Gerhard Pretzmann

Gerhard Pretzmann (* 8. September 1929 in Wien; † 20. Januar 2013 ebenda) war ein österreichischer Zoologe und Paläontologe am Naturhistorischen Museum Wien.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Gerhard Pretzmann wurde in Wien geboren. Er hat hier bei Otto Koenig und Konrad Lorenz studiert und schrieb eine Dissertation über „Soziales Verhalten bei Süßwasserfischen“. Seinen Doktor der Philosophie erhielt er im Jahr 1958.[1] Zunächst arbeitete er am Hygiene-Institut (Virologie-Ökologie) und anfangs parallel dazu, dann allein und bis zur Pension (als Abteilungsleiter) am Naturhistorischen Museum und war auch in der Volksbildung sehr aktiv. Pretzmann war Mitbegründer und langjähriges Vorstandsmitglied des Umwelt-Forum, wo er den Arbeitskreis für Umweltethik leitete, und gründete mit Alexander Tollmann der Vereinten Grünen Österreichs (VGÖ). Lange Zeit war er auch Generalsekretär der Bertha von Suttner Friedensmission, die ihn auch zum Ehrenmitglied ernannte.[2] Er starb am 20. Januar 2013 nach langer Krankheit. Die Grabrede bei der Beisetzung am Wiener Zentralfriedhof im kleinen Kreis hielt Karl Edlinger, Kurator des Naturhistorischen Museum Wien.

Forschung

Er forschte unter anderem erfolgreich auf dem Gebiet der Krebse, wo er seltene Unterarten der Süßwasserkrabben entdeckte. Von den (bis zum Tode Pretzmanns im Jahre 2013) sieben anerkannten Unterarten dieser auf der Roten Liste gefährdeter Arten[3] stehenden Süßwasserkrebse Potamon potamios wurden drei Unterarten von Pretzmann entdeckt und nach ihm benannt. Aus seinen zahlreichen Forschungsreisen etc. gingen über 100 wissenschaftliche Arbeiten zu Virologie, Ethologie, Paläontologie und Evolutionstheorie hervor sowie zahlreiche populärwissenschaftliche Buchbeiträge. Pretzmann organisierte jährlich wissenschaftliche Symposien zu unterschiedlichen Fragen.

AGEMUS

‪Pretzmann gründete und leitete die Wiener wissenschaftlichen Gesellschaft „Arbeitsgemeinschaft Evolution, Menschheitsfragen und Zukunft (AGEMUS). Diese wurde im Jahr 1981 vom Freiburger Genetiker Carsten Bresch in einem biologisch-theologischen Arbeitskreis angeregt und nahm sich vor, die naturwissenschaftliche Forschung im Sinne von Teilhard de Chardin zu fördern. Im Jahr 1983 gab es bereits 24 Gruppen in Deutschland, Frankreich und Österreich. Vgl.: Margot Schmidt, ‪Fernando Domínguez Reboiras (Hrsg.): Von der Suche nach Gott. Helmut Riedlinger zum 75. Geburtstag, 1998, S. 616. AGEMUS Wien publiziert das regelmäßige Publikationsorgan AGEMUS-Nachrichten.

Bibliographie

  • Zur Bedeutung der primären Motivation für den Terrorismus – The importance of the primary motivation for terrorism; In: Erwin Bader (Hrsg.): Terrorismus. Eine Herausforderung unserer Zeit, 
Wien: P. Lang 2007, S. 131–136, 
ISBN 978-3-631-54923-0
  • Beitrag zur allgemeinen Evolutionstheorie, m. e. Vw. v. Rupert Riedl, Wien 2002.
  • (Hrsg.): Umweltethik. Manifest eines verantwortungsvollen Umgangs mit der Natur, Graz 2001.
  • Abschied von Illusionen. Fazit des XX. Jahrhunderts (Geleitwort von Rupert Riedl), Wien: AGEMUS 1999, ISSN 1021-092X
  • Gedanken zur Noosphäre. In: PCNEWS edu Februar 1997, S. 31f, siehe http://d.pcnews.at/_pdf/n510031.pdf.
  • Gibt es eine objektive Ethik? Evolutionäre Grundlagen menschlichen Handelns und Wertens, in: Umweltethik. Beiträge zur Grundlegung zukunftsverträglicher Werthaltungen, hrsg. v. Forum Österreichischer Wissenschaftler für Umweltschutz, Umweltforum 6/Oktober 1996, S. 20–22.
  • Grundzüge eines ökologischen Humanismus, Wien: VWGÖ 1992, ISBN 3-85369-857-3
  • Die Liebe. Natur und Kultur. Versuch einer Synopsis, Wien (Selbstverlag) 1981.
  • Ergebnisse einiger Sammelreisen nach Vorderasien, in: Ann. Naturhistor. Mus. Wien, Wien, November 1976, 453–456, siehe http://www.landesmuseum.at/pdf_frei_remote/ANNA_77_0331-0333.pdf.

Einzelnachweise

  1. Die wissenschaftlichen Beamten des Naturhistorischen Museums in Wien S. 33
  2. Internationale Friedens-Mission "Bertha von Suttner"
  3. www.iucnredlist.org