Gai

Dieser Artikel beschäftigt sich mit der Gemeinde Gai in Österreich. Für andere Bedeutungen siehe Gai (Begriffsklärung).
Gai
Wappen von Gai
Gai (Österreich)
Gai
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Steiermark
Politischer Bezirk: Leoben
Kfz-Kennzeichen: LN
Fläche: 61,94 km²
Koordinaten: 47° 25′ N, 14° 58′ O47.41316111111114.969858333333660Koordinaten: 47° 24′ 47″ N, 14° 58′ 11″ O
Höhe: 660 m ü. A.
Einwohner: 1.781 (1. Jän. 2012)
Bevölkerungsdichte: 28,75 Einw. pro km²
Postleitzahl: 8793
Vorwahl: 03847
Gemeindekennziffer: 6 11 02
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Gai 1
8793 Gai
Website: www.gai.at
Politik
Bürgermeister: Bernhard Zechner (Liste "Wir für Gai")
Gemeinderat: (2010)
(15 Mitglieder)
6
5
3
1
Von 15 Sitzen entfallen auf:
  • ÖVP: 6
  • SPÖ: 5
  • Wir für Gai Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Kürzel: 3
  • GRÜNE: 1
Lage der Gemeinde Gai im Bezirk Leoben
Eisenerz Gai Hafning bei Trofaiach Hieflau Kalwang Kammern im Liesingtal Kraubath an der Mur Leoben Mautern in Steiermark Niklasdorf Proleb Radmer Sankt Michael in Obersteiermark Sankt Peter-Freienstein Sankt Stefan ob Leoben Traboch Trofaiach Vordernberg Wald am Schoberpaß SteiermarkLage der Gemeinde Gai im Bezirk Leoben (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
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(Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria)

Gai ist eine Gemeinde mit 1781 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2012) im Gerichtsbezirk bzw. Bezirk Leoben in der Obersteiermark nahe Trofaiach.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Geografische Lage

Gai liegt in einem Hochtal zwischen dem Liesingtal und dem Vordernbergertal an der steirischen Eisenstraße. Es wird vom wuchtigen Massiv des Reiting, des höchsten Berges der Eisenerzer Alpen, überragt.

Vom Ortsteil Edling kann man über die sogenannte Russenstraße (über den „Russenbichl“) nach Sankt Peter-Freienstein und weiter in die nahe Bezirkshauptstadt Leoben gelangen. Der Name entstand deshalb, weil diese Straße während des Ersten Weltkriegs 1915 von russischen Kriegsgefangenen errichtet wurde. Vorher bestand nur eine einfache Wegverbindung.

Gemeindegliederung

Die Gemeinde Gai besteht aus folgenden Ortschaften bzw. Siedlungen: Edling, Edling-Seizerstraße, Gai, Gausendorf, Gimplach, Gimplach-Sternsiedlung, Gößgraben, Kurzheim, Oberdorf, Putzenberg, Schardorf, Töllach, Untergimplach, Unterkurzheim, Windischbühel

Im Grundbuch ist das Gemeindegebiet auf die Katastralgemeinden 60306 Gai, 60353 Schardorf, 60307 Gimplach und 60309 Gößgraben-Freienstein aufgeteilt. Der Beiname „Freienstein“ dient dazu, den Gößgraben von den anderen gleichnamigen Katastralgemeinden zu unterscheiden und ist ein Relikt aus der Zeit vor der Gründung der politischen Gemeinde Gai, in welcher der Gößgraben eine der 13 Steuergemeinden des Steuerbezirks Freienstein war.[1]

Geschichte

Entsprechend dem 1862 erlassenen Gemeindegesetz kam es mit dem Aufhören der Grundherrschaften nach dem Jahre 1848 zu einer Neuordnung der regionalen Verwaltungseinheiten. Autonome Gemeinden wurden der Grundstein des neu gestalteten Staates. Die neu geschaffene Gemeinde Gai entstand aus der Zusammenfassung der vier ursprünglich zum seinerzeitigen Steuerbezirk Freienstein gehörenden Katastralgemeinden Gai, Schardorf, Gimplach und Gössgraben-Freienstein.[2] Der Ortsname Gai leitet sich vom mittelhochdeutschen Wort göu her, welches ein Gebiet bezeichnete, das im Einflussbereich einer bestimmten richterlichen Gewalt sowie gewisser Gewerbe lag. In vorliegenden Fall bezieht sich das „Gai“ auf den Einflussbereich des Marktes Trofaiach und der von den dortigen Handwerkern ausgeübten Bannmeilenrechte. Der Zusatz Freienstein bei der Katastralgemeinde Gössgraben diente seinerzeit dazu, diese Katastralgemeinde von der Katastralgemeinde Gössgraben bei Leoben zu unterscheiden. Dieser Zusatz wird nur beim Grundbuch verwendet und nicht im allgemeinen Sprachgebrauch.

Die nachhaltige Besiedlung des Gemeindegebietes begann im Mittelalter. Orts- und Gebietsnamen erinnern an die slawische Besiedlung im Frühmittelalter und die bayerische Besiedlung in darauf folgenden Jahrhunderten. Für den Raum Gai-Trofaiach kann eine bayrisch-slawische Mischbevölkerung bis zum Ende des 12. Jahrhunderts als sicher angenommen werden. Danach verschwand der slawische Bevölkerungsanteil aufgrund Assimilation durch die deutschsprachige Mehrheitsbevölkerung.

Das Gebiet von Gai entsprach über Jahrhunderte dem einer typischen obersteirischen Landgemeinde mit bäuerlichen Strukturen und teilte die wechselvolle Geschichte der übrigen Steiermark. Durch die räumliche Nähe zu den Zentren der obersteirischen Eisenindustrie, besonders Vordernberg und Donawitz, war zumeist eine gute Absatzlage für die landwirtschaftlichen Produkte gegeben. Andererseits wohnten auch häufig Hüttenarbeiter und Bergleute in den Dörfern der heutigen Gemeinde Gai.

In kirchlicher Hinsicht gehört das Gebiet von Gai seit jeher zur Pfarre Trofaiach. Daher ist auch der in Trofaiach bestehende Friedhof die für die Gaier Gemeindebürger zuständige Begräbnisstätte. Auch der für Gai zuständige Polizeiposten und das Postamt befinden sich in Trofaiach.

Mit 1. April 1939 wurden zur Gemeinde Gai gehörende Flächen im Ausmaß von rund 150 Hektar, auf denen eine staatliche Pulverfabrik bestand, an die Gemeinde Trofaiach angegliedert. Heute befindet sich dort im Wesentlichen der dicht besiedelte Stadtteil Trofaiach-West.

Anfang des Jahres 2012 begannen Gespräche zwischen den Nachbargemeinden Gai, Hafning bei Trofaiach, Trofaiach und Vordernberg, die einen Zusammenschluss dieser vier Gemeinden zum Ziel hatten. Am 30. September 2012 wurde über das Ergebnis dieser Verhandlungen eine Volksabstimmung abgehalten. Die Bewohner von Vordernberg (82 % von 62 % der Wahlberechtigten) stimmten gegen eine Gemeindefusion. In den drei übrigen Gemeinden gab es eine Mehrheit für den Zusammenschluss. Mit 78,8 und 79,8 Prozent waren die Voten in Trofaiach und Gai deutlich, allerdings lag die Beteiligung in Trofaiach nur bei 41 Prozent, in Gai bei 59 Prozent. In Hafning war das Ergebnis mit 52,7 Prozent Ja-Stimmen bei 56,9 Prozent Wahlbeteiligung knapp für den Zusammenschluss. Angestrebt wird nun die Umsetzung der Fusion der drei Gemeinden zum 1. Jänner 2013:[3] Die neue Stadt unter dem Namen Trofaiach wird rund 11.500 Einwohner haben.

Bauernhaus Huebmannhube Schardorf
Schloss Oberdorf.Stockschloss

Einwohnerentwicklung

Seit den 1960er Jahren sind in Gai zahlreiche Einfamilienwohnhäuser entstanden. Es haben sich vor allem unselbständige Arbeiter und Angestellte in der Landgemeinde angesiedelt. Gai hat in den letzten Jahrzehnten als eine der wenigen Gemeinden der Region eine deutliche Zunahme der Einwohnerzahl zu verzeichnen.

  • 1869 1.195
  • 1900 1.108
  • 1934 1.068
  • 1951 1.022
  • 1961 1.143
  • 1971 1.171
  • 1981 1.404
  • 1991 1.565
  • 2001 1.735

Politik

Gemeinderat

Der Gemeinderat besteht aus 15 Mitgliedern und setzt sich seit der Gemeinderatswahl 2010 aus Mandaten der folgenden Parteien zusammen:

  • 6 ÖVP – stellt den Vizebürgermeister
  • 5 SPÖ – stellt den Gemeindekassier
  • 1 Grüne
  • 3 Wir für Gai – stellt den Bürgermeister (gewählt von ÖVP und "Wir für Gai")

Bürgermeister

Aufgrund des überraschenden Rücktritts von VP-Bürgermeister Helmut Prentler Anfang Februar 2010 wurde eine Neuwahl notwendig. Die beiden mandatsstärksten Parteien einigten sich bereits im Vorfeld auf eine Halbzeitlösung. Nach der Wahl am 25. Februar 2011 wurde Siegfried Liess (SPÖ) Bürgermeister, der durch einen Misstrauensantrag gestürzt wurde. Seit 8. Januar 2012 ist Bernhard Zechner Bürgermeister.[4]

Kultur und Sehenswürdigkeiten

  • Stockschloss
  • Bildstock der drei Heiligen

Sport

  • Golf: Auf ungefähr 40 Hektar Fläche befinden sich der vom Golf- und Countryclub Reiting-Gai betriebene, weitläufig angelegte Fairways mit ausgedehnten Greens, Sandbunker und Wasserhindernissen, eine Golfschule sowie ein 6-Hole-Kurzplatz für individuelles Schlagtraining.
  • Radfahren: Das Gebiet eignet sich besonders für Familienradtouren, aber auch anspruchsvolle Strecken sind vorhanden.
  • Bergsteigen: Dominierende Berggestalt ist der Reiting mit seiner höchsten Erhebung, dem 2214 m hohen Gößeck.

Regelmäßige Veranstaltungen

Volkskultur Gai – ein jeweils Mitte April stattfindendes steirisches Sänger- und Musikantentreffen in der örtlichen Mehrzweckhalle.

Literatur

  • Elfriede Maria Huber-Reismann, Bernhard A. Reismann: Gai. Die Geschichte einer Landgemeinde, drei Bände. Eigenverlag der Gemeinde Gai, 2005.

Weblinks

 Commons: Gai, Styria – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Georg Göth Das Herzogthum Steiermark; Zweiter Band. Wien 1841 Verlag von J.G.Heubner, Seite 93'
  2. Georg Göth Das Herzogthum Steiermark, Zweiter Band, Wien 1841 Verlag J.G.Heubner S. 93 und 117
  3. Stmk. Landesgesetzblatt Nr. 106/2012. Abgerufen am 27. November 2012 (PDF).
  4. [1](Bernhard Zechner neuer Bürgermeister/abgerufen 9. Januar 2012)