Gerichtsbezirk Friedland

Vorlage:Infobox Gerichtsbezirk/Wartung/Keine Kennziffer

Ehemaliger Gerichtsbezirk Friedland
(tschechisch: soudní okres Fridland)
Basisdaten
Kronland Böhmen
Bezirk Friedland
Sitz des Gerichts Friedland
(Fridland/Frýdlant)
zuständiges Landesgericht  Reichenberg
Fläche 335.32 km2 (1913)
Einwohner 38.472 (1910)
Aufgelöst 1919
Abgetreten an Tschechoslowakei

Der Gerichtsbezirk Friedland (tschechisch: soudní okres Fridland) war ein dem Bezirksgericht Friedland unterstehender Gerichtsbezirk im Kronland Böhmen. Er umfasste Gebiete in der nordböhmischen Region Reichenberg (Liberecký kraj). Zentrum und Gerichtssitz des Gerichtsbezirks war die Stadt Friedland (Fridland, heute Frýdlant v Čechách). Nach dem Ersten Weltkrieg musste Österreich den gesamten Gerichtsbezirk an die Tschechoslowakei abtreten, seit 1991 ist das Gebiet Teil der Tschechischen Republik.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die ursprüngliche Patrimonialgerichtsbarkeit wurde im Kaisertum Österreich nach den Revoultionsjahren 1848/49 aufgehoben. An ihre Stelle traten die Bezirks-, Landes- und Oberlandesgerichte, die nach den Grundzügen des Justizministers geplant und deren Schaffung am 6. Juli 1849 von Kaiser Franz Joseph I. genehmigt wurde.[1] Der so auch geschaffene Gerichtsbezirk Friedland gehörte zunächst zum Kreis Bunzlau und umfasste 1854 die 37 Katastralgemeinden Barnsdorf, Bernsdorf, Bullendorf, Bunzendorf, Buschullersdorf, Christiansau, Dittersbach, Dittersbächel, Ebersdorf, Einsiedel, Engelsdorf, Friedland, Göhe, Haindorf, Heinersdorf, Hermsdorf, Kunnersdorf, Liebwerda, Lusdorf, Mildenau, Mildeneichen, Neustadtl, Niederberzdorf, Niederullersdorf, Oberberzdorf, Olbersdorf, Priedlanz, Raspenau, Ringenhain, Rückersdorf, Schönwald, Tschernhausen, Weigsdorf, Weisbach, Wiese, Wünschendorf und Wustung.[2] Der Gerichtsbezirk Friedland bildete im Zuge der Trennung der politischen von der judikativen Verwaltung[3] ab 1868 auch einen eigenen politischen Bezirk, den gleichnamigen Bezirk Friedland.[4] 1911 wurde die Abtrennung des Gerichtsbezirks Neustadt an der Tafelfichte bestimmt, wobei sieben Gemeinden zum neuen Gerichtsbezirk Neustadt an der Tafelfichte zusammengeschlossen wurden.[5] Seine Amtswirksamkeit erreichte die Schaffung des Gerichtsbezirks jedoch erst per 1. Juli 1913, als das Bezirksgericht in Neustadt an der Tafelfichte seine Tätigkeit aufnahm.[6] Trotz der Abtrennung blieb der Gerichtsbezirk Neustadt an der Tafelfichte Teil des Bezirks Friedland.

Im Gerichtsbezirk Friedland lebten 1869 43.242 Menschen,[7] 1900 waren es 49.944 Personen.[8] Der Gerichtsbezirk Friedland wies nach dem Gebietsstand nach der Abspaltung des Gerichtsbezirks Neustadt an der Tafelfichte nach der Volkszählung 1910 nur noch eine Bevölkerung von 38.472 Personen auf, von denen 36.975 Deutsch (96,1 %) und 300 Tschechisch (0,8 %)[9] als Umgangssprache angaben. Im Gerichtsbezirk lebten zudem 1.197 Anderssprachige oder Staatsfremde.[10]

Durch die Grenzbestimmungen des am 10. September 1919 abgeschlossenen Vertrages von Saint-Germain wurde der Gerichtsbezirk Friedland zur Gänze der neugegründeten Tschechoslowakei zugeschlagen, wobei die Gerichtseinteilung bis 1938 im Wesentlichen bestehen blieb. Nach dem Münchner Abkommen wurde das Gebiet Teil des Landkreises Friedland. Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte das Gebiet zunächst zum Okres Frýdlant, nach dessen Auflösung wurde das Gebiet Teil des Okres Liberec, dessen Behörden jedoch im Zuge einer Verwaltungsreform 2003 ihre Verwaltungskompetenzen verloren. Diese werden seitdem von den Gemeinden bzw. dem Liberecký kraj, zu dem das Gebiet um Frýdlant v Čechách seit Beginn des 21. Jahrhunderts gehört, wahrgenommen.

Gerichtssprengel

Der Gerichtssprengel umfasste nach der Abspaltung des Gerichtsbezirks Neustadt an der Tafelfichte die 32 Gemeinden Arnsdorf (Arnoltice), Bad Liebwerda (Lázně Libverda), Bullendorf (Bulovka), Bunzendorf (Boleslav), Buschullersdorf (Oldřichov), Christiansau (Kristiánov), Dittersbach (Dětřichov), Dörfel (Víska), Ebersdorf (Habartice), Einsiedel (Mníšek), Engelsdorf (Andělka), Friedland (Frýdlant), Göhe (Háj), Haindorf (Hejnice), Hermsdorf (Heřmanice), Kunnersdorf (Kunratice), Mildenau (Luh), Mildeneichen (Lužec), Niederberzdorf (Dolní Pertoltice), Niederullersdorf (Dolní Oldřiš), Oberberzdorf (Horní Pertoltice), Olbersdorf (Albrechtice), Priedlanz (Předlánce), Raspenau (Raspenava), Ringenhain (Rynoltice), Rückersdorf (Dolní Řasnice), Schönwald (Krásný Les), Tschernhausen (Černousy), Weigsdorf (Višňová), Weißbach (Bílý Potok), Wiese (Ves) und Wustung (Poustka).

Einzelnachweise

  1. Landes-Gesetz- und Regierungs-Blatt für das Kronland Böhmen (Dritte Abtheilung des Ergänzungs-Bandes) 1849, Nr. 110: „Organisirung der Gerichte in dem Kronlande Böhmen.“
  2. Landes-Regierungs-Blatt für das Königreich Böhmen 1854, I. Abtheilung, XLVII. Stück, Nr. 277: „Verordnung der Ministerien des Inneren, der Justiz und der Finanzen vom 9. Oktober 1854, betreffen die politische und gerichtliche Organisirung des Königreichs Böhmen“
  3. Reichs-Gesetz-Blatt für das Kaiserthum Oesterreich. Jahrgang 1868, XVII. Stück, Nr. 44. „Gesetz vom 19. Mai 1886 über die Einrichtung der politischen Verwaltungsbehörden in den Königreichen ...“
  4. Reichs-Gesetz-Blatt für das Kaiserthum Oesterreich. Jahrgang 1868, XLI. Stück, Nr. 101: Verordnung vom 10. Juli 1868, die Durchführung des Gesetzes vom 19. Mai 1868 (Reichs-Gesetz-Blatt Nr. 44) in Böhmen, Dalmatien, Oesterreich unter und ob der Enns, Steiermark, Kärnthen, Kukowina, Mähren, Schlesien, Tirol und Vorarlberg, Istrien, Görz und Gradiska betreffend.
  5. Reichsgesetzblatt für die im Reichsrath vertretenen Königreiche und Länder 1911, XXI. Stück, Nr. 49: „Verordnung des Justizministeriums vom 14. März 1911, betreffend die Errichtung eines Bezirksgerichtes in Friedland“
  6. Reichsgesetzblatt für die im Reichsrath vertretenen Königreiche und Länder 1913, VIII. Stück, Nr. 31: „Verordnung des k. k. Justizministeriums vom 7. Juni 1931, betreffend den Beginn der Amtswirksamkeit des Bezirksgerichtes in Friedland“
  7. Böhmische k. k. Statthalterei (Hrsg.): Orts-Repertorium des Königreiches Böhmen. Mit Benützung der von der k .k. statistischen Central-Commission zusammengestellten Ergebnisse der Volkszählung vom 31. Dezember 1869 herausgegeben. Prag 1872, S. 7
  8. C.k. místodržitelství (Hrsg.): Seznam míst v Království českém. K rozkazu c. k. místodržitelství na základě úřadních udání sestaven. Prag 1907, S. 88
  9. In der Volkszählung wurden Personen mit böhmischer, mährischer und slowakischer Umgangssprache zusammengefasst
  10. k. k. Statististische Zentralkommission (Hrsg.): Spezialortsrepertorium von Böhmen. Bearbeitet auf Grund der Ergebnisse der Volkszählung vom 31. Dezember 1910. Wien 1915, S. 371

Literatur

  • k. k. Statististische Zentralkommission (Hrsg.): Spezialortsrepertorium von Böhmen. Bearbeitet auf Grund der Ergebnisse der Volkszählung vom 31. Dezember 1910. Wien 1915 (Spezialortsrepertorien der österreichischen Länder)