Gisela Laferl

Gisela Laferl (verheiratete Wozniczak; * 7. September 1884 in Neufisching; † 28. April 1968 in Gars am Kamp) war Gründungsobfrau des 1911 gegründeten "Verbundes der weiblichen und männlichen Hausangestellten Österreichs" "Einigkeit", zwischen 1919 und 1921 sozialdemokratische Gemeinderätin in Wien sowie zwischen 1950 und 1955 sozialdemokratische Gemeinderätin in Gars am Kamp.

Leben und Werk

Gisela Laferl ist in Langenwang im Mürztal aufgewachsen. Nach ihrer Ausbildung im Fremdenverkehrsbereich hat sie ab 1907 mehrere Jahre als Zimmermädchen, Köchin und Hausangestellte in der Schweiz gearbeitet, von wo sie 1910 nach Wien zurückgekehrt und Gründungsobfrau des 1911 gegründeten "Verbundes der weiblichen und männlichen Hausangestellten Österreichs" "Einigkeit" geworden ist. Zwischen 1911 und 1915 hat Laferl bei Friedrich Adler als Haushälterin gearbeitet.

Nach dem Zusammenbruch der Monarchie und der Ausrufung der Republik Österreich wurde sie am 4. Mai 1919 in den Wiener Gemeinderat gewählt, wo sie sich vor allem für gesetzliche Regelungen und die soziale Absicherung der Hausgehilfinnen engagiert hat. Als Obfrau des Verbundes "Einigkeit" hat sie die entsprechenden Tarifverhandlungen für Hausgehilfinnen geführt.

Im Frühjahr 1920 hat sie Isidor Wozniczak geheiratet und im Anschluss an ihre Übersiedlung nach Kamegg ihr Gemeinderatsmandat mit 13. Oktober 1921 zurückgelegt. In Kamegg hat das Ehepaar Wozniczak nach dem Victor Adler zugeschriebenen Motto „Der denkende Arbeiter trinkt nicht und der trinkende Arbeiter denkt nicht“[1] eine alkoholfreie Urlaubspension betrieben, zu deren Gästen namhafte Wiener Sozialdemokraten wie Adler, Deutsch, Kautsky und Rosa Jochmann gehörten, mit denen die Wozniczaks befreundet waren und blieben.

1935 hat die Familie Wozniczak die Waldpension in Gars gekauft, wodurch Gars ein beliebtes Urlaubsziel der Wiener Sozialdemokraten wurde:

„Unter den Gästen der vom sozialdemokratischen Funktionär Isidor Wozniczak und seiner Gattin Gisela, geborene Laferl, geführten Pension in Kamegg bzw. später der "Waldpension" in Gars [befanden sich] zahlreiche Parteifunktionäre. Der gelernte Werkzeugmacher war u.a. mit Viktor Adler, Otto Bauer, Robert Danneberg und Julius Deutsch befreundet. Der Schutzbundführer verbrachte ebenso wie seine Gattin Emma und sein Bruder Leo Deutsch seit den zwanziger Jahren Urlaube in Gars, und als Julius Deutsch 1934 nach Brünn bzw. später nach Schweden flüchten musste, wurden seine Bücher in Gars in Sicherheit gebracht. Da die Marktgemeinde Gars am 1. Juni 1938 Juden amtlich als unerwünscht erklärte, wurde der Pensionsinhaber 1938 von der Gemeinde mehrfach zu antisemitischen Maßnahmen aufgefordert und schließlich mit Entzug des gepachteten Kampbades bestraft.“[2]

Nach dem Anschluss Österreichs und der damit verbundenen Ausrufung der arischen Sommerfrische Gars geriet die Familie Wozniczak wegen ihrer sozialdemokratischen Überzeugung und ihres sozialdemokratischen sowie jüdischen Freundes- und Gästekreises ins Visier der Nationalsozialisten, weil die Waldpension trotz des amtlichen Verbotes weiterhin jüdische Gäste beherbergte und diesen den Zugang zum eigenen Badeplatz am Kamp erlaubte, der deshalb von der Gemeinde Gars gekündigt wurde.

In der Folge wurde ihr Mann immer wieder verhaftet, inhaftiert, freigelassen und dienstverpflichtet. Nachdem er zwischen Herbst 1944 und Frühjahr 1945 in Wien inhaftiert war, kehrte er Ende März 1945 nach Gars zurück, wo er am 24. April 1945 in Schutzhaft genommen und ins Gefangenenhaus Horn eingeliefert wurde. Anschließend wurde er am 2. Mai 1945 von Volkssturmmännern übernommen, in Mödring erschossen und seine Leiche verscharrt. Nach einjähriger Suche wurde sein Grab am 24. August 1946 entdeckt, sein Leichnam am 9. September 1946 exhumiert und am 15. September 1946 unter großer öffentlicher Anteilnahme in Wozniczaks Heimatgemeinde Gars bestattet.

Wozniczaks jüngerer Sohn Gregor kam 1943 in Stalingrad ums Leben, ihr älterer Sohn Walter 1947 in sowjetischer Kriegsgefangenschaft.

Nach dem Krieg leitete Gisela Wozniczak, die von 26. Mai 1950 bis 15. Mai 1955 sozialdemokratische Gemeinderätin in Gars am Kamp war, gemeinsam mit ihrer Tochter Mathilde die Waldpension.

Literatur

  • Alois Mück: Isidor Wozniczak. Garser Kulturbriefe. Nr.1. 1988. S.4f.
  • Anton Mück: Vom Denkmal zum Mahnmal. Gedenkschrift zum 65. Todestag des Freiheitskämpfers Isidor Wozniczak. Horn 2010.
  • Andreas Weigel: Gisela Laferl. In: Biographia. Biografische Datenbank und Lexikon österreichischer Frauen.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Das rote Wien: Arbeiter-Abstinentenbund.
  2. Friedrich Polleroß: Einleitung. In: Friedrich Polleroß: „Die Erinnerung tut zu weh“. Jüdisches Leben und Antisemitismus im Waldviertel. Horn 1996, S. 7-58, S. 22.