Franziskanerkloster Reutte

Kirche zur hl. Anna des Franziskanerklosters Reutte (Januar 2011)

Das Franziskanerkloster Reutte befindet sich im Zentrum der Marktgemeinde Reutte im Tiroler Außerfern.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Am 15. März 1628 fand in Anwesenheit des Stifters Erzherzog Leopold V. und seiner Gemahlin Claudia von Medici die Grundsteinlegung für das Franziskanerkloster in Reutte statt. Die Franziskaner erhielten auch die angrenzende Kirche zur hl. Anna für ihre Seelsorgsarbeit. Nach zweijähriger Bauzeit wurde das Kloster im Jahre 1630 vollendet. Bereits im Juli 1632, während des Dreißigjährigen Krieges, beschädigten und plünderten schwedische Soldaten das Kloster und die Kirche.

In den Jahren 1703 und 1846 brannte der Klosterkomplex ab, wurde jedoch mit der finanziellen Hilfe der Reuttener Bevölkerung jeweils wieder aufgebaut. Im 18. Jahrhundert war im Kloster ein eigenes Theologiestudium für Franziskaner untergebracht. Von 1775 bis 1782 waren die Franziskaner unter anderem auch als Militärseelsorger auf der Burg Ehrenberg tätig. Von 1820 bis 1861 war Reutte Noviziatskloster.

Auf Grund des starken Bevölkerungswachstums von Reutte wurde 1945 eine eigene Pfarre an der Klosterkirche eingerichtet. Um einen Ort für pfarrliche Zusammenkünfte zu schaffen, baute man von 1959 bis 1961 das „Paulusheim“. Von 1961 bis 1967 wurde die Kirche schrittweise renoviert und umgestaltet, 1976 der Glockenstuhl erneuert. Von 1977 bis ins Jahr 2000 beherbergte das Kloster wieder das Noviziat der Tiroler Franziskanerprovinz. Heute leben vier Franziskaner im Kloster, die sich vor allem der Krankenhaus- und Pfarrseelsorge widmen.

Weihnachtskrippe und Ostergrab

Das Reuttener Ostergrab

Da der Brand von 1846 auch fast das ganze Kircheninventar zerstörte, schaffte man in den Folgenjahren unter anderem eine Bretterkrippe und ein neues Ostergrab an. Sie wurden jedes Jahr zu den entsprechenden Festzeiten in der Klosterkirche aufgestellt und dienten zur anschaulichen Darstellung der Weihnachts- und Osterereignisse. Nach vielen Jahren, in denen dieser Brauch als nicht mehr zeitgemäß galt, wurden Krippe und Grab restauriert und wieder aufgestellt:

  • Die „Weihnachtskrippe“ stammt ursprünglich aus dem Franziskanerkloster in Hall in Tirol. Dort wurde sie um 1738 vom Kunstmaler Franz Hueber geschaffen und dürfte somit die älteste in Tirol erhaltene Bretterkrippe sein. Als Besonderheit zeigt sie neben den üblichen Heiligen Drei Königen noch einen vierten, der der Legende nach zur Anbetung des Jesukindes zu spät kam, weil er auf dem Weg viele Werke der Barmherzigkeit verrichtete. Nach fast 30 Jahren wurde die Krippe wieder 1991 in der Kirche aufgestellt.
  • Das „Ostergrab“ bauten im Jahre 1848 der Maler Anton Köpfle (1807–1879) aus Höfen und der Zimmermeister Josef Schweighofer. Es wurde im Jahre 1936 zum letzten Mal aufgestellt, bis es renoviert, seit 2004 in der Osterzeit wieder in der Klosterkirche erstrahlte.

Die hl. Anna in Reutte

Anna selbdritt in der Franziskanerkirche Reutte (Kupferstich)

Bereits im 15. Jahrhundert gab es in Reutte eine Kapelle zur hl. Anna, die auf Anregung des hl. Nikolaus von der Flüe erbaut worden sein soll. Um das Jahr 1515 schuf der Künstler Jörg Lederer die Annenstatue, die alle Brände der Klosterkirche überstand, und heute über dem Hochaltar thront. Es handelt sich dabei um eine sogenannte Anna-Selbdritt, da neben der hl. Anna auch ihre Tochter – die hl. Maria – und das Jesukind dargestellt sind. Heute ist sie die Heilige Patronin der Kirche und der Klosterpfarre.

Literatur

  •  Florentin Nothegger: Das Franziskanerkloster in Reutte. In: Festschrift zur 350-Jahr-Feier. Reutte 1978.
  •  Lorenz Staud (Hrsg.): Ostergrab und Weihnachtskrippe. Klosterkirche St. Anna – Reutte. Reutte 2004.

Weblinks

 Commons: Franziskanerkloster Reutte – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

47.48833333333310.718333333333Koordinaten: 47° 29′ 18″ N, 10° 43′ 6″ O