Gexi Tostmann

Gesine Maria „Gexi“ Tostmann (* 1942 in Vöcklabruck, Oberösterreich) ist eine österreichische Unternehmerin.

Inhaltsverzeichnis

Ausbildung, berufliches

Gexi Tostmann ist die Tochter des Hamburgers Jochen Tostmann (1908–1980) und der Linzerin Marlen Tostmann (geb. Fischer, * 1915). Ihr Studium, Volkskunde (europäische Ethnologie) und Geschichte, beendete sie 1967 mit der Dissertation Wechselwirkung von Tracht und Mode in Österreich. Traditionseinflüsse in der Kleidung der Gegenwart. Danach trat sie in die elterliche Firma Tostmann Trachten ein, die sie seit 1968 als geschäftsführende Gesellschafterin, ab 2002 gemeinsam mit ihrer Tochter Anna Tostmann (* 1975), führt. Das Unternehmen, spezialisiert auf das klassische Dirndl, beschäftigt im Stammhaus Seewalchen und in Wien ca. 100 Mitarbeiter.

1987 wurde das Ladenschlussgesetz auf Grund einer Verfassungsklage von Gexi Tostmann (die durch das Gesetz das Grundrecht auf freie Berufsausübung verletzt sah) novelliert (Freigabe des Samstagnachmittagverkaufs in Österreich) und neu benannt (Öffnungszeitengesetz), brachte aber nicht die von Tostmann erhoffte ersatzlose Streichung des Gesetzes.

Gemeinsam mit ihrer Tochter initiierte sie den Emilie-Flöge-Preis und den Konrad-Mautner-Preis, die seit 2006 alle zwei Jahre an sogenannte „Botschafter der Tracht“ verliehen werden (bisherige Preisträger: Anja Kruse, Erwin Pröll, Christiane Underberg, Miguel Herz-Kestranek, Martina Pühringer, das Ehepaar Vivienne Westwood und Andreas Kronthaler).

Seit dem Jahr 2000 ist sie als Beirat im Vorstand der Volkskultur Niederösterreich tätig und betreut ebenfalls seit dem Jahr 2000 die Niederösterreichische Trachtensammlung des Niederösterreichischen Heimatwerkes.[1]

Andere Projekte

Durch persönliche Kontakte mit Frankfurter und Tübinger Volkskundekollegen ab den späten 1960er und frühen 1970er Jahren wurde sie mit der Philosophie der 68er vertraut. Sie engagierte sich aktiv in der frühen Friedens- und Anti-Atombewegung, gegen Zwentendorf und Wackersdorf, für die Hainburger Au und für ein bedingungsloses Grundeinkommen.

1980 gründete sie gemeinsam mit Freunden den Kulturverein Mölkerstiege (Schwerpunkt Volkskunde und Ökologie). In den Kellergewölben des Wiener Geschäftes veranstaltete sie zahlreiche Ausstellungen (u.a. Hexen Heiler Weise Frauen 1981, Turban, Tuch und Tamburin 1983, Zigeuner. Zwischen Romantisierung und Verfolgung 1984/85, Kopftuchkulturen – Ein Stückchen Stoff in Geschichte und Gegenwart 2007).

Der Bundespräsidentschaftskandidatin der Grünen Freda Meissner-Blau stellte sie 1986 Räume für ihr Wahlbüro zu Verfügung, ebenso der Grünbewegung (bis zum Einzug ins Parlament als „Grüne Alternative“ Ende 1986).

Sie war Mitinitiatorin zahlreicher Bürgerinitiativen, u. a. Rettet den Heldenplatz (1987/88).

Werke

  • Gexi Tostmann: Das Dirndl, Alpenländische Tradition und Mode. Verlag Christian Brandstätter, Wien/München 1998, ISBN 3-85447-781-3.
  • F. Lipp, E. Längle, G. Tostmann, F. Hubmann: Tracht in Österreich. Geschichte und Gegenwart. Verlag Christian Brandstätter, Wien 2004, ISBN 3-85498-347-6.
  • G. Tostmann, L. Wesely: Fleckerl-Zauber, Pachtwork-Quilts aus Tachtenstoffe. Verlag Christian Brandstätter, Wien 2003, ISBN 3-85498-313-1.
  • G. Tostmann, T. Weissengruber, M. Tostmann, F. Lipp: Alte Hüte Kopfbedeckungen von anno dazumal. Kopftücher, Hauben & Hüte. Verlag Christian Brandstätter, Wien/München 2009, ISBN 978-3-85033-334-4.

Sekundärliteratur

  • Thekla Weissengruber: Zwischen Kultur und Kommerz. Studien zum Umgang mit Trachten in Österreich nach 1945. Verlag LIT, Wien 2004, ISBN 3-8258-6992-X.

Auszeichnungen

Film

  • Das Dirndl. Ein Kleid zwischen Tradition und Moderne. ARTE Dokumentation von Nicola Graef und Susanne Brand. 2009
  • Gexi Tostmann – ein Leben mit der Tracht. BR alpha, Dokumentation von Erwin Fischer, 2009

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Staatssekretärin Marek übergibt Ehrenzeichen an Trachtenexpertin Dr. Gesine Tostmann auf der Seite des BMJF vom 21. Oktober 2008 abgerufen am 23. Dezember 2010