, als Mitarbeiterin des „Judenrates“ mit den Nationalsozialisten kollaboriert zu haben.[2]. So zeigte der Vater eines im KZ Auschwitz ermordeten Kindes Löw an, weil sie die Ausreise seines Kindes verschleppt habe[3]

Zu den von Franzi Löw Geretteten gehören der Schriftsteller Robert Schindel und der Bodybuilder Harry Gelbfarb[4]. Schindler setzte Löw mit der Figur der Esther in seinem Theaterstück "Dunkelstein" ein literarisches Denkmal.[5]

Literatur

  • Evelyn Adunka: Die vierte Gemeinde. Die Geschichte der Wiener Juden von 1945 bis heute. Philo, 2000
  • Regina Böhler: Die Entwicklung jüdischer Fürsorglichkeit in Wien zwischen 1929 und 1945. S. 277–302. In: Ernst Berger (Hrsg.): Verfolgte Kindheit. Kinder und Jugendliche als Opfer der NS-Sozialverwaltung. Böhlau Verlag, Wien 2007, ISBN 978-3-205-77511-9.
  • Marianne Enigl: „In jedem Fall trägt der Jude die Verantwortung“, in: Profil 28/2007, S. 36–40, hier
  • Doron Rabinovici: Instanzen der Ohnmacht, Wien 1938–1945. Der Weg zum Judenrat. Jüdischer Verlag, Frankfurt am Main 2000
  • Robert Schindel: Dunkelstein. Ein Lesedrama. Haymon Verlag 2010, ISBN 3852186455

Weblinks

Einzelnachweise

  1. http://www.wien.gv.at/stadtentwicklung/projekte/zielgebiete/westguertel/pdf/handout.pdf
  2. http://www1.yadvashem.org/odot_pdf/Microsoft%20Word%20-%205429.pdf
  3. http://www.vwi.ac.at/ausstellung_jmw/pressespiegel/2007-07-09_Profil_Nr28_IKG-Archiv-Austellung_JMW_k.pdf
  4. http://www.doew.at/frames.php?/service/archiv/eg/dannebergloew2.html
  5. http://www.ikg-wien.at/wp-content/uploads/2011/02/683_magazin_12.pdf