George S. Patton

George S. Patton jr., 1943

George Smith Patton, Jr. (* 11. November 1885 in San Gabriel, Kalifornien; † 21. Dezember 1945 in Heidelberg) war ein General der US Army im Zweiten Weltkrieg.

Inhaltsverzeichnis

Familie

Die Pattons waren eine Patrizierfamilie schottisch-irischer und englischer Herkunft, zu denen etliche Militärs und Politiker gehörten, so unter anderem die Generale Hugh Mercer und Hugh Weedon Mercer.[1] George Smith Patton Eltern waren George Smith Patton Sr. (1856–1927) und seine Frau Ruth Wilson (1861–1928), die Tochter von Benjamin Davis Wilson (Don Benito), einem kalifornischen Politiker und Indianerfreund. Er war bereits der dritte George Smith Patton nach seinem Großvater. Pattons Vater war ein Freund John Singleton Mosbys, einem so berühmten Kavalleristen wie berüchtigtem Guerrillaführer. Ein Großonkel, Oberst Waller T. Patton starb bei Gettysburg, weitere dienten als Oberste in der Confederate States Army oder bei der Confederate States Navy. John M. Patton, sein Urgroßvater war stellvertretender Gouverneur des Staats Virginia.

Kadett Patton 1907
Lieut. Col. Patton in Frankreich im Sommer 1918
General Bernard Law Montgomery und Generalleutnant George S. Patton (rechts) am 28. Juli 1943 in Palermo, Sizilien
Patton (li.) mit Brigadier General Otto P. Weyland, Nancy 1944

Patton heiratete 1910 Beatrice Banning Ayer (1886 – 1953), die Tochter des Textilindustriellen Frederick Ayer. Sie kannten sich seit Kindeszeiten, weil die Familien Eltern eine gemeinsam genutzte Insel, Catalina Island für die Ferien benutzten. Sie hatten drei Kinder, Beatrice Smith Patton (1911 – 1952), Ruth Ellen Patton Totten (1915 –1993), die eine Familiengeschichte der Eltern veröffentlichte,[2] und George Patton IV (1923 – 2004), der ebenso West Point besuchte und Generalmajor der US Army wurde.

Ausbildung und Olympiateilnahme

Er war ein Jahr beim Virginia Military Institute und dort beim Kappa Alpha Order aktiv und wechselte dann zur US Military Academy in West Point. Sein erstes Studienjahr musste er wegen Mathematikschwächen wiederholen, was er dann mit Auszeichnung tat, und wurde 1909 Kavallerieoffizier.

Er beendete die Olympischen Spiele in Stockholm 1912 im modernen Fünfkampf als Fünfter, wobei er eine Kontroverse wegen seiner Schießergebnisse auslöste - Patton, der großkalibrigere Pistolen verwendete, behauptete, einige seiner Treffer wären doppelt zu zählen, weil er genau zweimal denselben Punkt getroffen hätte.

Militärische Karriere

1915 wurde er Lieutenant. Patton wurde an die mexikanische Grenze verlegt, wo er gegen Aufständische kämpfte und dabei „General” Julio Cardenas, den Führer der Leibgarde Pancho Villas, mit seinem Colt tötete. Unter General Pershing kämpfte Captain Patton während des Ersten Weltkriegs in Europa. Er bildete die ersten 500 amerikanischen Panzerfahrer aus. Patton beendete den Krieg, durch MG-Feuer verwundet, als Colonel (temporary rank). Patton war Anhänger der Reinkarnationstheorie und glaubte, in einem früheren Leben schon einmal in Frankreich gewesen zu sein.

Während des Zweiten Weltkrieges wurde er durch seine Erfolge in Nordafrika (Stoppen des Tunesien-Feldzugs), auf Sizilien (Operation Husky) und in den Ardennen bekannt. 1943 wurde er auf Vorschlag von General Eisenhower zum Lieutenant General befördert. Bei der Operation Overlord, der Invasion in Frankreich 1944, war Patton nicht dabei, weil er auf Sizilien einen einfachen Soldaten geohrfeigt hatte und nach heftigen Angriffen in der Heimatpresse von seinem Kommando entbunden worden war. Als Teil der Operation Quicksilver wurde Patton dann Oberbefehlshaber der nur auf dem Papier bestehenden 1. US-Heeresgruppe (FUSAG, the First United States Army Group), um der deutschen Militärführung eine alliierte Landungsabsicht am Pas-de-Calais vorzutäuschen, während dann die tatsächliche Landung in der Normandie am 6. Juni 1944 stattfand. Nach dieser Landung erlangte Patton als kämpfender General der 3. US Army legendären Ruhm. Er drillte persönlich seine Truppen und formte diese zu kampfstarken, vom Gegner respektierten Kampfverbänden. Pattons wohl bedeutendster Erfolg als Truppenführer war sein Durchbruch durch die deutschen Linien am 31. Juli 1944 bei Avranches, als er durch eine mit seinen Panzerverbänden mit hoher Schnelligkeit vorgetragene Umgehungsoperation (Operation Cobra) die linke deutsche Flanke zerstörte. Dadurch gelang es Patton, den bisherigen Frontverlauf völlig aufzulösen und den alliierten Vormarsch entscheidend zu beschleunigen. Er erzielte weitere Erfolge

  • beim Kampf um Metz (27. August bis 13. Dezember 1944), der mit der Eroberung der alten Festung Metz endete,
  • bei der Entlastung der eingeschlossenen Amerikaner in Bastogne in der Abwehr der Ardennenoffensive und
  • bei seinem rapiden Vormarsch durch Süddeutschland mit der kampflosen Einnahme von Ulm und Memmingen nach Westböhmen, wo sein weiteres Vordringen nach der Einnahme von Pilsen aus politischen Gründen gestoppt wurde.

George S. Patton jr. war ein Pferdeliebhaber. Diesem Umstand ist es zu verdanken, dass er Sorge dafür trug, dass die westlichen Truppen das Gestüt Hostau, wo alle Pferde der Staatsgestüte im Einflussbereich der Deutschen Wehrmacht zusammengezogen waren, auch die berühmten Lipizzaner aus Piber, vor den sowjetischen Truppen in Sicherheit brachte, um den wertvollen Pferdebestand zu retten. Er hatte die Sorge, dass die sowjetischen Truppen den kulturellen Wert der Lipizzanerzucht nicht erkennen. Kurz vor Kriegsende wurde Patton zum Viersternegeneral befördert.

Befreiung Buchenwalds

Als die 3. Army am 11. April 1945 das KZ Buchenwald auf der Anhöhe des nahe Weimar gelegenen Ettersberg befreite, war er – nach einer Besichtigung am 15. April – von der Grausamkeit der Nazis so schockiert, dass er der Militärpolizei befahl, am folgenden Tag 1.000 Weimarer durch das KZ zu führen und diese mit der Realität der Diktatur zu konfrontieren.

Gouverneur Bayerns und Ablösung

Nach dem Kriege war Patton Militärgouverneur von Bayern und residierte von Mai bis September 1945 im Haus des ehemaligen Reichspresseleiters, Max Amann in St. Quirin in Gmund am Tegernsee. Er kam schon bald in Schwierigkeiten, da er die Entnazifizierung nicht zügig vorantrieb.

Patton liebte seinen Beruf und war der Ansicht, dass der Krieg zum menschlichen Leben dazugehöre. Seine Markenzeichen waren ein gravierter vernickelter Colt Single Action Army Revolver .45 Modell 1873 mit Elfenbeingriff, ein Smith & Wesson .357 Magnum und sein Bull Terrier Willi. Er war äußerst erfolgreich und umstritten, ein Zyniker. Pattons Äußerungen wurden von manchen als Bewunderung der SS verstanden: Die SS... eine verdammt gut aussehende Bande von sehr disziplinierten Hurensöhnen. Mit solchen wenig diplomatischen Äußerungen rief er das Unverständnis vieler Zeitgenossen hervor. Er wollte ein Bündnis mit den Deutschen, um die Sowjetunion zu vernichten. Damit dachte er in eine ähnliche Richtung, wie der englische Premierminister, Winston Churchill, mit der Operation Unthinkable. Nachdem Patton am 22. September 1945 die NSDAP als „normale Partei“ bezeichnet und mit den US-amerikanischen Parteien verglichen hatte, wurde er durch Eisenhower von seinem Kommando über die 3. US-Armee abgelöst. Er wurde danach zur 15. Armee in Bad Nauheim versetzt.

Tod

Am 9. Dezember 1945, einen Tag vor seiner geplanten Rückkehr in die USA, begab sich der General gemeinsam mit seinem Chef des Stabes, Generalmajor Hobart R. „Hap“ Gay auf Fasanenjagd. Gegen 11:45 Uhr stieß der Wagen, ein Cadillac Model 75, gefahren von PFC Horace Woodring, auf einem Bahnübergang in Mannheim-Käfertal mit einem amerikanischen Lastkraftwagen, am Steuer der Technical Sergeant Robert L. Thompson, frontal zusammen. Während General Gay und der Fahrer unverletzt blieben, erlitt Patton einen Halswirbelbruch mit einer Querschnittlähmung, vermutlich weil er auf die Trennwand im Wagen aufschlug.

Er starb am 21. Dezember 1945 im Heidelberger Militärhospital infolge einer Lungenembolie. Auf eigenen Wunsch wurde er auf dem amerikanischen Soldatenfriedhof bei Hamm in Luxemburg (Luxembourg American Cemetery and Memorial) inmitten der Soldaten „seiner“ 3. US-Armee beigesetzt.

Später wurde er aus dem Gräberfeld an eine gesonderte Stelle näher beim Eingang umgebettet, damit die vielen Besucher, die speziell seinetwegen kommen, nicht die Totenruhe der umliegenden Soldaten stören.

Rolle in Luxemburg

Luxemburg verehrt ihn bis heute als seinen Befreier. So nennt sich Ettelbrück, eine Stadt mit 7.300 Einwohnern im Norden Luxemburgs, auch „Patton-Stadt”. Dies ist begründet durch die Ereignisse des Winters 1944/45. Der Norden Luxemburgs musste teilweise wiedererobert werden.

Denkmal in Marienbad

Zitate

  • „Möge Gott Gnade mit meinen Feinden haben, denn ich werde sie nicht haben.“ (Im Original: „May God have mercy upon my enemies, because I won't.“)[3]
  • „Ich habe große Achtung für die deutschen Soldaten. In Wirklichkeit sind die Deutschen das einzige anständige in Europa lebende Volk.“ (in seinem 1974 erschienenen dokumentarischem Nachlass bzw. in seinem Tagebuch: Auszug - Notizen, Ausg. 2 - 1974 - 889 Seiten - Master of War: The Patton Papers 1940-1945)
  • „Sag Menschen nie, wie sie Dinge tun sollen. Sag ihnen was zu tun ist, und sie werden dich mit ihrem Einfallsreichtum überraschen.“ (Im Original: „Don't tell people how to do things. Tell them what to do and let them surprise you with their results.“) Aus: Schmitz, Heribert „Raus aus der Demotivationsfalle“, Gabler-Verlag, Wiesbaden 2005 (D).
  • „Ein guter Plan heute ist besser als ein perfekter Plan morgen.“[4]
  • „Irgendwo auf Sizilien gibt es 400 hübsch angeordnete Gräber. Und das nur weil ein Mann im Dienst schlief. Aber es sind deutsche Gräber, weil wir den schlafenden Bastard vor ihnen erwischt haben.“ (Aus seiner Rede an die 3. Armee am 5. Juni 1944)
  • „Ich würde lieber eine deutsche Division vor mir haben als eine französische hinter mir" (Im Original: I would rather have a German division in front of me, than a French one behind me)[5]
Falschzuschreibungen
  • „Es ist nicht das Ziel des Krieges für dein Land zu sterben, sondern den anderen Bastard für seins sterben zu lassen." (Im Original: „The object of war is not to die for your country but to make the other bastard die for his.“)[6]

Veröffentlichungen

  • George S. Patton, Jr.: War As I Knew It. Houghton Mifflin, 1947/1975, ISBN 0-395-73529-7.
  • Kevin Hymel (Hrsg.): Patton's photographs: War as he saw it. Potomac Books, 2006, ISBN 1-57488-872-2.

Literatur

  • Ladislas Farago: The last days of Patton. Berkley Books, New York 1982, ISBN 0-425-05388-1.
  • George Forty: The armies of George S. Patton. Arms & Armour, London 1996, ISBN 1-85409-295-2.
  • Stanley P. Hirshson: General Patton. Harper Collins, New York 2002, ISBN 0-06-000982-9.
  • Earle Rice: George Patton. Chelsea House Publ., Philadelphia, Penn. 2004, ISBN 0-7910-7403-X.
  • Robert H. Patton: The Pattons: The Personal History of an American Family. Potomac Books, 2004, ISBN 1-57488-690-8.
  • John Nelson Rickard: Patton at Bay: The Lorraine Campaign, 1944. Potomac Books, 2004, ISBN 1-57488-782-3.
  • John Nelson Rickard: Advance and Destroy. Patton as Commander in the Bulge. The University of Kentucky Press, Lexington, Kentucky, USA, 2011, ISBN 978-0-8131-3455-0.
  • Trevor Royle: Patton: Old Blood and Guts. – London : Weidenfeld & Nicolson, 2005, ISBN 0-297-84676-0.
  • Robert K. Wilcox: Target: Patton, The Plot to Assassinate General George S. Patton. Regnery Publishing, Washington, D.C. 2001, ISBN 1-59698-579-8.

Film

Siehe auch

  • Patton war Befehlshaber der fiktiven First United States Army Group (dt. 1. US-Heeresgruppe) zur Täuschung der deutschen Aufklärung über die Invasion (Operation Fortitude)
  • Patton wurde in den 1950er Jahren zum Namensgeber der Panzer Patton I und Patton II der US Army
  • Die Militärsiedlung Pattonville im Landkreis Ludwigsburg wurde ebenfalls nach ihm benannt, außerdem die Kaserne Patton Barracks in Heidelberg.[8]
  • An ihn erinnert auch die Patton Avenue in der ehemaligen Amerikanischen Wohnsiedlung in Bad Nauheim. Diese wurde 2010 im Zuge der Neubebauung in Paul-Ehrlich-Straße umbenannt.[9]

Einzelnachweise

  1. Biography of General Hugh Mercer. Militaryhistory.about.com (29. September 2011). Abgerufen am 21. März 2012.
  2. The Button Box: A Loving Daughter's Memoir of Mrs. George S. Patton
  3. www.quotedb.com, Abgerufen 9. Juni 2007.
  4. nach [1], Abgerufen 9. Juni 2007.
  5. General George Patten quotes
  6. Patton (1970) - Memorable quotes
  7. siehe Filmographie
  8. Plan und Fotos von Patton Barracks auf einer Seite zu den amerikanischen Militäreinrichtungen in Heidelberg. Abgerufen am 22. Februar 2012.
  9. Wetterauer Zeitung (vom 8. April 2010)

Weblinks

 Commons: George S. Patton – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien