Gjaidalm

Gjaidalm
Gjaidalmhaus im März 2012
Gjaidalmhaus im März 2012
Lage Dachsteinmassiv; Oberösterreich; Talort: Obertraun
Gebirgsgruppe Dachsteingebirge
Geographische Lage 47° 31′ 4″ N, 13° 40′ 11″ O47.51777777777813.6697222222221738Koordinaten: 47° 31′ 4″ N, 13° 40′ 11″ O
Höhenlage 1738 m ü. A.
Gjaidalm (Oberösterreich)
Gjaidalm
Hüttentyp Hütte
Übliche Öffnungszeiten Sommer und Winter
Beherbergung 50 Betten, 32 Lager
Weblink www.gjaidalm.at

Die Gjaidalm, auch Schilcherhaus,[1] ist eine alpine Schutzhütte auf 1738 m ü. A. auf der Hochfläche des Dachsteinplateaus in Oberösterreich. In ihrem Umfeld wurden archäologische Ausgrabungen durchgeführt.

Blick von der Gjadalm Richtung Bundesheerkaserne Oberfeld im März 2012

Inhaltsverzeichnis

Zustiege, Übergänge und Gipfel

Zustiege:

Übergänge:

  • Zum Wiesberghaus (2 Stunden)
  • Zur Simonyhütte (3 Stunden)
  • Zur Dachsteinwarte über den Hohen Gjaidstein (4,5 Stunden)
  • Zur Bergstation am Krippenstein (1,5 Stunden)

Gipfel:

Seilbahnen und Lifte

Ehemaliger Hauslift der Gjaidalm im Januar 2009
Ehemaliger Hauslift der Gjaidalm im April 2009

Krippensteinbahn:

  • 1. Teilstrecke: Obertraun (608 m) - Schönbergalm (1.350 m)
  • 2. Teilstrecke: Schönbergalm - Krippenstein (2.079 m)
  • 3. Teilstrecke: Krippenstein - Krippeneck/Gjaidalm (1.795 m)[3]

Gjaidbahn: Die sogenannte Gjaidbahn des österreichischen Bundesheeres dient zur Versorgung des Truppenübungsplatzes Dachstein-Oberfeld.[4]

  • 1. Teilstrecke: Obertraun-Krippenbrunn (1.640 m)
  • 2. Teilstrecke: Krippenbrunn-Oberfeld (1.835 m)[5]

Ehemaliger Schlepplift Gjaidalm: Der 1957 in Betrieb genommene Lift, der mit einer Länge von 470 Metern von 1710 m auf 1840 m führte, wurde etwa um 2005 aufgelassen.[6]

Schutzhütte und Alm

Auf der Gjaidalm kann man unter fachkundiger Führung folgende Sportarten ausüben: Skitouren, Schneeschuhtouren, alpine Begehungen und Wanderungen. Die Hütte ist ganzjährig geöffnet, sie verfügt über 3 Gasträume mit 80 Sitzplätzen innen und 70 auf der Terrasse sowie 50 Betten und 32 Lagerplätze.[7]

Das Almgebiet umfasst etwa 4188 ha, davon sind etwa 29 ha als Futterfläche nutzbar.[8]

Geschichte

Frühgeschichte

In den Jahren 2001, 2010 und 2011 wurden in der Umgebung der Hütte Grabungen und Forschungen unter dem Titel Gjaidalm/Dachsteingebirge - Ein interdisziplinäres Projekt zur Erforschung der Geschichte des hochalpinen Raumes durchgeführt.[9]

Es wird vermutet, dass die Gjaidalm bereits in der Römerzeit zur Viehhaltung genutzt wurde, es finden sich auch Brandschichten, die als Zeichen einer Nutzung in der beginnenden Mittelbronzezeit gedeutet werden. Wenige Funde stammen vermutlich aus dem ausgehenden Spätmittelalter. Als Belege für eine intensive neuzeitliche almwirtschaftliche Nutzung gelten neben zahlreichen weiteren Funden die Reste einer Almhütte mit erhöhter Herdstelle.[9]

Namensgebung

Der Namen Gjaidalm leitet sich vom altmundartlichen Gjaid (Jagd) ab.[8] Die Gjaidalmhütte wird nach ihrem Erbauer Hans Schilcher auch als Schilcherhaus bezeichnet.

Erbauung

Bis in die Mitte der 1930er Jahre wurde das Almgebiet von Ramsau am Dachstein, also von der Steiermark aus bewirtschaftet.[8]

Anfang der 30er Jahre begann das damalige Österreichische Bundesheer, die Nordseite der Dachsteinhochfläche als alpines Übungsgebiet auszubauen. In dieser Zeit wurde vom Tallager Obertraun (jetzt Bundessportschule Obertraun) aus der Tragtierweg ausgebaut sowie das Lager Krippenbrunn (1550 m) und von Obertraun bis zur Gjaidalm eine Materialseilbahn (jetzt Gjaidbahn) errichtet. In diese Zeit fiel auch der Bau einer Mannschaftsbaracke auf der Gjaidalm. Alle Anlagen wurden zum Zeitpunkt des Anschlusses an das Deutsche Reich von der Wehrmacht übernommen und das Gebiet zum „Dachstein-Schießübungsplatz“ ausgebaut. Im Jahr 1945 wurde die Gjaider Mannschaftsbaracke von den Amerikanern an den Obertrauner Josef Schilcher mit der Widmung übergeben, diese zu einer Touristenunterkunft herzurichten. 1946 begann er damit, die Gjaidalmhütte entsprechend auszubauen und diese in den Folgejahren zu einem leistungsfähigen Touristenbetrieb zu erweitern. Der 1904 geborene Josef Schilcher war schon seit seiner frühesten Jugend mit dem Dachsteingebiet sehr verbunden. Mit dem Ausbau des Schilcher-Hauses machte er in der Folge dieses auch zum Standort der Obertrauner Skischule. Josef Schilcher verstarb 1974 im Alter von 70 Jahren.[10]

Anekdoten und Kurioses

Um die Jahrtausendwende wurde die Gjaidalm wegen der dort angeblich existierenden weltweit einzigen FKK-Langlaufloipe rege diskutiert. In Wahrheit handelte es sich um einen Werbegag von Hüttenwirt Hans Schilcher.[11]

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen: Österreichische Karte 1:50.000, AMAP Online, abgerufen am 24. April 2012
  2.  Rudolf Lehr: Dachstein: Abenteuer in Vergangenheit und Gegenwart. OÖ Landesverlag, Linz 1982, ISBN 3-85214-333-0, S. 83.
  3.  Rudolf Lehr: Dachstein: Abenteuer in Vergangenheit und Gegenwart. OÖ Landesverlag, Linz 1982, ISBN 3-85214-333-0, S. 87.
  4.  Rudolf Lehr: Dachstein: Abenteuer in Vergangenheit und Gegenwart. OÖ Landesverlag, Linz 1982, ISBN 3-85214-333-0, S. 91.
  5.  Rudolf Lehr: Dachstein: Abenteuer in Vergangenheit und Gegenwart. OÖ Landesverlag, Linz 1982, ISBN 3-85214-333-0, S. 94.
  6.  Loderbauer, Hannes: Schifahren in Oberösterreich. OÖ Landesverlag, Linz 1964, S. 244.
  7. Gjaidalm, 1750 m. In: www.dachstein-salzkammergut.at. Abgerufen am 13. Juli 2012.
  8. a b c Mythen und Fakten um die Gjaid Alm, abgerufen am 24. April 2012
  9. a b Franz Mandl, Johann Rudorfer: Gjaidalm Dachsteingebirge. Ein interdisziplinäres Projekt zur Erforschung der Geschichte des hochalpinen Raumes. anisa.at, 2011, S. 39, abgerufen am 13. Juli 2012.
  10. Gjaidalmhütte auf www.kreiter.info (abgerufen am 13. Juli 2012)
  11. Werner Paczian: Sauberer Berg. In: Der Spiegel. 27. März 2000, abgerufen am 13. Juli 2012.