Friedrich III. (HRR)

Hans Burgkmair der Ältere (1473–1531): Kaiser Friedrich III., Kunsthistorisches Museum Wien
Miniatur im Greiner Marktbuch (um 1490)

Friedrich III., genannt der Friedfertige, (* 21. September 1415 in Innsbruck; † 19. August 1493 in Linz) aus dem Hause Habsburg war als Friedrich V. ab 1424 Herzog von Kärnten, ab 1439 Regent in ganz Innerösterreich, als Friedrich IV.[1] ab 1440 römisch-deutscher König, als Friedrich III. ab 1452 Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, und als Friedrich V. ab 1457 amtierender Erzherzog von Österreich.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Friedrich war der älteste Sohn Herzog Ernsts des Eisernen aus der leopoldinisch-innerösterreichischen Linie der Habsburger und dessen zweiter Frau Cimburgis von Masowien. Er war mit Eleonore Helena von Portugal, der Tochter des portugiesischen Königs Eduards I. und der Eleonore von Aragonien, verheiratet.

Friedrich wurde am 9. September 1436 am Heiligen Grab in Jerusalem durch den Prior des Franziskanerklosters zum Grabesritter geschlagen.[2] Er wurde am 2. Februar 1440 in Frankfurt am Main von den Kurfürsten als Nachfolger Albrechts II. zum deutschen König gewählt und am 17. Juni 1442 in Aachen gekrönt. Am 1. August 1451 wurde in Lissabon im Beisein des portugiesischen Königs Afonso V. und weiterer prominenter Gäste die Ehe zwischen der Infantin Eleonora und Friedrich, als dessen Vertreter der Gesandte Jakob Motz fungierte, „per procurationem“ geschlossen. Monate später erst trafen sich Friedrich und Eleonora in Siena das erste Mal. Kurze Zeit später reisten Friedrich und Eleonora nach Rom, wo am 16. März 1452 Papst Nikolaus V. die Trauung des königliches Paares vornahm; wenige Tage später folgte die gemeinsame Kaiserkrönung, die letzte eines deutschen Herrschers in der Stadt Rom. Danach ließ sich nur noch Karl V. im Jahre 1530 vom Papst krönen, allerdings in Bologna.

Friedrich schloss mit Papst Nikolaus V. und der Kurie 1448 das Wiener Konkordat ab, das bis 1806 Gültigkeit behielt und die Verbindungen der Habsburger mit dem Papsttum regelte.

Eine Reichsreform lehnte Friedrich ab, da er davon ausging, dass die Fürsten darunter eine Stärkung ihrer Rechte verstehen würden. Er konnte nur knapp seine Abwahl und die Wahl eines Gegenkönigs durch die Kurfürsten verhindern.

Friedrich erteilte seiner Schwester Margaretha, und Gattin des sächsischen Kurfürsten Friedrichs II., auf dessen Wunsch hin im Jahre 1463 das Münzrecht in ihrer Münzstätte Colditz bis zu ihrem Lebensende.

Wappen Kaiser Friedrichs III.
Enea Silvio da Piccolomini (der spätere Papst Pius II.) stellt Friedrich III. seine Braut Eleonora von Portugal vor, Ausschnitt aus einem Fresko von Pinturicchio (1454-1513)

Friedrichs Politik war wenig spektakulär, aber vielfach erfolgreich. Er scheute militärische Auseinandersetzungen und bevorzugte politische Konfliktlösungen. Er hatte zahlreiche Gegner, darunter seinen Bruder Albrecht VI.; Albrecht beteiligte sich auf der Seite der Gegner Friedrichs unter anderem am Badisch-Pfälzischen Krieg, der mit der Gefangennahme Ulrichs V. von Württemberg durch Hans von Gemmingen in der Schlacht bei Seckenheim endete und für die Kaiserlichen verloren ging.

Auch im alten Zürichkrieg (1440–1450), den die Habsburger auf Seiten der Zürcher gegen die Alte Eidgenossenschaft führten, blieb Friedrich erfolglos. In seine Regierungszeit fielen auch die Burgunderkriege (1474–1477).

Im Jahre 1469 wandte sich mit Andreas Baumkircher in der so genannten Baumkircherfehde selbst einer seiner engsten Getreuen von ihm ab.

Mit dem Tode seines Vaters Ernst von Österreich 1424 war Friedrich Herzog von Österreich geworden. Er hatte dabei als Friedrich V. die Nachfolge in Innerösterreich (d. h. Kärnten, Steiermark und Krain) angetreten. 1439 wurde er außerdem zum Vormund für Ladislaus, den postum geborenen Erben des in diesem Jahr gestorbenen römisch-deutschen Königs Albrecht II. Dieser hatte Ladislaus im Bereich der österreichischen Erblande Niederösterreich (Österreich ob und unter der Enns) hinterlassen. Bei der Ausübung dieses Vormundschaftsrechts wird Friedrichs Bemühen deutlich, die Kontrolle über Niederösterreich zu behaupten und es Ladislaus als möglichen Konkurrenten um die Herrschaft vorzuenthalten. 1452 wurde Ladislaus von den niederösterreichischen Ständen befreit. Ähnlich übte Friedrich die Vormundschaft über seinen Neffen Siegmund aus der Tiroler Linie aus (ebenfalls seit 1439; in diesem Jahr starb der bisherige Vertreter dieser Linie, Friedrich IV.).

Trotz vielfacher Anstrengungen konnte Friedrich weder Ungarn noch Böhmen seinem Reich einverleiben. An Matthias Corvinus, König von Ungarn, musste er die Stephanskrone herausgeben und mit ihm einen unvorteilhaften Frieden schließen, der es dem ungarischen König ermöglichte, bis zu seinem Tod fünf Jahre in Wien zu residieren.

In den österreichischen Erblanden konnte sich Friedrich jedoch am Ende durchsetzen. 1457 starb Ladislaus, doch machte sein Bruder Albrecht VI. Friedrich zunächst das Erbe Donauösterreichs streitig. Zuvor hatte sich Albrecht VI. von Sigmund von Tirol dessen Ansprüche abtreten lassen. Nach teils kriegerischen Auseinandersetzungen konnte sich Friedrich 1463 jedoch nach dem - unter ungeklärten Umständen eingetretenen - Tod Albrechts VI. durchsetzen.

Münzsiegel Kaiser Friedrichs III.

Da er seinen Untertanen keine politische oder wirtschaftliche Sicherheit bieten konnte, waren die Bürger der Städte, vor allem Wiens, immer auf der Seite seiner Gegner; zuerst auf der Albrechts VI., später unterstützten sie Matthias Corvinus. Friedrich wurde dadurch zu einem (zu seiner Zeit bereits anachronistischen) Wanderleben verurteilt. Er residierte abwechselnd in Graz, Linz und Wiener Neustadt. Wiener Neustadt galt seine besondere Zuneigung, so verdankt die Stadt ihm die Burg und das Neukloster.

Unter der Oberfläche zeigt sich jedoch eine erstaunliche Zähigkeit Friedrichs: Sein Sendungsbewusstsein für das Haus Habsburg war echt und tiefgehend. Auf ihn geht die Erweiterung des habsburgischen Machtbereichs zum Großreich zurück.

Durch die Verheiratung seines Sohnes Maximilian I. im Jahr 1477 mit der Tochter und einzigen Erbin Karls des Kühnen Maria von Burgund erwarb er 1482 die reichen Niederlande für Österreich und die Habsburger, die so zum Haus Österreich und Burgund aufstiegen. Ferner gelang es ihm, die Wahl seines Sohnes Maximilian zum deutschen König, die am 16. Februar 1486 in Frankfurt stattfand, noch zu Lebzeiten durchzusetzen.

Die Verheiratung seiner Tochter Kunigunde von Österreich mit Herzog Albrecht von Bayern war ein Resultat von Intrigen und Täuschungsmanövern; Albrecht von Bayern hatte widerrechtlich Reichslehen für sich in Anspruch genommen, hielt dann um die Hand der fern vom Vater in Innsbruck weilenden Kunigunde an und offerierte dem Kaiser die Reichslehen als Mitgift Kunigundes. Friedrich ließ sich darauf ein, entzog aber seine Zustimmung zur Hochzeit, als Albrecht Regensburg in seinen Besitz nahm. Bevor Kunigunde vom kaiserlichen Rückzug erfuhr, heiratete Albrecht am 2. Januar 1487 Kunigunde und vollzog die Ehe. Ein Krieg zwischen Schwiegervater und Schwiegersohn konnte nur durch das Eingreifen des Kaisersohns Maximilian verhindert werden.

Der Matthias Corvinus zugeschriebene Spottvers „Mögen andere Kriege führen, Du glückliches Österreich heirate“ wurde zum Motto der Dynastie, das die Umstände der habsburgischen Gebietserwerbungen jedoch sehr einseitig darstellte; tatsächlich mussten die Habsburger zur Vermehrung und Verteidigung ihrer Besitztümer zahlreiche Kriege führen.

Auch in kleineren Dingen erwies sich Friedrichs Durchsetzungsfähigkeit: So konnte er 1469 die Erhebung von Wien und Wiener Neustadt zu Bischofssitzen erwirken – ein Vorhaben, an dem vor ihm alle Herzöge von Österreich gescheitert waren.

Friedrichs Monogramm mit dem Motto aeiou

Friedrich soll sehr geizig und von Edelsteinen, von Gold- und Silberobjekten besessen gewesen sein, er sammelte aber auch Handschriften, Bilder und naturwissenschaftliche Geräte. 60 Kisten umfassten seine Schätze, die er auf seinen verschiedenen Burgen gehortet hatte.

Bekannt blieb Friedrichs geheimnisvolles Motto A.E.I.O.U., für das es eine Reihe von Deutungen gibt, etwa „Alles Erdreich ist Oesterreich untertan“, „Austriae est imperare omni universo“ oder auch die Deutung als Anagramm des Namens „Jehova“. Allem Anschein nach war AEIOU aber keine Staatsdevise, sondern ein persönliches mystisches Monogramm. Der eigentliche Wahlspruch des Herrschers lautete Felix oblivio, „das Glück liegt im Vergessen“, was freilich nur die Kurzform eines Spruches sein soll, welcher vollständig Rerum irrecuperabilium felix oblivio lautet – frei übersetzt: „Glücklich ist, wer vergisst, was doch nicht zu ändern ist“. Nach anderen Quellen lautet die Devise allerdings Hic regit, ille tuetur („dieses – die Weisheit – regiert, jenes – das Schwert – schützt“).

Darstellung der Beinamputation 1493

Nachdem sich Friedrich 1490 nach Linz zurückgezogen hatte, widmete er sich der Alchimie und Astrologie. Er ließ die Linzer Burg zur Festung ausbauen und zog sich am liebsten auf die Aussichtswarten zurück.

Im Alter litt Friedrich an Altersbrand. Mit einem goldenen Tuch, so berichtete eine Gesandtschaft aus Venedig 1492, bedeckte der alte Kaiser sein krankes linkes Bein. Anfang 1493 wurden schließlich sein Fuß und das Bein bis zum Knie schwarz und er hatte auch kein Gefühl mehr in den Zehen. Am 8. Juni unterzog er sich einer Amputation, für die die renommiertesten Ärzte seiner Zeit von weit her geholt wurden. Die Operation, die bei vollem Bewusstsein des Kaisers stattfand, verlief erfolgreich.

Grabmal Kaiser Friedrichs III. im Wiener Stephansdom

Am 19. August 1493 starb er in den Mittagsstunden im Alter von 78 Jahren nach mehr als 50-jähriger Herrschaft. Die Ursache seines Todes ist nicht geklärt. Angeblich soll das übliche Fasten an Mariä Himmelfahrt (15. August) einen Rückfall ausgelöst haben und daher wurde, wie in damaliger Zeit durchaus üblich, als Todesursache der Verzehr von Melonen genannt. Laut Koller, dem Verfasser einer neueren wissenschaftlichen Biographie Friedrichs III., wäre es möglich, dass „ein heftiger und akuter Durchfall ein Anzeichen für sein Lebensende war, das unmittelbar wohl nicht von der Beinamputation selbst verursacht wurde“.[3]

1513 wurde Friedrich im rechten Seitenschiff des Wiener Stephansdomes in seinem Hochgrab beigesetzt. Dieses Grabmal aus Adneter Marmor von Niclaes Gerhaert van Leyden ist eines der bedeutendsten plastischen Kunstwerke des Spätmittelalters. Herz und Eingeweide Friedrichs wurden in der Linzer Stadtpfarrkirche bestattet.

Die Glanzlosigkeit seiner Politik wurde schon von Zeitgenossen mit einer Mischung aus Verachtung und verhaltenem Erstaunen über seine Zähigkeit und rätselhafte Unbesiegbarkeit kommentiert. Er wurde mit Spottnamen wie „des Römischen Reiches Erzschlafmütze“ bedacht, konnte dem Kaisertum als überparteilicher Instanz aber dennoch eine gewisse Achtung verschaffen. Von der Nachwelt wird Friedrich III. sehr unterschiedlich beurteilt.

Friedrichs Sohn Maximilian I. setzte die Politik seines Vaters erfolgreich fort. Durch die Vermählung seines Sohnes Philipp I., genannt der Schöne, mit der spanischen Infantin Johanna von Kastilien, genannt die Wahnsinnige, konnten sich die Habsburger Spanien und dessen überseeischen Eroberungen sichern.

Im Jahr 1862 wurde in Wien Innere Stadt (1. Bezirk) die Friedrichstraße nach dem Kaiser benannt.

Nachkommen

Der Ehe von Erzherzog Friedrich V. von Österreich, Kaiser Friedrich III. und dessen Ehefrau, der Infantin Eleonore Helena von Portugal entsprossen sechs Kinder, von denen vier in frühester Kindheit starben, eines sogar bevor es einen Namen erhalten hatte:

  • Christoph (1455–1456)
  • Maximilian I. (1459–1519), römisch-deutscher König und Kaiser des Heiligen Römischen Reiches
  1. ∞ 1477 Erbherzogin Maria von Burgund (1457–1482), Tochter des burgundischen Herzogs Karl der Kühne und Prinzessin Isabelle de Bourbon
  2. ∞ 1494 Prinzessin Bianca Maria Sforza von Mailand (1472–1510), Tochter des mailändischen Herzogs Galeazzo Maria Sforza und Prinzessin Bona von Savoyen

Quellen

  • Heinrich Koller (Bearb.): Die Urkunden und Briefe aus Stadtarchiven im Bayerischen Hauptstaatsarchiv (München) (mit Ausnahme von Augsburg und Regensburg) (= Regesten Kaiser Friedrichs III. [1440–1493] nach Archiven und Bibliotheken geordnet; Heft 1), Wien / Köln / Graz 1982.
  • Heinrich Koller / Paul-Joachim Heinig / Alois Niederstätter (Hgg.): Regesten Kaiser Friedrichs III. (1440–1493) nach Archiven und Bibliotheken geordnet. Heft 15: Die Urkunden und Briefe aus den Beständen 'Reichsstadt' und 'Hochstift' Regensburg des Bayerischen Hauptstaatsarchivs in München sowie aus den Regensburger Archiven und Bibliotheken. Bearb. v. Franz Fuchs/ Karl-Friedrich Krieger, Böhlau, Wien 2002, ISBN 978-3-205-99431-2. (Rezension)

Literatur

Lexikonbeiträge

Darstellungen

  • Paul-Joachim Heinig: Kaiser Friedrich III. (1440–1493). Hof, Regierung, Politik. Böhlau, Köln 1997, ISBN 3-412-15595-0 (3 Bde., zugl. Habilitationsschrift, Universität Gießen 1993).
  • Paul-Joachim Heinig: Friedrich III. In: Bernd Schneidmüller, Stefan Weinfurter (Hrsg.): Die deutschen Herrscher des Mittelalters. Historische Porträts von Heinrich I. bis Maximilian I. C. H. Beck, München 2003, ISBN 3-406-50958-4, S. 495–517.
  • Paul-Joachim Heinig: Art.: Friedrich III. (1440–93). In: Werner Paravicini (Hrsg.): Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich. Ein dynastisch-topographisches Handbuch, Bd. 1: Dynastien und Höfe (= Residenforschung; Bd. 15). Thorbecke, Ostfildern 2003, S. 341–351, ISBN 3-7995-4515-8.
  • Heinrich Koller: Kaiser Friedrich III. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2005, ISBN 3-534-13881-3. (Rezension)

Weblinks

 Commons: Friedrich III. – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Friedrich III. – Quellen und Volltexte

Anmerkungen

  1. Dabei wird Friedrich der Schöne mitgezählt, nach Wiesflecker bezeichnete Friedrich sich selbst als König „überraschenderweise“ als Friedrich III. und „überging“ damit das Königtum seines Vorfahren Friedrich (III.). Vgl. Hermann Wiesflecker: Kaiser Maximilian I. Das Reich, Österreich und Europa an der Wende zur Neuzeit, Oldenbourg, München 1971, Band 1, S. 53
  2. Lorenz Böninger: Die Ritterwürde in Mittelitalien zwischen Mittelalter und Früher Neuzeit. Akademie Verlag, Berlin 1995, S. 106. Cornelia Knust: Vorbild der Gerechtigkeit: Jan Provosts Gerichtsbild in Brügge. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2007, S. 194.
  3. Heinrich Koller: Kaiser Friedrich III., Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2005, S. 234
Vorgänger Amt Nachfolger
Albrecht II. Römisch-deutscher König
ab 1452 Kaiser

1440–1493
Maximilian I.
Albrecht VI. Erzherzog von Österreich
1463–1493
Ernst der Eiserne Herzog von Kärnten
1424–1493