Fritz Tarbuk von Sensenhorst

Fritz Tarbuk von Sensenhorst 1915 als Angehöriger der K.u.k. Kriegsmarine

Hauptmann Friedrich (Fritz) Maria Tarbuk von Sensenhorst, auch von Tarbuk-Sensenhorst genannt (* 16. August 1896 in Brixen, Südtirol; † 1. März 1976 in Kitzbühel, Tirol) war ein österreichischer Offizier, Unternehmer und Firmengründer der F.M. Tarbuk & Co..

Familie

Er entstammte einer ursprünglich kroatischen Familie von „Militärgrenzern“ aus dem Grenzgebiet Österreichs zum Osmanischen Reich am Balkan, deren Stammreihe mit Ciril Tarbuk in Tušilović begann (erwähnt 1803–1815), und war der Sohn des noch dort geborenen k.u.k. Feldmarschalleutnants Johann Tarbuk von Sensenhorst und Mathilde Josefa Bayrhammer Edle von Sensenhorst. Johann Tarbuk wurde am 18. November 1904 in den österreichischen Adelsstand erhoben mit Namensmehrung „von Sensenhorst“.

Fritz Tarbuk-Sensenhorst war mit Maria Librowicz (geb. in Warschau, Polen, Eltern: Alexander Librowicz, Bronislawa von Lublinska) verheiratet; die Ehe blieb jedoch kinderlos.

Er hatte die vier Brüder Karl, Hans, Robert und Felix Tarbuk von Sensenhorst sowie zwei Schwestern.

Leben

Tarbuk-Sensenhorst war zunächst Kadett und später Offizier der k.u.k. Kriegsmarine. Er diente zunächst als stellvertretender Kommandant auf dem Torpedoboot S.M.Tb 40 bei Minenbergungen, Bergung von Überlebenden der gesunkenen S.M.S. Baron Gautsch, Zerstörung des französischen U-Bootes „Curie“ vor Pola. 1915 wurde er auf S.M.S. Habsburg eingeschifft.

S.M.Torpedoboot 40 („Alligator“), auf dem Fritz v. Tarbuk 1914 eingeschifft wurde
S.M.S. Habsburg, Schlachtschiff der „Habsburgklasse“ der k.u.k. Kriegsmarine, 8364 BRT, 606 Mann, 30 Offiziere, Fritz v. Tarbuk diente hier 1915 unter dem Kommando v. Lin.Schiffskap. v. Mallinarich

Er wird wegen Farbuntersichtigkeit schließlich zur Landwehr-Artillerie versetzt, wo er auf der Podgora (Görz) an der Isonzofront und in Galizien dient.

Er gründete nach seiner Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft in Kleinasien im Jahr 1920 in Wien das Autohandelsunternehmen „F. M. Tarbuk & Co.“ und übernahm vor dem Zweiten Weltkrieg die Generalvertretung der Zweigmarken DKW, Horch, Audi und Wanderer der deutschen Auto Union AG sowie Mathis für Österreich. In den 1930er Jahren nutzte er seine gesellschaftlichen Kontakte zum Aufbau eines Autohandelshauses mit Werkstätten in Österreich und der Slowakei.

1938 trat Peter Pflaum als Partner in das Unternehmen ein. Während des 2. Weltkriegs waren die Tarbuk-Großwerkstätten in Wien und Pressburg für die deutsche Wehrmacht tätig.

Während der Benzinknappheit im 2. Weltkrieg war „F. M. Tarbuk & Co.“ führend im Fahrzeugumbau auf Holzvergaser nach dem Patent des Elsässer Erfinders Georges Imbert.

Fritz Tarbuk nutzte in der Zeit des Nationalsozialismus seine persönlichen Verbindungen zu einigen Größen aus Politik, Sport und Kunst (wie Franz von Papen, Hermann Göring, Hans Stuck, Willi Forst, Herbert von Karajan, Heinz Rühmann u.a.), um seinen jüdischen Partner Peter Pflaum sowie Mitarbeiter und andere Personen, wie z.B. Otto Mendl, den Sohn des Besitzers der Ankerbrot Werke, im Betrieb vor Verfolgung durch das Nazi-Regime zu schützen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm F. M. Tarbuk & Co. die Generalvertretungen für Aero, Praga, Škoda, Tatra, Simca, Talbot, Humber, Hillman, Sunbeam, Chrysler, Plymouth, Fargo, Dodge, Isuzu, Jensen Motors, Saab, Datsun/Nissan, Rover, Austin, MG, Land Rover, Range Rover und Jaguar in Österreich.

Das Unternehmen baute ab 1950 in Österreich und den Nachbarländern mit einer Reihe von Zweigwerken und Handelsbetrieben seine Marktführerschaft als Händler und Werkstätte für 48 Marken der Automobil-, Nutzfahrzeug-, Zweirad-, Baumaschinen- und Landmaschinenindustrie auf, z. B.: Fiat, Lancia, Alfa Romeo, Ford, Volvo, Subaru, Mazda, Suzuki, Opel, Daewoo, Chevrolet, Messerschmitt-Fend, Harley-Davidson, Vespa, Ducati, Hiab, Atlas Weyhausen, Massey Ferguson, Deutz-Fahr, Fiat, Zetor, JCB, Case, Kubota, SAME, Mercedes-Benz Trac und Landini.

Fritz Tarbuk starb 1976. Er und seine Frau Maria sind am Grinzinger Friedhof in Wien begraben.

Nach dem Tod des Firmengründers 1976 wurde das Unternehmen von seinen beiden Neffen und seinem Partner weitergeführt, schließlich 1992 unter Dr. Mario Seiller-Tarbuk zur Tarbuk AG umfirmiert. Bis Ende der 1990er Jahre gehörte das Unternehmen mit 40 Tochterfirmen und über 1.000 Mitarbeitern zu den Großunternehmen Österreichs.

In den 1990igern machten Strukturveränderungen im Importgeschäft, wesentlich verschärft durch den EU-Beitritt Österreichs, und die Krise der Importmarken, allen voran Nissan, der Tarbuk-Gruppe zu schaffen und führten zu einer deutlichen Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage. Mit der Kündigung der Importverträge durch Nissan, Saab und Jaguar in 2001 begann der Niedergang des Konzerns.

2003 wurde schließlich der Sanierer Erhard F. Grossnigg als Partner ins Unternehmen geholt und es gelang bis dato, eine Reihe von Autohäusern und Markenwerkstätten in Wien (Jaguar, Nissan, Saab, Suzuki), Salzburg (Fiat, Alfa Romeo, Lancia, Jaguar, Land Rover), Graz (Opel, Chevrolet, Saab) und in Württemberg (Ford, Volvo), der Import und Großhandel (MG Rover) sowie im Landmaschinenhandel (Deutz-Fahr Austria, Austro Diesel) zu halten.

Literatur