Friedrich Zawrel

Friedrich Zawrel (* 1929 in Lyon[1] oder Wien)[2] ist ein Überlebender des NS-Euthanasieprogramms. Er wurde 1975 ein zweites Mal Opfer des damaligen Täters und späteren Gerichtsgutachters Heinrich Gross.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Denkmal für die Opfer am Spiegelgrund

Zawrel wurde als Kind in der Zeit des Nationalsozialismus in eine Erziehungsanstalt eingewiesen und war auch in jenem Pavillon im Steinhof interniert, wo medizinische Versuche an vielen Kindern vorgenommen wurden. Dort war er dem Arzt Heinrich Gross ausgeliefert. In der Krankenanstalt Spiegelgrund wurden ungefähr 7.500 Patienten, davon etwa 800 Kinder, ermordet. [3] Er begegnete in den 1970er Jahren erneut Gross, als dieser, nun als meistbeschäftigter Gerichtsgutachter in Wien, ihn psychiatrisch begutachten sollte. Zawrel erkannte den Arzt wieder, der für sein Gutachten sogar die Krankenakte aus dem Spiegelgrund benutzte. Es fiel vernichtend aus, weil Groß den unliebsamen Zeugen unglaubwürdig machen und zum Schweigen bringen wollte. Jedoch die Arbeitsgemeinschaft Kritische Medizin nahm sich des Falles an und unterstützte Zawrel, insbesondere der Mediziner Werner Vogt, der in der Folge von Gross wegen Ehrenbeleidigung verklagt wurde, leistete Wesentliches, um Zawrel zu rehabilitieren. Im Prozess gegen Vogt unterlag Gross.[4]

Zawrel wurde am Spiegelgrund der Besuch einer Schule verweigert. Er konnte sich später in der Justizanstalt Stein weiterbilden und dankte dafür namentlich dem Sozialarbeiter Karl Rottenschlager. [5]

Zawrel besucht seit Jahren Schulen und Veranstaltungen, um als Zeitzeuge zu berichten.[6] Laut Zawrel stellen Schüler ihm diese zwei Fragen am häufigsten: Haben Sie wegen ihrer Erfahrungen an Selbstmord gedacht? Glauben Sie an Gott?

Auszeichnungen

Künstlerische Auseinandersetzung

Drama

Film

Literatur

  • Oliver Lehmann, Traudl Schmidt: In den Fängen des Dr. Gross: das misshandelte Leben des Friedrich Zawrel, Czernin Wien 2001, ISBN 3-7076-0115-3.

Einzelnachweise

  1. Wehsely: Kein Schlussstrich unter Verbrechen vom Spiegelgrund. bei wien.at
  2. Website zum Film „Meine liebe Republik“
  3. Stadt Wien Goldenes Verdienstzeichen für Spiegelgrund-Opfer Zawrel, RK 12. Dezember 2008.
  4. http://www1.uni-hamburg.de/rz3a035//schatten.html, konsultiert am 09.12.2012: Herwig Czech, Der Lange Schatten der NS-Medizin: Heinrich Gross und die wissenschaftliche Verwertung der Spiegelgrund-Opfer, 2002, Uni Hamburg.
  5. Redebeitrag von Friedrich Zawrel, Pensionistenwohnhaus Rossau, Wien 6. November 2008.
  6. DÖW Siegfried Sanwald: Filmpräsentation und Gespräch im Pensionistenwohnhaus Rossau, 6. November 2008.
  7. ORF Volksgruppen Friedrich Zawrel lehnt das Goldene Verdienstzeichen des Landes Wien ab.
  8. Stadt Wien Goldenes Verdienstzeichen für Spiegelgrund-Opfer Zawrel, RK 12. Dezember 2008.
  9. Vienna Online Uraufführung In der Psychiatrie ist es nicht so schön... auf der neuen Probebühne des Josefstadt Theaters, 11. Dezember 2008.
  10. F. Zawrel – Erbbiologisch und sozial minderwertig, bei schuberttheater.at (Abgerufen am 26. März 2012)
  11. meine-liebe-Republik Friedrich Zawrel in: Elisabeth Scharang: meine-liebe-Republik, , WEGA-Film Wien.

Weblinks