Günter Brödl

Grabmal von Günter Brödl auf dem Neustifter Friedhof

Günter Brödl (* 22. März 1955 in Wien; † 10. Oktober 2000 ebenda) war ein österreichischer Schriftsteller, Songtexter und Musikjournalist.

Leben

In den Siebzigerjahren startete Günter Brödl als Radiomoderator der Ö3-Sendung Die Musicbox und befasste sich dabei vor allem mit der amerikanischen Rockmusik.

Sein erstes literarisches Werk erschien 1975 - „Der kühle Kopf“ - ein Erzählband. 1976 folgte das Theaterstück „Zum Freundschaftspreis“ und 1977 „Draußen in der Stadt“, das 1978 als 18-teilige Fernsehserie vom ORF verfilmt wurde. 1978 erschien sein Buch „Click Clack“ - Wiener Rockstories.

1979 tauchte in Günter Brödls Theaterstück Wem gehört der Rock n' Roll? erstmals die Figur des „Ostbahn-Kurti“ auf. Weil ihm Ostbahn-Kurti, im Stück eine Nebenrolle, so gut gefiel, dichtete er dieser Kunstfigur gleich eine ganze Biografie an.

Ostbahn-Kurti hatte angeblich bereits zwei LPs produziert, es erschienen immer wieder Songtexte in diversen Zeitungen, und auch die Musicbox brachte ein Ostbahn-Interview. Um seine Story noch glaubwürdiger zu machen, gab Brödl Anzeigen wie "Suche erste Platte von Ostbahn-Kurti!" auf, sprayte auf Autobahnbrücken "Kurt Ostbahn lebt!" und veranstaltete am 1. April 1983 ein "Sold out"-Konzert der fiktiven Rockband "Ostbahn-Kurti & die Chefpartie".

Nach einem weiteren Theaterstück - "Schlafstadtkinder schlafen nicht" (1979) - und dem Roman "Tempo City" (1982) trifft Brödl 1983 den Musiker Willi Resetarits, damals Mitglied der "Schmetterlinge", mit dem er das Phänomen Ostbahn-Kurti zum Leben erweckt.

Fortan übertrug Brödl amerikanische Rock-Klassiker ins Wienerische; so wurde z. B. aus "Sharp Dressed Man" - "Neiche Schoin" und aus "I Heard It Through The Grapevine" - "Wo hamma denn den Foaschein". 1985 erschien die erste LP "Ostbahn Kurti & die Chefpartie", gefolgt von unzähligen Live-Konzerten, bei denen Brödl zunächst als Beleuchter, dann als legendärer "Trainer" immer mit von der Partie war. Von 1985 bis zu seinem plötzlichen Tod am 10. Oktober 2000 verfasste er sämtliche Songtexte für "Ostbahn-Kurti & die Chefpartie" und später für "Kurt Ostbahn & die Kombo", welchselbige auf insgesamt 20 Tonträgern erschienen sind, wovon acht erst nach Brödls Tod veröffentlicht wurden.

Weiters verfasste Günter Brödl die sechs Ostbahn-Kurti-Kriminalromane "Blutrausch" (1995), "Hitzschlag" (1996), "Platzangst" (1997), "Kopfschuß" (1999) "Peep-Show / Trainer & Trash ermitteln" (gemeinsam mit Peter Hiess, 2000) und „Schneeblind“ (2002, posthum veröffentlicht).

1997 kam eine "Blutrausch"-Verfilmung (Regie: Thomas Roth) ins Kino, für die Günter Brödl auch das Drehbuch verfasste. 1998 erschien sein Liederbuch "Ostbahn: Auslese".

Brödl schrieb auch Songtexte für andere Musiker: darunter Minisex, Denk, Babsi Balou, Klaus Trabitsch und Mom & Dead.

2001 wurde Brödl posthum mit dem Amadeus Austrian Music Award für sein Lebenswerk geehrt.

Brödl übersetzte außerdem zwei Asterix-Bände ins Wienerische („Da grosse Grobn“ und „Da Woasoga“).

1993 fand beim Donaufestival Amstetten die Uraufführung seines Stückes "Dynamo Donau Blues, Bluesical" statt, 1999 übersetzte er fürs Wiener Schauspielhaus das Musical "Hotline to heaven" und im selben Jahr wurde sein Musical "Be-Bop A Lulatsch '59" im Wiener Metropol uraufgeführt.

Des Weiteren arbeitete Günter Brödl mit dem Graphiker Ronald Putzker zusammen. Mit ihm schuf er die Comic-Serie "Anna Stein" und den Band "Rehpublik Österreich" (2000) - ein fiktiver Reiseführer durch die Rehpublik Österreich, in der seit 100 Jahren das Reh "rehgiert".

Neben seiner literarischen Arbeit war Günter Brödl einer der profiliertesten Musikjournalisten Österreichs.

Werke

Bücher

Der kühle Kopf, 1975
Click Clack, 1978
Tempo City, 1982
Blutrausch, 1995
Hitzschlag, 1996
Platzangst, 1997
Trainer & Trash (Fortsetzungsroman im Wiener), 1998
Ostbahn-Auslese, 1998
Kopfschuss, 1999
Peep-Show, 2000
Rehpublik Österreich, 2000
Schneeblind, 2002

Diskographie (als Ostbahn-Songtexter)

Ostbahn-Kurti & Die Chefpartie, 1985
Live, 1985
A schene Leich, 1988
Liagn & Lochn, 1989
1/2 so wüd, 1991
A blede Gschicht, 1992
Saft & Kraft, 1994
Trost & Rat, 1994
Espresso Rosi, 1995
Reserviert fia zwa, 1997
Blutrausch, 1997
50 verschenkte Jahre im Dienste der Rockmusik, 1999, hier auch als Sänger von "Des kränkt"
Ohjo, 2001
Kurtiositäten, 2002
Wann de Musik..., 2003
...vuabei is, 2003
Hohe Warte Live 1, 2003
Hohe Warte Live 2, 2003
Hohe Warte Live 3, 2003
Höchste Zeit - ein Abend im Gasthaus Quell, 2005

Theaterstücke

Zum Freundschaftspreis, 1976
Draußen in der Stadt, 1977
Wem gehört der Rock 'n' Roll?, 1979
Schlafstadtkinder schlafen nicht, 1979
Tempomatic (Performance), 1982
Dynamo Donau Blues, 1993
Hotline To Heaven, 1999
Be-Bop A Lulatsch '59, 2000

Drehbücher

Vor dem Stichtag, TV, 197?
Ohne Netz, TV, 197?
Draussen vor der Stadt,Musuk : Leo Koller: Texter und Komponist der legendären Musikergruppe "METZLUTZKAS ERBEN" Fernsehserie in 18 Folgen, ORF, 1978
Saturday Night Frust, TV-Film, ORF, 1981
Neon Mix, TV-Film, ORF, 1982
Belle's Paradise, TV-Film, ORF, 1985
Wild Taste Of Chicago, Musikfilm, ORF, Drehbuch & Regie, 1985
Rockin' Video, mehrere Folgen, ORF, 1990
Ein Abend im Espresso Rosi, Regie, 1995
Blutrausch, Kino-Film, Drehbuch (mit Milan Dor & Willi Resetarits), 1997
Hitzschlag, Drehbuch (mit Willi Resetarits), 2000

Comics

"Anna Stein" Hasenjagd, 1989
"Anna Stein" Hotel Paranoia, 1991
"Liagn & Lochn", Beilage zur gleichnamigen LP, 1992
"Anna Stein" Das letzte Alpenglühen, 1994
"Anna Stein" Sammelband, 1995
"Asterix" Da grosse Grobn, 1997
"Asterix" "Da Woasoga", 1998

Weblinks