Georg Scherer (evangelischer Märtyrer)

Georg Scherer (Scheerer, Schärer; * in Saalfelden; † 13. April 1528 in Radstadt) war ein ehemaliger Franziskanermönch, der zum evangelischen Glauben übertrat und als evangelischer Märtyrer hingerichtet wurde.

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Leben

Scherer war zunächst neun Jahre als Weltpriester tätig, dann trat er in den „barfüßigen Franziskanerorden“ ein. 1525, nach dreijähriger Zeit im Orden, legte er die Mönchskutte ab, da er „im Orden nichts gefunden habe als Neid, Hass, Zank und Uneinigkeit und ein gleissnerisches Leben“.[1] Scherer fing an, in Radstatt die lutherischen Lehrsätze zu predigen. 1528 wurde er gegenüber dem Salzburger Erzbischof Matthäus Lang als Ketzer angeklagt und ins Gefängnis geworfen. Hier wurden ihm zu verschiedenen Artikeln der christlichen Lehre Fragen vorgelegt, die er schriftlich im Sinne der lutherischen Überzeugung beantwortete. Dieses von ihm verfasste Glaubensbekenntnis gilt als sein religiöses Vermächtnis.[2] Das daraufhin gefällte Urteil lautete, dass „er lebendig verbrannt werden sollte“; auf Fürsprache wurde das Urteil dahingehend abgeändert, dass „er vorher enthauptet, und dann erst sein Körper verbrannt werden sollte“.

Vor seiner Exekution hielt er vor der versammelten Gemeinde noch eine kurze Ansprache, in der er darlegte, dass er unschuldig sterbe. Die Rede machte einen solchen Eindruck, dass nach seiner Enthauptung der Körper nicht verbrannt, sondern in der Erde bestattet wurde.[3]

Wirkungen heute

Der Name „Evangelische Versöhnungskirche“ in Radstadt erinnert an die Hinrichtung des Mönchs Georg Scherer. Zugleich wird mit dieser Bezeichnung auch der Ereignisse des Jahres 1732 gedacht, als im Zuge der Gegenreformation die Protestanten aus dem Salzburger Land auswandern mussten und damals 70 % der Radstädter Bevölkerung ihre Heimat verließen, nicht aber von ihren Glauben ablassen wollten. Auf der Kirche befindet sich eine Gedenktafel, die an den protestantischen Märtyrer Georg Scherer erinnert.

Literatur

  • Peter F. Barton: Die Geschichte der Evangelischen in Österreich und Südostmitteleuropa. Bd. 1: Im Schatten der Bauernkriege – Die Frühzeit der Reformation. Wien 1985, Hermann Böhlaus Nachf. ISBN 3-85073-199-5.
  •  Gerhard Florey: Geschichte der Salzburger Protestanten und ihrer Emigration 1731–32. Böhlau, Wien 1977, ISBN 3-205-08188-9.
  •  Judas Thaddäus Zauner: Chronik von Salzburg (Fünfter Theil). Franz Xaver Duyle, Salzburg 1803.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Josef Schmid: Des Cardinals und Erzbischofs von Salzburg Matthäus Lang Verhalten zur Reformation. In: Jahrbuch der Gesellschaft für die Geschichte des Protestantismus in Österreich, 21. Jahrgang, Julius Klinkhardt, Wien/Leipzig 1900, S. 138–158.
  2. Scherers Bekenntnis ist abgedruckt bei Peter F. Barton, S. 281–287.
  3. Judas Thaddäus Zauner: Chronik von Salzburg (Band 5), S. 126 f.