Frischenkofel

Frischenkofel
Der Frischenkofel in den Karnischen Alpen

Der Frischenkofel in den Karnischen Alpen

Höhe 2238 m ü. A.
Lage Grenze Kärnten / Provinz Udine
Gebirge Karnische Alpen
Geographische Lage 46° 36′ 35″ N, 12° 55′ 57″ O46.60972222222212.93252238Koordinaten: 46° 36′ 35″ N, 12° 55′ 57″ O
Frischenkofel (Kärnten)
Frischenkofel

Der Frischenkofel (italienisch: Cellon) ist ein 2238 Meter hohes Bergmassiv in den Karnischen Alpen, das unmittelbar westlich der Plöckenpass Straße liegt. Der Bergstock befindet sich im Grenzgebiet zwischen dem österreichischen Bundesland Kärnten und der Provinz Udine in Italien, die Staatsgrenze verläuft direkt über seine Gipfelregion.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Während des Ersten Weltkriegs lag der Frischenkofel in einem heftig umkämpften Abschnitt des zwischen der österreichisch-ungarischen k. u. k. Monarchie und Italien verlaufenden Frontgebietes.

Nach der am 23. Mai 1915 erfolgten Kriegserklärung Italiens lag der Schwerpunkt der italienischen Offensiven im Gebiet des Flusses Isonzo, wo die italienische 2. Armee einen Frontdurchbruch anstrebte, in dessen Folge ein Eindringen in das Becken von Laibach erreicht werden sollte. Daraus entwickelten sich die blutigen und für beide Seiten äußerst verlustreichen Isonzoschlachten.

Westlich der Isonzofront lag dagegen eine weitgehend unzugängliche Hochgebirgsregion, deren geografische Gegebenheiten den italienischen Truppen praktisch nahezu keine Möglichkeit für einen erfolgreichen Vorstoß bot. Lediglich der Plöckenpass bildete eine gravierende Schwachstelle in der österreichischen Verteidigungslinie, da über ihn die zu dieser Zeit einzig befahrbare Straße verlief, mit der es möglich war, die Karnischen Alpen zwischen Sillian und Tarvis zu überwinden. Die mit der Nassfeldstraße heute bestehende zweite Überquerungsmöglichkeit dieser Gebirgsgruppe existierte hingegen noch nicht, diese wurde erst im Verlauf der folgenden Kriegsjahre durch österreichische Pioniertruppen erbaut. Zudem gehörte die Südrampe des Nassfeldpasses zu dem damals noch österreichischen Kanaltal und befand sich somit unter österreichischer Kontrolle.

Einziger Ansatzpunkt für einen erfolgversprechenden italienischen Durchbruchsversuch in den Karnischen Alpen bildete somit der Plöckenpass. Im Erfolgsfall hätte dabei ein Einbruch in das Gailtal erzielt werden können und danach eine Aufrollung der österreichischen Verteidigungslinien von der Flanke her. Nach der Einnahme Kötschach-Mauthens hätten italienische Truppen nach Osten vorrückend dann nicht nur die kärntnerische Landeshauptstadt Klagenfurt einnehmen können, sondern darüber hinaus wäre auch noch die Umgehung der österreichischen Sperren südlich und westlich von Tarvis möglich gewesen. Damit wäre das gesamte österreichische Verteidigungssystem aus den Angeln gehoben worden.

Um dies zu verhindern, wurden seitens der Österreicher mit der Plöckenpass-Sperre massive Anstrengungen unternommen, um den Plöckenpass erfolgreich verteidigen zu können. Vor dem Kriegseintritt Italiens erfolgte dies noch relativ zurückhaltend, um das durch den Dreibund eigentlich verbündete Königreich Italien nicht unnötig zu provozieren. Infolge der relativ schwachen österreichischen Verteidigungsvorbereitungen gelang es daher italienischen Truppen bereits zwei Tage nach der Kriegserklärung ihrer Regierung, den Gipfelbereich des Frischenkofels nahezu vollständig in Besitz zu nehmen. Lediglich der Osthang des Bergmassivs konnte von den österreichischen Verteidigern zu diesem Zeitpunkt noch gehalten werden.

Zusammen mit dem östlich des Plöckenpasses gelegenen Kleinen Pal bildete der Frischenkofel allerdings einen der beiden Hauptpfeiler in der österreichischen Strategie zur Verteidigung des Plöckenpasses. Am 23. Juni 1915 unternahm daher ein sechsköpfiges österreiches Kommando den Versuch, den Gipfel des Frischenkofels zu erobern. Unter der Führung eines Gendarmerie-Wachtmeisters gelang es diesen ortskundigen Kletterern tatsächlich, den Ostgipfel des Frischenkofels in einer handstreichartigen Aktion einzunehmen. Die Eroberung des Westgipfels misslang ihnen jedoch, dieser Bereich des Berges verblieb in italienischer Hand. Im Folgemonat scheiterte ein erneuter Versuch den Westgipfel des Bergmassivs einzunehmen, die Italiener konnten dabei den Angriff einer 30 Mann zählenden Kampfgruppe erfolgreich zurückschlagen, wobei ein an diesem Angriff beteiligter österreichischer Finanzwachbeamter den Tod fand.

Nach den heftigen Kämpfen in der Anfangsphase des Krieges entwickelte sich die österreichisch-italienische Konfrontation schließlich immer mehr zu einem blutigen und verlustreichen Stellungskrieg. Im Bereich der Plöckenpass-Sperre konnte dabei weder die italienische, noch die österreichische Seite einen durchschlagenden Erfolg zu erzielen. Am 29. Juni 1916 errangen italienischen Truppen jedoch einen spektaktulären Erfolg, als es ihnen gelang, den Ostgipfels des Frischenkofels einzunehmen. Neben der regulären österreichischen Besatzung konnten sie dabei auch deren gerade eingetroffene Ablösung überraschen und gefangen nehmen. Diese hatten sich während eines schweren italienischen Artilleriebombardments in die dafür vorgesehenen Kavernen zurückgezogen, wurden dort aber von dem über eine Felswand vorgetragenen italienischen Angriff überrumpelt. 156 österreichische Soldaten gerieten dabei in Gefangenschaft. Lediglich 16 Soldaten konnten entkommen, einer davon rettete sich durch das Hinabrutschen am Seil der dort hinaufführenden Seilbahn.

Der Fall des Frischenkofel-Ostgipfels bedeutete einen schweren Einbruch in die österreichischen Verteidigungsstellungen am Plöckenpass, zahlreiche Kavernen waren nunmehr durch italienische Truppen einsehbar bzw. konnten unter direkten Beschuss genommen werden, insbesondere am Kleinen Pal. Die österreichischen Truppen mussten daher aufwendige Baumaßnahmen ergreifen, um die Auswirkungen dieser Niederlage notdürftig zu kompensieren. Danach erstarrte die Front am Plöckenpass wieder weitgehend in einem Stellungskrieg, der Frischenkofel verblieb dabei vollständig unter italienischer Kontrolle.

Erst im Oktober 1917 änderte sich die Situation am Plöckenpass grundlegend, dies hatte jedoch nichts mit den Gegebenheiten vor Ort zu tun. Ausschlaggebend dafür war stattdessen die italienische Niederlage in der Schlacht von Karfreit, der sogenannten zwölften Isonzoschlacht. Nach dieser Niederlage mussten die am Plöckenpass stehenden italienischen Verbände nunmehr eine rückseitige Umfassung befürchten und zogen sich deswegen überstürzt zurück. Die österreichischen Verteidiger des Plöckenpasses konnten daher im Verlauf des 28. Oktobers 1917 alle italienischen Stellungen ohne großen Widerstand einnehmen, darunter auch den Frischenkofel.

Bilder

Literatur

  • Erwin Steinböck: Die Kämpfe um den Plöckenpaß 1915/17. Militärhistorische Schriftenreihe, Heft 2. Österreichischer Bundesverlag Gesellschaft m. b. H., Wien 1988, ISBN 3-215-01650-8.

Weblinks

 Commons: Frischenkofel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien