Gasselhöhle

Gasselhöhle
Führung in der Gassel-Tropfsteinhöhle

Führung in der Gassel-Tropfsteinhöhle

Lage: Erlakogel bei Ebensee (Salzkammergut), Österreich
Höhe: 1229 m ü. A.
Geographische
Lage:
47° 49′ 23″ N, 13° 50′ 34″ O47.82305555555613.8427777777781229Koordinaten: 47° 49′ 23″ N, 13° 50′ 34″ O
Gasselhöhle (Oberösterreich)
Gasselhöhle
Katasternummer: 1618/3
Geologie: Hauptdolomit
Typ: Tropfsteinhöhle, Wasserhöhle, Teilschachthöhle
Entdeckung: 1918
Schauhöhle seit: 1933
Beleuchtung: elektrisch
Gesamtlänge: 4521 mdep1
Niveaudifferenz: 156 mdep1
Länge des Schau-
höhlenbereiches:
600 mdep1
Besonderheiten: Höhlenperlen mit 40 mm Ø und Tropfsteinreichtum in der „Sintervulkanhalle“ (außerhalb des Schaubereichs)
Website: www.gasselhoehle.at

Die Gassel-Tropfsteinhöhle in einem Ausläufer des Erlakogels bei Ebensee (Salzkammergut) ist eine Schauhöhle in Oberösterreich. Speläologische Fachpublikationen bezeichnen die Gasselhöhle als tropfsteinreichste Höhle der Nördlichen Kalkalpen.[1][2]

Inhaltsverzeichnis

Allgemeines

Die unter Naturschutz stehende Höhle ist bekannt für ihre reichen Tropfsteinvorkommen, deren Farben von reinweiß über gelblich bis zu dunkelbraun reichen und durch die elektrische Beleuchtung besonders schön zur Geltung kommen. Die Schauhöhle kann im Rahmen einer 50 Minuten dauernden Führung auf einer Länge von 250 m besichtigt werden. Der Führungsweg ist durch Stiegen, Podeste und betonierte Wege sehr gut ausgebaut und kann in Begleitung eines geprüften Höhlenführers gefahrlos begangen werden.

Die Schauhöhle wird seit 1933 vom Verein für Höhlenkunde Ebensee betreut.

Lage

Die Höhle liegt in der Südflanke des Gasselkogels (1411 m), eines Ausläufers des Erlakogels in den östlichen Trauntaler Voralpen. Der einzige bisher bekannte Eingang liegt auf 1229 m Seehöhe.

Zugang

Man erreicht die Höhle auf Forststraßen und gut ausgebauten Wanderwegen. Der Weg führt von der Ortschaft Rindbach (Gemeinde Ebensee) vorbei am als Naturdenkmal geschützten Rindbach-Wasserfall und folgt dem unteren Rindbachtal und dem Karbachtal durch eine bewaldete Voralpenlandschaft. Die Tour ist als Ganztags-Bergwanderung auch mit Kindern geeignet. Die Gehzeit beträgt von Rindbach etwa 2½ Stunden.

Gesundheit

Die Temperatur in der Höhle beträgt zwischen 6° und 7° C, die relative Luftfeuchtigkeit liegt bei 100 %. Die Höhlenluft ist unter diesen Bedingungen praktisch keimfrei. Die besondere therapeutische Eignung gegen Infektanfälligkeit und Asthma bronchiale wurde der Höhle bereits kurärztlich bestätigt.

Wanderziele in der Umgebung der Höhle

Empfehlenswert ist die Wanderung auf den Gipfel des Gasselkogels (1411 m), der von der Gasselhöhle aus in etwa 20 Minuten erreichbar ist und einen hervorragenden Rundblick auf Totes Gebirge, Höllengebirge, Traunstein und Traunsee bietet. Neben dem direkten Zugang von Ebensee aus, gibt es die Möglichkeit, die Höhle von anderen Orten zu erreichen:

  • vom Offensee über die Farnau
  • vom Jagersimmerl im Almtal über das Grünangerl
  • von Grünau über das Hintere Rinnbachtal und den Grünauer Boden
  • als Abstieg nach Karbach am Traunsee (von Karbach per Wassertaxi zurück nach Ebensee oder über die Mairalm nach Gmunden)
Die größten bisher in Österreich gefundenen Höhlenperlen

Die beiden letzten Wanderungen sind nicht markiert. Bergerfahrung und Orientierung mit Wanderkarten sind unbedingte Voraussetzung!

Geologie

Die Gasselhöhle liegt größtenteils im Hauptdolomit, einem Gestein, in dem Höhlen aufgrund der Feinklüftigkeit eher selten und an tektonische Störungszonen gebunden sind. Der Gasselkogel ist wie die anderen Dolomitkarstgebiete der Alpen nicht vollverkarstet, oberirdische Gerinne treten öfters auf. Die Gangprofile deuten mehrheitlich auf eine vadose Entstehung hin, die typischen phreatischen Gangprofile sind in der Höhle nur selten zu finden. Störungsflächen und Harnische erweisen sich als raumbestimmend, sind jedoch durch starke Versinterungen und Tropfsteinbehang nicht sichtbar. Die Anlage der Höhle ist durch stark versintere, großräumige Klüfte und Schächte geprägt, die sich im nördlichen Teil der Höhle labyrinthartig ausbreiten. Die Plandarstellung der Höhle stößt bei einer bis zu fünffachen Überlagerung auf Schwierigkeiten.

Höhlenforschung

Entdeckung

Entdeckt wurde die Höhle im Jahre 1918 und wurde schlagartig in der Öffentlichkeit bekannt. 1931 wurde sie zum Naturdenkmal erklärt. Die offizielle Öffnung als Schauhöhle erfolgte 1933. In den eingangsnahen Höhlenteilen fand man zahlreiche Tierknochen, darunter ein vollständiges Skelett des heute bereits ausgestorbenen Höhlenbären. Weiters fand man Knochen von Braunbär, Elch, Luchs und Hirsch.

Neuforschung

Die Gesamtlänge des Höhlensystems beträgt 4521 m, die größte Tiefe 156 m (Stand November 2012).[2] Bei Neuforschungen zwischen 1984 und 1989 wurde der besonders tropfsteinreiche „Neue Teil“ entdeckt. Eine besondere Sensation war dabei die Entdeckung der Perlenhalle. Neben tausenden kleineren Höhlenperlen fand man eine handvoll „großer“ mit einem Durchmesser von fast 40 mm. Sie sind damit die größten jemals in Österreich gefundenen Höhlenperlen.

Bei Neuforschungen seit 2007 wurden extrem tropfsteinreiche Höhlenteile im sogenannten „Nordterritorium“ (darunter u.a. die „Sintervulkanhalle“) entdeckt, die bei Führungen jedoch nicht gezeigt werden können. In der „Aprilscherz-Halle“ traf man auf die bisher größte Tropfsteinsäule der Gasselhöhle mit einer Höhe von 11 m und einer Breite von bis zu 6 m. 2008 wurden die sehr oberflächennahen und stark versinterten „Zwillingshallen“ östlich der „Aprilscherz-Halle“ erstmals erkundet.

Neu entdeckter, kleiner Siphonsee in der Silvesterhalle
Detailaufnahme der Stalaktiten in der Kanzelhalle

Einzelnachweise

  1. Dietmar Kuffner: Neuforschungen in der Gassel-Tropfsteinhöhle (1618/3) bei Ebensee. In: Die Höhle 2008. S. 103-110. Hier: S. 103.
  2. a b  Johannes Mattes: Von Industriearbeitern, Soldaten und Höhlentouristen – Forschungsgeschichte und Beschreibung der Gassel-Tropfsteinhöhle bei Ebensee (Oberösterreich). In: Mitteilungen des Verbands der Deutschen Höhlen- und Karstforscher e.V.. 58, Nr. 2, München 4. Juni 2012, ISSN 0505-2211, S. 40–48 (2,89 MB PDF, abgerufen am 25. Oktober 2012).

Literatur

  • Fink, P., Kuffner, D., Mattes, J. (2009): Höhlenforschung in der Gassel-Tropfsteinhöhle. Mit Photos und Plänen. Mitteilungen des Landesvereins für Höhlenkunde in Oberösterreich 55. Jg. 2009/1, Gesamtfolge 115, Linz, S. 12-26
  • Kuffner, D. (2008): Neuforschungen in der Gassel-Tropfsteinhöhle (1618/3) bei Ebensee - Die Höhle, 59/1-4, Wien 2008, S. 103-110.
  • Fink, P., Mattes, J., Zeindlinger E. (2008): Höhlenforschung in der Gassel-Tropfsteinhöhle (Kat.Nr. 1618/3) Verein für Höhlenkunde Ebensee. Mitteilungen des Landesvereins für Höhlenkunde in Oberösterreich 54. Jg. 2008/1, Gesamtfolge 114, Linz, S. 16-29
  • Mattes, J. (2007): Forschungswochenende in der Gassel-Tropfsteinhöhle (Kat.Nr. 1618/3) des Vereins für Höhlenkunde Ebensee. Mitteilungen des Landesvereins für Höhlenkunde in Oberösterreich 53. Jg. 2007/1, Gesamtfolge 113, Linz, S. 41-48
  • Kuffner, D. (1997): Die Gassel-Tropfsteinhöhle, Ebensee 1997, 59 S.
  • Verband Österreichischer Höhlenforscher (Hg.) (1998): Akten zum Seminar Schauhöhlen-Höhlenschutz-Volksbildung. Ebensee, 1998. 96 S.
  • Kuffner, D. (1993): 60 Jahre Verein für Höhlenkunde Ebensee. - Die Höhle, 44/2, Wien 1993, S. 34f.
  • Kuffner, D. (1990): Die Besucherzahl der Gassel-Tropfsteinhöhle (Oberösterreich). - Die Höhle, 41/4, Wien 1990, S. 89-93
  • Verein f. Höhlenkunde Ebensee (Hg.) (1989): Höhlenforschung in Ebensee. Ebensee, 1989. 70 S.
  • Kuffner, D. (1989): 70 Jahre Gassel-Tropfsteinhöhle (Oberösterreich). - Die Höhle, 37/3, Wien 1989, S. 65f.

Weblinks

 Commons: Gasselhöhle – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien