Gerichtsbezirk Graz-Ost

Gerichtsbezirk Graz-Ost
Karte des Gerichtsbezirks Graz-Ost
 Gerichtsbezirk Graz-Ost
 Landesgericht Graz
Basisdaten
Bundesland Steiermark
Bezirk Graz, Graz-Umgebung
Sitz des Gerichts Graz
Kennziffer 6011
zuständiges Landesgericht  Graz
Fläche 663.71 km2 (2011)

Der Gerichtsbezirk Graz-Ost ist ein dem Bezirksgericht Graz-Ost unterstehender Gerichtsbezirk im Bundesland Steiermark. Der Gerichtsbezirk umfasst den östlichen Teil der Stadt Graz und den südlichen Teil des Graz-Umgebung.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Der Gerichtsbezirk Graz Ost wurde durch eine 1849 beschlossene Kundmachung der Landes-Gerichts-Einführungs-Kommission unter dem Namen Gerichtsbezirk Graz geschaffen. Er umfasste ursprünglich die 58 Gemeinden Attendorf, Edelsbach, Edelsgrub, Eggenberg, Eisbach, Engelsdorf, Feldkirchen, Fernitz, Fölling, Gnaning, Gössendorf, Gösting, Grambach, Gratwein, Gratz, Gschnaid, Hart, Hart, Haselbach, Haselsdorf, Hausmannstätten, Hitzendorf, Kainbach, Kalsdorf, Krumegg, Langegg, Liebenau, Lieboch, Mellach, Messendorf, Mitterlaßnitz, Nestelbach, Pirka, Premstetten, Purgstall, Raaba, Reitteregg, Rohrbach, Schattleiten, Seyersberg, St. Bartholomä, St. Marein, St. Oswald, St. Peter, Sankt Stefan am Gradkorn, Stattegg, Stiwoll, Straßgang, Thal, Thondorf, Tobel, Unterandritz, Unterpremstätten, Waltendorf, Weinitzen, Wöbling, Wundschuh und Zwaring.[1][2] Durch eine ministerielle Verordnung wurde 1854 das Gebiet auf drei Bezirksgerichte aufgeteilt, wobei das städtisch-delegierte Bezirksgericht I. Section das Gebiet von Graz am rechten Murufer und das städtisch-delegierte Bezirksgericht II. Section das Gebiet von Graz am linken Murufer übernahm. Des Weiteren wurde das städtisch-delegierte Bezirksgericht III. Section für den Bereich Graz Umgebung eingerichtet.[3] Per 1. Jänner 1867 wurden die beiden städtisch-delegierten Bezirksgerichte I. und II. Section zusammengelegt, woraufhin sie den Gerichtsbezirk Graz bildeten.[4]

Das Graz umgebende Gebiet firmierte in der Folge unter dem Namen Gerichtsbezirk Graz Umgebung weiter und bildete im Zuge der Trennung der politischen von der judikativen Verwaltung[5] ab 1868 gemeinsam mit den Gerichtsbezirken Frohnleiten und Voitsberg den Bezirk Graz-Umgebung.[6] Nachdem durch eine kaiserliche Entschließung der Gerichtsbezirk Voitsberg per 1. Oktober 1891 vom Bezirk Graz-Umgebung abgetrennt worden war, verblieben nur noch die Gerichtsbezirke Frohnleiten und Graz Umgebung beim Bezirk Graz-Umgebung.[7] Die Größe der beiden Gerichtsbezirke blieb mit 21,59 km² (Gerichtsbezirk Graz) bzw. 758,98 km² (Gerichtsbezirk Graz Umgebung) zunächst stabil.[8] Erst durch die Ausscheidung der Gemeinde Petzendorf aus dem Gerichtsbezirk Wildon und dem Bezirk Leibnitz vergrößerte sich die Fläche des Gerichtsbezirks Graz Umgebung btw. des Bezirks Graz Umgebung um 2,7 km².[9] Im Zuge der nationalsozialistischen Verwaltungsorganisation kam es per 15. Oktober 1938 zur Eingemeindung zahlreicher Umlandgemeinden zur Stadt Graz, wodurch auch der Gerichtsbezirk Graz auf Kosten des Gerichtsbezirks Graz Umgebung seine Fläche etwa versechsfachen konnte.[10] Zudem kamen per 1. Oktober 1942 Teile von Thondorf zu Graz und per 1. Februar 1948 die Gemeinden Eggersdorf und Höf vom Gerichtsbezirk Gleisdorf zum Gerichtsbezirk Graz Umgebung. Dies hatte zur Folge, dass der Gerichtsbezirk Graz nach dem Zweiten Weltkrieg 127.22 km² und der Gerichtsbezirk Graz Umgebung nur noch 670.66 km² umfasste.[11]

Auch in den 1950er Jahren kam es zu größeren Gebietsänderungen im Gerichtsbezirk Graz Umgebung. So gelangten die Gemeinden Affenberg und Präbach per 1. April 1952 vom Gerichtsbezirk Gleisdorf (Bezirk Weiz) zum Gerichtsbezirk Graz Umgebung.[12] Zudem verlor der Gerichtsbezirk durch Grenzänderungen zwischen Gschnaidt und Großstübing per 1. April 1954 rund 51 Hektar Fläche an den Gerichtsbezirk Frohnleiten.[13] Per 1. Jänner 1957 wurde zudem die Gemeinde Pöls an der Wieserbahn aus dem Bezirk Leibnitz / Gerichtsbezirk Wildon ausgeschieden und dem Bezirk bzw. Gerichtsbezirk Graz Umgebung zugeschlagen.[14] Mit der 1962 verfügten Auflassung der Bezirksgerichte für Zivilrechtssachen Graz I (Graz Stadt) und für Zivilrechtssachen Graz II (Graz Umgebung) sowie der Errichtung eines gemeinsamen Bezirksgericht für Zivilrechtssachen Graz erfolgte die Vereinigung der bisherigen Gerichtsbezirke Graz bzw. Graz Umgebung zum Gerichtsbezirk Graz.[15]

Dieser Status blieb bis zu Beginn des 21. Jahrhunderts erhalten. Mit 1. Jänner 2004 wurden die Gemeinden Eisbach, Gratkorn, Gratwein, Gschnaidt, Judenburg-Straßengel, Sankt Bartholomä, Sankt Oswald bei Plankenwarth und Stiwoll dem Gerichtsbezirk Frohnleiten zugewiesen. Mit 1. Jänner 2007 beschloss der Nationalrat jedoch die Errichtung eines weiteren Bezirksgerichtes mit der Amtsbezeichnung Graz-West, wodurch das bisherige Bezirksgericht Graz in Graz-Ost umbenannt wurde.[16][17] In der Folge wurden per 1. Jänner 2007 die Grazer Stadtbezirke IV. Lend, V. Gries, XIII. Gösting, XIV. Eggenberg, XV. Wetzelsdorf, XVI. Strassgang und XVII. Puntigam aus dem bisherigen Gerichtsbezirk Graz ausgeschieden und dem Gerichtsbezirk Graz-West zugewiesen. Das übrige Gebiet des Gerichtsbezirkes Graz bildet seitdem den Gerichtsbezirk Graz-Ost.[18]

Gerichtssprengel

Der Gerichtssprengel umfasst den östlichen, linksseitig der Mur gelegenen Teil von Graz mit den zehn Stadtbezirken Innere Stadt, St. Leonhard, Geidorf, Jakomini, Liebenau, St. Peter, Waltendorf, Ries, Mariatrost und Andritz und die 39 Gemeinden Attendorf, Brodingberg, Dobl, Edelsgrub, Eggersdorf bei Graz, Feldkirchen bei Graz, Fernitz, Gössendorf, Grambach, Hart bei Graz, Hart-Purgstall, Haselsdorf-Tobelbad, Hausmannstätten, Hitzendorf, Höf-Präbach, Kainbach bei Graz, Kalsdorf bei Graz, Krumegg, Kumberg, Langegg bei Graz, Laßnitzhöhe, Lieboch, Mellach, Nestelbach bei Graz, Pirka, Raaba, Rohrbach-Steinberg, Sankt Marein bei Graz, Sankt Radegund bei Graz, Seiersberg, Stattegg, Thal, Unterpremstätten, Vasoldsberg, Weinitzen, Werndorf, Wundschuh, Zettling und Zwaring-Pöls im südlichen Teil des Bezirks Graz-Umgebung.

Einzelnachweise

  1. Allgemeines Landesgesetz- und Regierungsblatt für das Kronland Steiermark. 1850, XXI. Stück, Nr. 378: Erlass des Statthalters vom 20. September 1850, womit die nach dem provisorischen Gesetze vom 17. März 1849 errichteten neuen Ortsgemeinden mit ihrer Zutheilung in die politischen Gerichts- und Steueramts-Bezirke in dem Kronlande Steiermark bekannt gemacht werden.
  2. Allgemeines Landesgesetz- und Regierungsblatt für das Kronland Steiermark. 1850 (Beilage Kreis Gratz)
  3. Reichs-Gesetz-Blatt für das Kaiserthum Oesterreich. 1854, VIII. Stück, Nr 27: „Verordnung des Minister des Inneren, der Justiz und der Finanzen vom 31. Jänner 1854 betreffend die politische und gerichtliche Organisation des Herzogthumes Steiermark.“
  4. Reichs-Gesetz-Blatt für das Kaiserthum Oesterreich. 1866, XLVIII. Stück, Nr. 112: „Verordnung des Justizministeriums vom 8. September 1866 wegen Vereinigung der städtisch-delegirten Bezirksgerichte I. und II. Section in Gratz.“
  5. Reichs-Gesetz-Blatt für das Kaiserthum Oesterreich. Jahrgang 1868, XVII. Stück, Nr. 44. „Gesetz vom 19. Mai 1886 über die Einrichtung der politischen Verwaltungsbehörden in den Königreichen ...“
  6. Reichs-Gesetz-Blatt für das Kaiserthum Oesterreich. Jahrgang 1868, XLI. Stück, Nr. 101: Verordnung vom 10. Juli 1868
  7. Landesgesetz- und Verordnungsblatt für das Herzogthum Steiermark. 1891, X. Stück, Nr. 33: „Kundmachung des k. k. Statthalters in Steiermark, betreffend die Theilung des dermaligen politischen Bezirkes Umgebung Graz in zwei Bezirke und Errichtung einer Bezirkshauptmannschaft in Voitsberg.“
  8. k. k. Statististische Zentralkommission (Hrsg.): Spezialortsrepertorium von Steiermark. Bearbeitet auf Grund der Ergebnisse der Volkszählung vom 31. Dezember 1910. Wien 1917
  9. Bundesgesetzblatt für die Republik Österreich. 1923, 120. Stück, Nr. 621: "Verordnung des Bundeskanzleramtes vom 17. Dezember 1923 über die Zuweisung der Ortsgemeinde Petzendorf zum Sprengel des Bezirksgerichtes Umgebung Graz und zum Amtsbezirk der Bezirkshauptmannschaft Graz."
  10. Verordnungsblatt für den Amtsbereich des Landeshauptmannes für Steiermark. 1938, 6. Stück. Nr. 10: "Verordnung des Landeshauptmannes von Steiermark über die Erweiterung des Gebietes der Stadt Graz und einige damit zusammenhängende Änderungen des Gebiets von Umgebungsgemeinden."
  11. Österreichisches Statistisches Zentralamt: Ortsverzeichnis von Österreich. Bearbeitet auf Grundlage der Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Juni 1951. Wien 1953, S. 129, 227, 232
  12. Landesgesetzblatt für das Land Steiermark. 1952, Stück 3, Nr. 18: „Verordnung der Steiermärkischen Landesregierung über die Änderung der Verordnung der Steiermärkischen Landesregierung vom 29. Dezember 1950, LGBl. Nr. 63/1951, betreffend die Zuweisung der Gemeinden Affenberg und Präbach zum politischen Bezirk Graz-Umgebung“
  13. http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=lgm&datum=19530004&seite=00000090 Landesgesetzblatt für das Land Steiermark. 1953, Stück 18, Nr. 70]
  14. Landesgesetzblatt für das Land Steiermark. 1956, Stück 20, Nr. 60: „Verordnung der Steiermärkischen Landesregierung über die Zuweisung der Gemeinde Pöls an der Wieserbahn zum politischen Bezirk Graz-Umgebung“
  15. BGBl. Nr. 140/1962: „Bundesgesetz vom 23. Mai 1962 über die Errichtung eines Bezirksgerichtes für Zivilrechtssachen“
  16. BGBl. I Nr. 60/2004: „Bundesgesetz über die Organisation der Bezirksgerichte in Graz und die Änderung des Jugendgerichtsgesetzes 1988“
  17. BGBl. I Nr. 66/2005: „Bundesgesetz, mit dem das Bundesgesetz über die Organisation der Bezirksgerichte in Graz geändert wird“
  18. BGBl. II Nr. 295/2006: „Verordnung der Bundesregierung, mit der die Bezirksgerichte-Verordnung Steiermark geändert wird“

Literatur