Geographie und Wirtschaftskunde

Geographie und Wirtschaftskunde (kurz: GWK, GuWK, GuW oder GW) ist der Name eines Unterrichtsgegenstandes, der ausschließlich in Österreich unterrichtet wird.

Inhaltsverzeichnis

Allgemeines

Dieses Fach ist erst ab der Unterstufe (5. Schulstufe) eigenständig, in der Volksschule werden Inhalte dieses Faches im Gegenstand "Sachunterricht" gelehrt. Dabei umfasst die Lehre in GWK das Übermitteln von geographischen und wirtschaftlichen Inhalten: Geographie und Wirtschaftskunde ist daher als ein doppelpoliges Zentrierfach zu sehen, das sich mit dem Handeln des Menschen in Raum und Wirtschaft beschäftigt.

Lehrplan in der Unterstufe (AHS u. Neue Mittelschulen)

In der ersten Klasse Unterstufe (5. Schulstufe) erfolgt eine Auseinandersetzung mit dem in den verschiedenen Klimazonen lebenden und wirtschaftenden Menschen (Tropen, Subtropen, gemäßigte Zone, kalte Zone). Weiters stehen Naturgefahren und Ressourcengewinnung im Vordergrund.

In der zweiten Klasse (6. Schulstufe) fordert der Lehrplan die Beschäftigung mit dem sekundären und tertiären Wirtschaftssektor, betriebswirtschaftlichen Fragestellungen und mit dem Leben in städtischen Räumen. Es werden immer aktuelle Inhalte behandelt, historische Fragestellungen werden dem Unterrichtsgegenstand Geschichte und Sozialkunde/Politische Bildung überlassen.

In der dritten Klasse (7. Schulstufe) steht Österreich im Mittelpunkt der Betrachtung, zunächst natur-, schließlich kultur- und wirtschaftsgeographisch. Ferner werden volkswirtschaftliche Themen (z. B. Magisches Vieleck der Wirtschaftspolitik) behandelt.

In der vierten Klasse (8. Schulstufe) beschäftigt man sich mit Gesellschaft und Wirtschaft politisch und/oder wirtschaftlich mächtiger Staaten, mit Entwicklungsländern und mit weltwirtschaftlichen Fragestellungen.[1]

Die vom Unterrichtsministerium verordnete Stundentafel, welche schulautonom verändert werden kann, sieht in der Unterstufe ein Gesamtausmaß von sieben Jahreswochenstunden vor.[2]

GWK an der Oberstufe Höherer Schulen

In der Oberstufe der Allgemeinbildenden Höheren Schulen spielt Geographie und Wirtschaftskunde eine ähnliche Funktion wie in der Unterstufe.

Die vom Unterrichtsministerium verordnete Stundentafel, die schulautonom verändert werden kann, sieht im gymnasialen und im realgymnasialen Zweig insgesamt sieben Jahreswochenstunden und im wirtschaftskundlichen Zweig, in dem Geographie und Wirtschaftskunde typenbildend ist, neun Jahreswochenstunden vor.[3]


Der kompetenzorientierte Lehrplan fordert

  • Methodenkompetenz
  • Orientierungskompetenz
  • Synthesekompetenz
  • Umweltkompetenz
  • Gesellschaftskompetenz
  • Wirtschaftskompetenz

ein.

Letztere bedeutet

  • Verständnis grundlegender Zusammenhänge in betriebs-, volks- und weltwirtschaftlichen Bereichen sowie Kenntnis gesamtwirtschaftlicher Gesetzmäßigkeiten, Strukturen und Probleme,
  • Wirtschaftspolitik als wesentlichen Bestandteil der Politik erkennen, ihre Modelle und deren reale Umsetzung in unterschiedlichen Systemen einschätzen können,
  • Erwerb grundlegender Kenntnisse und konkreter Einblicke ins innerbetriebliche Geschehen,
  • Einsicht in den Wandel der Produktionsprozesse und Verständnis für Veränderungen der Arbeits- und Berufswelt unter dem Einfluss wachsender Technisierung und Globalisierung,
  • Interesse wecken für ein Erwerbsleben im selbständigen Bereich.

Der Lehrstoff ist wie folgt gegliedert:

In der 5. und 6. Klasse (9. und 10. Schulstufe):


Die soziale, ökonomisch und ökologisch begrenzte Welt

  • Gliederungsprinzipien der Erde nach unterschiedlichen Sichtweisen
  • Landschaftsökologische Zonen der Erde
  • Bevölkerung und Gesellschaft
  • Die Menschen und ihre wirtschaftlichen Bedürfnisse
  • Nutzungskonflikte an regionalen Beispielen


Vielfalt und Einheit - Das neue Europa

  • Raumbegriff und Strukturierung Europas
  • Produktionsgebiete im Wandel - Außerwert- und Inwertsetzung als sozioökonomische Problemstellungen
  • Konvergenzen und Divergenzen europäischer Gesellschaften
  • Wettbewerbspolitik und Regionalpolitik
  • Regionale Entwicklungspfade im Vergleich


In der 7. Klasse (11. Schulstufe):

  • Veränderungen der geopolitischen Lage Österreichs
  • Naturräumliche Chancen und Risken
  • Demographische Entwicklung und gesellschaftspolitische Implikationen
  • Gesamtwirtschaftliche Leistungen und Probleme - Wirtschafts- und Sozialpolitik
  • Wirtschaftsstandort Österreich
  • Unternehmen und Berufsorientierung


In der 8. Klasse (12. Schulstufe):

  • Globalisierung - Chancen und Gefahren
  • Politische und ökonomische Systeme im Vergleich
  • Städte als Lebensräume und ökonomische Zentren
  • Geld und Währung
  • Politische Gestaltung von Räumen[4]


Interessierte Schüler können Geographie und Wirtschaftskunde zusätzlich noch als Wahlpflichtfach im Gesamtausmaß von vier Jahreswochenstunden wählen und die Inhalte des Lehrplans vertiefen. An einer Reihe österreichischer AHS wird inzwischen im Rahmen dieses Lehrplans oder im Rahmen eines Freifachs oder Unverbindlichen Übung der Unternehmerführerschein angeboten. In den Modulen A, B, C und UP werden die Inhalte des kaufmännischen Teils der Unternehmerprüfung vermittelt: Volkswirtschaft, Betriebswirtschaft, Kaufmännisches Rechnen, Buchhaltung, Kostenrechnung.[5]


In den Berufsbildenden Höheren Schulen unterscheidet sich die Situation je nach Schultyp und Schwerpunkt ganz wesentlich:

Die Bildungsanstalten für Kindergartenpädagogik kennen ebenfalls den Unterrichtsgegenstand Geographie und Wirtschaftskunde mit ähnlichem Lehrplan wie die AHS und einem Ausmaß von insgesamt sechs Jahreswochenstunden.[6]

Die Höheren Technischen Lehranstalten führen ebenfalls einen Unterrichtsgegenstand Geographie und Wirtschaftskunde. Allerdings ist in diesem Schultyp der Kanon der allgemeinbildenden Fächer sehr stark reduziert bzw. nicht angeboten, Geographie und Wirtschaftskunde wird im Ausmaß von insgesamt vier Jahreswochenstunden unterrichtet, daneben aber noch ein eigens Fach "Wirtschaft und Recht".[7]

Die Höheren Lehranstalten für Wirtschaftliche Berufe und die Handelsakademien gehen aufgrund ihrer Schwerpunktsetzung naturgemäß einen anderen Weg: Zum im Ausmaß von fünf bis sechs Jahreswochenstunden angebotenen Unterrichtsgegenstand "Wirtschaftsgeographie" bzw. "Geographie (Wirtschaftsgeographie)" treten eigene Unterrichtsgegenstände wie Betriebs- und Volkswirtschaft oder Rechnungswesen und Controlling, aber auch Internationale Wirtschafts- und Kulturräume.[8][9]

Siehe auch

Weblinks

Einzelnachweise

  1. http://www.bmukk.gv.at/medienpool/784/ahs9.pdf
  2. http://www.bmukk.gv.at/schulen/unterricht/lp/lp_ahs_unterstufe.xml
  3. http://www.bmukk.gv.at/schulen/unterricht/lp/lp_ahs_oberstufe.xml
  4. http://www.bmukk.gv.at/medienpool/11858/lp_neu_ahs_06.pdf
  5. http://www.unternehmerfuehrerschein.at/Content.Node/index.html
  6. http://bakip.scp.ac.at/?page_id=1977
  7. http://www.bmukk.gv.at/schulen/bw/bbs/Berufsbildende_Schulen_H1745.xml
  8. http://www.bmukk.gv.at/schulen/bw/bbs/kfm.xml
  9. http://www.bmukk.gv.at/schulen/bw/bbs/wb.xml